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So Blonde - Zurück auf die Insel


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So Blonde - Zurück auf die Insel - Review vom 10.03.2011

Immer noch haben es weibliche Videospiel-Charaktere schwer, Hauptrollen zu ergattern - und wenn Frau nicht gerade die Cleverness einer Nina aus „Geheimakte Tunguska” für sich verbuchen kann, gelingt es kaum, sich z.B. ein verwöhntes, blondes Luder als Adventure-Heldin vorzustellen. Im Jump 'n' Run-Sektor reicht es gerade noch für die wehrlose Prinzessin, die Kuchen backt und gerettet werden will.

Dennoch griff dtp entertainment das feministische Projekt „So Blonde” auf dem PC auf, das eben solch eine Dame auf eine ungewöhnliche Urlaubsreise schickte - und nun regt sich Sunny Blonde auch auf den Nintendo-Konsolen DS und Wii darüber auf, dass blutrünstige Piraten kein Benehmen haben und dass ihr MP3-Player verschwunden ist. Die etwas aufgemotzte Erweiterung zum PC-Unikat heißt jetzt „So Blonde: Zurück auf die Insel“. Als Spieler darf man sich mit allerhand naiven Sprüchen das Ohr volljammern lassen, im Gegenzug aber auch mit Sunny das Geheimnis um einen alten Fluch entschlüsseln. Was die Neuinterpretation des Adventures auf dem Handheld schafft, haben wir im Reisebericht für euch dokumentiert.

Wie viele Blondinen braucht man, um eine verfluchte Insel zu verlassen?
Antwort: Eine reicht definitiv! Sunny Blonde versorgt den klugen Point & Click-Spieler mit zahlreichen geistreichen Bemerkungen, die alle Klischees von der fanatischen Rockstargöre bis hin zur Schönheitsqueen bedienen. Wie es die Genre-Regeln vorgeben, lenkt ihr das nervige Blondchen durch simple Touchscreen-Berührungen über eine Insel, könnt Objekte betrachten oder ins Handtäschchen einpacken und müsst durch Gespräche in der Handlung voranschreiten. ..Handlung?

Ach, natürlich: Sunny befindet sich auf einer von ihren Eltern initiierten Kreuzfahrt, die dank dem Fehlen von Gleichaltrigen und Modefreaks zur persönlichen Albtraumtour wird. Durch einen unglücklichen Unfall in einem Sturm geht die gelangweilte Dame über Bord und wird am Ufer der Vergessenen Insel angespült - und stolziert, nachdem sie ihr Make-up überprüft hat, mitten hinein ins Abenteuer, bei dem Piraten, Schamanen und Gestalten aus der Vergangenheit eine entscheidende Rolle spielen. Erst hofft Sunny noch eine ganze Weile auf das nächstbeste 5-Sterne-Hotel und ihre dort wartenden Eltern, ehe bald feststeht: Das Mädel muss alleine ihre Abreise organisieren! Dummerweise gestaltet sich das wegen eines bösen Fluches, der das Verlassen über den Seeweg unmöglich zu machen scheint, als nicht so einfach.

Mit der Haarfarbe denken!
Während die Strand-Startsequenz noch eine recht lineare Vorgehensweise erfordert, nimmt der Anspruch und die Freiheit eurer Entscheidungen im Laufe des Abenteuers zu - genauso wie die Örtlichkeiten auf der Insel, zu denen Sunny Zugang bekommt. Eine Karte mit den zentralen Ausgangspunkten kürzt Laufwege ab und beweist, dass ihr manche Gebiete wiederholt besuchen müsst, z.B. weil sich plötzlich gewisse Personen dort aufhalten. Typische Inventarrätsel fordern euch auf, Gegenständige zu kombinieren - das reicht vom simplen Einsetzen des Handyakkus bis zur aufwändigen Bastelei einer Hühnerfalle. Natürlich könnt ihr Sachen auch mit Objekten in der Umgebung verknüpfen, um z.B. mit Schlüsseln Türen aufzuschließen. Für Kenner des Genres also altbekannte Kost.

