Die Sims 2 - Apartment-TIERE
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Die Sims 2 - Apartment-TIERE -
Review vom 14.02.2009
Ein Haustier-Wellnesscenter betreiben, im Zuge dessen nette Leute mit ihren Vierbeinern Geld verdienen können, das man dazu verwenden kann, um den Laden und die eigenen Tierchen auf Vordermann zu bringen - nun, hört sich als Komplettpaket nach keiner schlechten Spielidee an. Leider ist die Idee so ziemlich das Einzige, was bei „Die Sims 2: Apartment-TIERE“ brauchbar ist... Oder? Den Rest des Spiels hat EA nämlich grandios versaubeutelt. Wie schlimm es wirklich steht, oder ob dieser dramatische Anfang nur ein billiger Köder war, um die flatterhafte Aufmerksamkeit unserer Leserschaft zu erhaschen, erfahrt ihr im heutigen Review!
Boxenstopp in EAs Wellness-Apartment
Am Anfang von „Die Sims 2 - Apartment-TIERE“ darf -wie in der Spielreihe üblich- in Frankenstein-Manier aus unterschiedlichen Körperteilen ein eigener Protagonist zusammengebastelt werden. Dieser zieht nun vorübergehend in die Wohnung seines Onkels, um dessen Tier-Wellnessshop ein Stockwerk weiter unten zu betreiben. Hier zeichnet sich schon das erste Problem ab: Zwar halten sich tatsächlich die titelgebenden Tiere im titelgebenden Apartment auf, sie sind jedoch nicht euren eigenen Schützlinge, sondern nur jeweils wenige Tage zur Pflege da, bevor der Hausmeister, die Nachbarin und ähnliche Personen anklopfen und die Tierchen in ihre neu gefundenen Pflegefamilien verfrachten. Vielleicht haben das die Entwickler aus Gründen der Abwechslung eingebaut, dennoch besteht ein gehöriger Unterschied zwischen dem vorübergehenden in Pflege Nehmen eines Tiers und, wie etwa bei „Nintendogs“, dem Erwerb eines eigenen, mit dessen Eigenarten und Charakter man sich abfinden, das man trainieren und das einem über die Zeit ans Herz wachsen kann.
Wo wir gerade bei Eigenarten sind - diese sucht man an EAs Haustieren vergebens. Sämtliche Hunde und Katzen tun eigentlich nicht viel, außer steifbeinig und unrealistisch animiert durch die Wohnung zu humpeln und zuweilen ein Bedürfnis zu äußern. Selbst der Charakter von Hunden einerseits und Katzen andererseits unterscheidet sich so gut wie gar nicht. Absurderweise kann zum Beispiel ein Minispiel, in dem das Haustier im Garten nach versteckten Schätzen buddelt, sowohl mit Hunden, als auch mit Katzen gespielt werden... Man muss kein Biologe sein, um zu wissen, dass Katzen eher weniger zu den Tierarten zählen, mit denen man sich auf eine Schnupper- und Buddel-Schatzsuche begeben kann - den Entwicklern scheint die Redewendung „so unterschiedlich wie Hund und Katz“ allerdings kein Begriff zu sein.
Du und dein Haustier - eine eingeschweißte Gemeinschaft!
Das Apartment bietet außerdem die Möglichkeit kleinere Geldbeträge in recht anspruchslosen, tierbezogenen Minispielen zu verdienen, oder die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Jeder, der irgendwann einmal einen „Sims“-Titel gespielt hat, weiß wie das aussieht: Die verschiedenen menschlichen Bedürfnisse werden durch grüne Balken symbolisiert, die konstant abnehmen, wenn das entsprechende Verlangen nicht gestillt wird. Dieses System wurde für „Die Sims 2 - Apartment-TIERE“ allerdings erheblich vereinfacht: Zum einen existieren nunmehr vier Bedürfnisse, nämlich Schlafen, Essen, soziale Interaktion und Toilettendrang, zum anderen dauert es erstaunlich lange, bis in dieser Hinsicht eine wirkliche Dringlichkeit besteht - die Spielfigur hält es tatsächlich tagelang aus, ohne einmal aufs Klo zu gehen. Eine Glanzleistung! Interessanterweise gibt die Apartments-Einrichtung Hinweise darauf, dass ursprünglich mehr Bedürfnisvarianten geplant gewesen sein könnten. So steht eine Dusche zur Verfügung, obwohl die Spielfigur niemals schmutzig wird, und Fernseher bieten Unterhaltung, für die kein wirklicher Bedarf besteht.
