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Filmrezension: Professor Layton und die ewige Diva

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Autor: Jakob Nützler

Kategorie: Sonstiges
Umfang: 1 Seiten

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NintendoDS Artikel vom 30.09.2010



Der steinige Weg vom Spiel zum Film
Lizenzunfälle zu aktuellen Blockbustern gibt es viele, tatsächlich verfilmte Spiele sind eher selten. Dennoch könnte man über den Segen bzw. Fluch von Videospielverfilmungen eine eigene Kolumne schreiben - wenn nicht ganze Kataloge an Kolumnen! Der spielerisch umwerfende Resident Evil-Grusel z.B.? Im wahrsten Sinne „furchtbar“ auf der Leinwand, der mit reichlich belanglosen Dialogen und einer anstrengenden das-muss-jetzt-spannend-wirken-Story in „Resident Evil: Afterlife“ aktuell seinen HöheTiefpunkt findet. Der Pokémon-Verfilmungsmarathon? Anfangs vermochten es Ashs 90-minütige Rettungsaktionen legendärer Taschenmonster noch, Fanboy-Scharen Tränen in die Augen treiben und sie mit Sammelkarten in die Lichtspielhäuser locken. Die darauf folgenden Streifen erschienen aber nur noch kleinlaut auf DVD und wirken inzwischen wie halbherzig aufgeblasene Episoden aus dem RTL2-Nachmittagsprogramm. Pika-Schockierend: Es gibt bis dato 13 (dreizehn!) bunte Verfilmungen um Nintendos Biester!

Und „Animal Crossing“ als abendfüllenden Film?! Leute, es ist nur eine zuckersüße Lebenssimulation! Das ist ja, als wollte man die Sims verfilmen! Haha! ...Okay, reden wir nicht mehr darüber.

Abseits dieser misslichen Lage eroberte ein feiner, englischer Gentleman mit Stil und Grips die japanischen Kinos - und wurde sogar nach Europa eingeladen! Indeed, Detective! Die beliebte Professor Layton-Franchise, inzwischen fünf Adventure-Episoden umfassend, erscheint als Zeichentrick-Projekt hierzulande auf DVD & Blu-ray und wird „Professor Layton und die ewige Diva“ heißen. Zeitgleich mit der dritten DS-Schnipseljagd um die verlorene Zukunft ist der 22. Oktober 2010 als Release angedacht - und am 20. November strahlt Super RTL um voraussichtlich 22 Uhr den vollständigen Film aus. Dank dem Anime-Label Kazé verfügen wir bereits über eine fertig lokalisierte Version des Hauptfilms und konnten uns einen Eindruck verschaffen, ob es zum „ganz großen Kino“ oder doch nur für das nerdige Layton-Wohnzimmer gereicht hat. Lest mehr in unserer Filmrezension!



Ein echter englischer Gentleman spart sich das Popcorn bis nach der Werbung auf!
Ups - gerade noch lästerten wir über Masakazu Kubo, den Produzenten der Pokémon-Filme, da entpuppt sich jener Anime-Veteran auch als Macher von „Professor Layton und die ewige Diva“. Dann sind wir mal gespannt! Einen Vorfilm mit Klein-Luke, parallel zu den Pikachu-Vorfilmen vor den Taschenmonster-Movies, gibt es glücklicherweise nicht...

Dafür beginnt Laytons und Lukes Reise mit einem geheimnisvollen Brief von der „ewigen Diva“, Laytons ehemaliger Studentin Jenis Quatlane, die zur Uraufführung einer populären Oper einlädt - bei der singt sie die Hauptrolle! Jenis erzählt außerdem von einem kleinen Mädchen, das laut eigener Aussage die Wiedergeburt einer kürzlich verstorbenen Freundin sein will - mehr noch, die Kleine behauptet, das ewige Leben erlangt zu haben! Logisch, dass der Professor mitsamt Kollegin Remi und seinem Nachwuchs-Assistenten Luke den Ungereimtheiten auf den Grund geht. Und ebenfalls logisch, dass die beiden naiv applaudierenden Herrschaften nach der Oper in eine sonderbare Verschwörung tappen - derjenige Zuschauer, der in einem Rätsel-Spiel alle Aufgaben entwirrt, erlangt ewiges Leben. Alle anderen: sterben?! Da waren sich die Filmemacher wohl nicht ganz einig... Prinzipiell sind das aber erstmal die Regeln des perfiden Spiels.

Natürlich sind zahlreiche Berühmtheiten nur wegen des Hauptpreises zur Opernaufführung erschienen - und schlagen sich zusammen mit dem cleveren Professor jetzt mit semi-bissigen Wölfen, musikalischen Herausforderungen und echten Kopfnüssen herum. Wir verraten nicht zu viel: Aber das perfide Spielchen nimmt ungeahnte Ausmaße an! Immerhin verwandelt sich die Oper in Sekundenschnelle in ein davontreibendes Schiff...