Erfrischend wirkt dafür der Erwerb von Dublonen, der einheimischen Inselwährung - ihr verdient Geld z.B. indem ihr euch an einen Fluss oder das Meer begebt, ein Angel-Minispielchen bewältigt und die erhaltenen Fische schließlich an hungrige Dorfbewohner vertickt. Achtung: Jede Figur zahlt einen anderen Preis für das eiweißreiche Nahrungsmittel! Jedoch habt ihr teilweise nicht mehr die Wahl zum Rückzug des Handels, wenn ihr der Person erst mal die Fische angeboten habt - komisch. Generell zeigt dieser leichte RPG-Flair aber schon, dass in „So Blonde” mehr Freiheiten gegeben sind als beispielsweise in „Baphomets Fluch”. Wo andere klassische Adventures durch intelligente und fordernde Rätsel aufwarten, brät sich „So Blonde” aber wieder eine Extrawurst. Teils alberne und unterschiedlich spaßige Minispiele, deren Comic-Style zugegebenermaßen schick modelliert ist, tauchen eingebettet in die Handlung auf. Natürlich wird der Touchscreen dafür beansprucht: Mal müsst ihr die Angelroute auswerfen, ein anderes Mal ein Hennenrennen bestehen. Leider wirken die Minigames im Spielfluss wie die Sonnenbrille am Sandstrand: aufgesetzt! Dass sich sämtliche Minispiele auch einfach überspringen lassen, ist zwar anfängerfreundlich und manchmal angenehm, aber auch irgendwie dämlich und ironischerweise kein Indiz für die Daseinsberechtigung jener Spielchen.

Mit ansteigender Spielzeit wächst dann auch Sunnys Aufgabenberg: Eine Gedichte-Lesung organisieren, Cocktails mixen und etwas gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der sogenannten Grube unternehmen liegt bald näher, als nur die Insel zu verlassen. Um nicht den Überblick zu verlieren, sind im Questbuch alle Aufträge gekennzeichnet - das erleichtert das Weiterspielen, falls man Sunny mal eine Weile den Rücken gekehrt hatte. Dennoch sind -gerade durch den Wechsel von zwei Zeitebenen- die Handlungen kompliziert genug miteinander verwoben, sodass unregelmäßiges Spielen durchaus zur Verwirrung führen kann.

Steuerung:
Ausgerechnet bei der Meisterdisziplin eines jeden Point & Click Adventures stellt sich „So Blonde” selbst das ein oder andere rasierte Damenbein. So lässt sich eine Klick-Aktion, beispielsweise wenn ihr den Bildschirmausgang berührt oder versehentlich eine Person ansprecht, nicht mehr zurückziehen - im schlimmsten Fall muss Sunny also quer durch die Szenerie latschen und manchmal warten, bis die Figuren sich zum Gesprächsbeginn bequemen. Beim Wechseln der Ortschaften versäumte man ebenfalls, sich an durchdachten Genre-Kollegen wie „Baphomet’s Fluch” zu orientieren, die einem lange Laufwege ersparten und einfach den direkten Bildschirmwechsel ermöglichten. Schade! Hot-Spots sind zudem teilweise so punktiert gesetzt und mit dem Stylus schwer zu erreichen, dass unnötiger Frust entsteht.

Grafik:
Obwohl im Vorfeld Marketing-Gerede von düsteren Settings für den erweiterten Nintendo-Port zu hören war, hebt sich „Zurück auf die Insel“ nicht von farbenfrohen Spaß-Adventures ab. Die exotischen und urlaubsfreundlichen Gebiete sind zwar divergent dargestellt (etwa eine idyllische Dorfkirche oder eine hübsche Bootsanlegestelle), an „Monkey Island“-Niveau reicht das aber nicht heran. Ganz nett umgesetzt sind auch der schlichte Coming-Stil der Minispiel-Oberflächen und die unterschiedlichen Animationen der zahlreichen Inselbewohner.