Der Wellnesscenter-Bereich verstärkt noch den Eindruck, dass die Entwickler entweder unter enormem Zeitdruck oder lähmender Unlust litten - oder aber gar keine Ahnung von Tieren und ihrer Pflege haben. Doch schön der Reihe nach: Spaziert ein potentieller Kunde an die Theke des Wellnesscenters, kann er im typischen Simlish-Kauderwelsch („Ah, van vesua! Cummuns nala?“) begrüßt werden. Bevor dann das mitgebrachte Tierchen gepflegt wird, muss erst bestimmt werden, was dem kleinen Racker überhaupt fehlt. Dazu rotiert der Patient auf dem Bildschirm herum wie ein Mikrowellengericht, während der Spieler in zufälligen Abständen mit dem Touchpen verschiedene Körperteile des Tiers antippen oder reiben muss. Warum er das tun muss und wie um Himmels willen dadurch eine Diagnose zustande kommt, wird nie erklärt. Sobald feststeht, wo der Schuh drückt, muss dem Leiden Abhilfe geschafft werden. Dies geschieht wiederum mit Hilfe verschiedener Minispiele. Ist das Tier beispielsweise ungekämmt, müssen mit dem Stylus nacheinander zufällig gewählte Körperteile des Haustiers bestrichen werden. Ist der kleine Patient schmutzig, müssen mit dem Stylus nacheinander zufällig gewählte Körperteile des Haustiers angetippt werden. Stinkt das Tier, müssen mit dem Stylus nacheinander zufällig gewählte Körperteile… Nun, ihr versteht das Prinzip.
Ein wenig Abwechslung entsteht, wenn das Tierchen ein neues Kleidungsstück begehrt (!), denn dann spielt man unter Zeitdruck eine gehörig verflachte Version des beliebten Kartenspiels Memory - verflacht deswegen, weil man nicht etwa alle Kartenpaare zu finden hat, sondern lediglich das Kartenpaar mit dem vom Tier gewünschten Item darauf. Das führt dazu, dass man die Karten der Reihe nach umdreht, bis man Karte 1 gefunden hat, und dann weiterklickt, bis Karte 2 da ist, woraufhin die Aufgabe abgeschlossen ist und das gewünschte Accessoire am Tier erscheint.
Mit der Katze auf Schatzsuche...?
Was diese Beispiele zeigen sollen: Zum einen sind die Minigames weder tiefgründig noch herausfordernd aufgezogen, und zum anderen haben sie mit tatsächlicher Tierpflege wenig bis gar nichts zu tun. Im Vergleich zu Nintendo-Vorbild „Nintendogs“, wo das Hegen und Pflegen der Ninten-Hunde ordentlich ins Spiel integriert und intuitiv zu erfassen war, wirken die Mini-Aufgaben in „Die Sims 2 - Apartment-TIERE“ aufgesetzt, flach und geradezu absurd. Das mag der Grund sein, warum „Nintendogs Spaß machte und „Die Sims 2 - Apartment-TIERE“ nach kurzer Zeit nervtötend und ermüdend wird. Sobald man die Minispiele nämlich gemeistert hat (wozu nun wirklich nicht viel gehört), wird es einfach uninteressant. Spätestens wenn ihr im Wellnesscenter den zwanzigsten Hund gekämmt und die dreißigste Katze parfümiert habt, setzt lediglich noch gepflegte Monotonie ein.
Da hilft auch nicht der Versuch eines „Gotta catch them all“-Prinzips. Es ist wahr - man kann seinen Apartment-Tieren diverse Kleidungsstücke und Accessoires kaufen, doch wenn einen -wie oben erwähnt- nichts mit dem kleinen Schützling verbindet, der nach drei Tagen sowieso auf Nimmerwiedersehen verschwindet und durch einen tierischen Fremdling ersetzt wird, lässt auch dieser Anreiz schnell nach. Es ist wahr - man kann den Shop und die Wohnung mit frisch gekauften Möbeln aufpeppen, doch tragen diese, anders als in den Original-Sims-Spielen, gar nicht zum erhöhten Wohlbefinden der Hauptfigur bei. Ein teurerer Herd macht kein nahrhafteres Essen, ein besseres Bett beschleunigt nicht die Erholung. Wieso soll man also Stunde um Stunde mit dem Absolvieren immergleicher, immerflacher Minigames Geld verdienen? Um die ansonsten nutzlosen Möbel optisch zu verbessern?