Ein echter englischer Gentleman nimmt sein Popcorn mit Schwarztee zu sich!
Wer mit den teilweise absurden Plot-Twists der Layton-Adventures vertraut ist, wird sich auch „Professor Layton und die ewige Diva“ versorgt fühlen - besonders das recht ausgedehnte Finale, in dem Dramatik und Action am Fließband abgespult werden, hält einige Überraschungen mit Gänsehaut-Potential bereit - fast immer aber auch mit Lach-Garantie! Der Zeichentrick-Spaß gibt sich nämlich weitestgehend augenzwinkernd und lässt die physikalischen Gesetze ebenso wie gesunden Menschenverstand irgendwo tief im DS-Slot zurück. Sei es eine Art Orgel, welche aus sämtlichen orchestralen Instrumenten besteht oder die halsbrecherische Flucht mit einem spontan zusammengezimmerten Fluggefährt - hier braucht man kein naturwissenschaftlich gebildetes Großhirn, sondern nur Bock auf komische, coole Anime-Szenen.

Ebenfalls authentisch wurden die einzigartige Optik und die stimmungsvolle Akustik ins Film-Format übertragen - wuchtige Orchester-Musik der bekanntesten Layton-Tracks begleitet das Geschehen, genauso wie auch neue Stücke. Besonders anfangs recht dominant: der japanische Gesang von Oper-Nachtigall Jenis, welcher in unseren Linkin Park- und Lady Gaga-geprägten Ohren sicherlich gewöhnungsbedürftig erklingt, aber doch Atmosphäre vermittelt. Befremdlich und ziemlich nervig muss man leider auch Lukes (neue) Synchronstimme beschreiben, die nicht der im DS-Spiel verwendeten Stimme gleicht - schade! Schade auch, dass Lukes Charakter ebenfalls nicht immer erträglich ins Geschehen involviert wird, sondern stets Dummerchen neben dem großen Professor bleibt.



Ein echter englischer Gentleman spielt nicht mit seinem DS, wenn der Film mal langweilig ist!
Der Zeichentrick-Stil setzt sich zusammen aus recht einfach gestalteten Figuren mit zurückhaltender Mimik, aber sehenswerten Hintergründen und am Computer bearbeitetem Effekt-Schmuck - beides lässt die unterschiedliche Schauplätze und die schrulligen Figuren im rechten Licht erscheinen. Apropos: Alte Gesichter, wie Dr. Shrader aus dem zweiten DS-Titel, „Professor Layton und die Schatulle der Pandora“, gesellen sich zu vielen Layton-Neulingen - Fußballspieler Pierre Starbuck oder Melina Whistler, das angeblich verstorbene Fräulein, sind da nur Beispiele.

Sogar der Spagat, die kniffligen Rätsel aus den DS-Vorlagen im Film unterzubringen, gelingt den Filmemachern - meistens. Es gibt einige wenige langatmige Sequenzen mit platten Dialogen, aber eigentlich will man immer wissen, was den heldenhaften Schnüfflern als nächstes widerfährt und was es mit dem Königreich Ambrosia und dem maskierten Bösewicht auf sich hat... Wenn der Abspann über den Bildschirm flimmert, fühlt man sich ordentlich durchgeschüttelt und direkt wieder auf die fesselnde Rätsel-Atmosphäre der DS-Spiele eingestellt. So sollte es sein!

Fazit:
Der erste Leinwand-Ausflug (er fliegt tatsächlich in dem Film, ja..) unseres sympathischen Knobel-Gelehrten ist keine Bruchlandung geworden, sondern eine größtenteils beschwingte und spaßige Ode an die Gaming-Vorlage von Level-5. Alles, was an Wendungen oder Rätsel-Häppchen in „Professor Layton und die ewige Diva“ passiert, passt auch in die Welt der einprägsamen Charaktere und der einzigartigen Optik. Natürlich darf man keine ganz anspruchsvollen Moralbotschaften oder Blockbuster-Ernsthaftigkeit erwarten - unlogische Verhaltensweisen sowie eine maßlos überdrehte Rätsel-Story sind hier zugunsten von liebenswerten, schrägen Layton-Figuren und unterhaltsamem Abenteuer-Flair in Kauf zu nehmen. Serien-Fans ist diese schöne visuelle Interpretation jedenfalls definitiv ans Herz zu legen - und gänzliche Layton-Newbies bekommen mit dem Zeichentrick-Film eventuell einen Anreiz, sich hinter die DS-Rätsel zu klemmen und mehr über den Professor zu erfahren. Toll!

Knobelt zwischen Kinosesseln und Filmplakaten nach dem ewigen Leben: Jakob Nützler [Miroque] für PlanetDS.de

Vielen Dank an Kazé für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
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