Sound:
Recht uninspiriert klimpert der technisch modifizierte Soundtrack dahin, wobei ein akustischer Vergleich mit „Runaway” oder gar „Monkey Island” höchstens zum Fremdschämen einlädt. Die wenig abwechslungsreiche Karibik-Musik, welche spannende Story-Wendungen oder komische Figuren nur sporadisch unterstreicht, verschenkt damit viel atmosphärisches Potential. Ansonsten geht die Akustik bis auf wenige Patzer, beispielsweise wenn Kerngeräusche plötzlich fehlen, in Ordnung. Etwas schade ist auch, dass wir angesichts der DS-Leistung auf die ulkige Sprachausgabe der Wii-Fassung verzichten müssen.

Features:
Der Wechsel zwischen Sunny und einem aus Spoiler-Gründen unbenannten zweiten Charakter stiftet Abwechslung, aber auch Verwirrung beim Spieler. Durch den Zeitebenen-Wechsel beider Figuren hebt sich das Adventure jedoch zumindest von allzu geradlinigen Genre-Kollegen ab. Die Minispiele als freiwillig zu wiederholende Rätsel-Einlagen sind hingegen von fragwürdigem Sinn: Sollen Spielmechanismen ausprobiert werden? Dienen sie bloß der Spielzeitstreckung oder sollen daran erinnern, dass wir einen DS in der Hand halten? Und warum um Sunnys Willen gibt es sämtliche Minispiele schon von Anfang an im Hauptmenü?! Interessanter sind da die Parallelen zu der PC-Vorlage und die zahlreichen Anspielungen auf die Pop-Kultur, welche „So Blonde” dann doch so reizvoll machen.

Fazit:
Definitiv zugute halten kann man „So Blonde: Zurück auf die Insel”, dass wir es mit keiner stupiden 1:1-Kopie eines Computer-Adventures zu tun haben, sondern ein eigenständiges und Nintendo-freundliches Klischee-Bündel serviert bekommen. Gerade optisch haben die Entwickler viel Zeit in die Hintergründe sowie Charaktere gesteckt. Blond nur, dass die halbherzigen Minispiele kein würdiger Rätsel-Ersatz sind und dass die Story sich ganz an Wortspiele und Blondinen-Kitsch klammert - denn auch spannende Erzählmechanismen würden ein solches Konzept vorantreiben. Trotzdem ist das DS-Adventure gut gelaunt und charmant aufgelegt und bietet einen ordentlichen Umfang, der Genre-Befürworter mit netten Pointen und einigen virtuellen Urlaubseindrücken belohnt.

Mag Sunny, bucht Last Minute aber doch lieber nach Monkey Island: Jakob Nützler [Miroque] für PlanetDS.de

Vielen Dank an dtp entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

WERTUNG:
77%
Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre
Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks
Lesertests:
Lesen ( 0 ) / Schreiben
Komplettlösung
Videos
Steuerung

Hot-Spot-Frust und lange Laufwege - nicht ganz makellos. Innovationsfaktor:
+----  (1 von 5 Sternen)
Eindrucksloser Touchscreen-Einsatz in den Minigames, ansonsten recht akzeptabel verwendetes Steuerungsmedium.
Grafik

Fröhliches Karibik-Flair und sauber animierte Inselbewohner.
Sound

Karibik-Instrumente lassen dezent Urlaubsflair aufkeimen.
Spielspaß

Charmante Robinson Crusoe-Parodie mit einigen Genre-Freiheiten.








Details
Spielname:
So Blonde - Zurück auf die Insel

Publisher:
dtp entertainment

Developer:
Wizarbox

Genre:
Adventure

Release:
26.03.2010 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre
Screenshots:

ScreenViewer öffnen (5)

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