Steuerung:
Der sensitive Touchscreen steuert die Spielfigur ähnlich wie im originalen „Sims“. Ein Tippen auf den Boden und euer Mensch läuft dort hin - ein Tippen auf Gegenstände und Personen und ein Kontextmenü erscheint, in dem Interaktionsmöglichkeiten aufgelistet werden. Dies funktioniert in der Regel. Auch die Minigames lassen sich tadellos bedienen, was jedoch keine Kunst ist, da sich die Anforderungen meist im Tippen und Reiben auf dem Bildschirm erschöpfen.
Grafik:
Auf den ersten Blick erinnert die Spieloberfläche an den allerersten „Sims“-Ableger auf PC. Auf den zweiten Blick jedoch fallen all die Details auf, an denen die Entwickler offensichtlich gespart haben. Wenn sie sich aufs Klo setzt, lässt die Figur der Einfachheit halber die Hosen an - uriniert also anscheinend durch den Stoff hindurch, uäh... Ins Bett legt man sich Tag für Tag in den Straßenkleidern... Nein, all das hätte man wesentlich liebevoller gestalten können! Die Tier-Modelle selbst sind ebenfalls keine Augenweiden. Hunde und Katzen unterscheiden sich meist nur in den Fellfarben und bewegen sich wie die gehbehinderten Vierbeiner aus der Augsburger Puppenkiste. Wieder einmal der zukunftsorientierte Hinweis: von „Nintendogs“ lernen...!
Sound:
Reale Hunde und vor allem Katzen sind imstande, ihre Gemütslagen durch eine Vielzahl von Lauten mitzuteilen - die geringe Anzahl von Tiersoundschnipseln wird dem leider ganz und gar nicht gerecht. Im Apartmentbereich ist außerdem tagsüber ein unangenehm kurzer Audioloop mit Straßengeräuschen zu hören, nachts ein unangenehm kurzer Audioloop mit Grillenzirpen. Ergo: In all diesen Bereichen wäre problemlos mehr drin gewesen.
Features:
Über das Sammel-Feature sind wir bereits weiter oben hergezogen, als wir sagten, es bringe wenig eine Vielzahl von Kleidungsstücken für Tiere zu sammeln, die einen nach ein paar Tagen wieder verlassen, und es sei sinnlos, Massen von Möbeln zu kaufen, die die Wohnqualität höchstens optisch verbessern. Dennoch soll die Sammelsucht-Idee hier eher als Pluspunkt gewertet werden, da es das Einzige ist, was zumindest potentiell imstande ist, dem Spiel so etwas wie eine Langzeitmotivation zu geben. Der deutsche Bildschirmtext ist meistens akzeptabel und weist nur zuweilen unfreiwillig komische Stilblüten auf, zum Beispiel dann, wenn der Hausmeister die Mieter als „eingeschweißte Gemeinschaft“ bezeichnet…
Fazit:
Dass ein solches DS-Spiel Jahre nach „Nintendogs“ herauskommt und von dem damaligen Hit so gar nichts gelernt hat, verwundert Tierschützer wie Reviewschreiber. Denn so ist „Die Sims 2 - Apartment-TIERE“ ein flaches, uninspiriertes Stück Software, dessen seichte Minigames nicht herausfordern und schnell langweilen, und das Hunde- und Katzenbesitzern Unrecht tut, indem es diese Tiere als humpelnde Langweiler ohne Persönlichkeit hinstellt. So bleibt uns nur ein Hinweis auf den um Längen besseren Referenztitel oder der Tipp, über den Kauf eines echten Haustiers nachzudenken. Zwar ist die Pflege eines realen Hundes oder einer wirklich existenten Katze mitunter auch langweilig und ermüdend, aber lange nicht so eintönig wie in Electronic Arts’ neustem Sims-Aufguss.
Parfümiert jetzt erst mal die Katze: Christian Luscher [Sagat] für PlanetDS.de
Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Details
Spielname:
Die Sims 2 - Apartment-TIERE
Publisher:
Electronic Arts
Developer:
Electronic Arts
Genre:
Simulation
Release:
28.08.2008 (erschienen)
Multiplayer:
nicht vorhanden
Altersfreigabe:
Frei ab 0 Jahre
Screenshots:
 ScreenViewer öffnen (4)
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