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Valkyrie Profile: Covenant of the Plume


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Valkyrie Profile: Covenant of the Plume - Review vom 19.05.2009

In Valkyrie Profile von Enix durfte man auf der Playstation in die Rolle einer Walküre schlüpfen, die die Seelen gefallener Krieger einsammelt, um sie zur Götterdämmerung gegen die Mächte des Bösen schicken zu können. Das Game war seinerzeit ein zwar reichlich schwerer, aber höchst beeindruckender Kracher. So wurde die Ankündigung eines DS-Sequels natürlich allenthalben bejubelt. Wie schlägt sich der wilde Walkürenritt auf dem Doppelbildschirmer?

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines jungen Kriegers namens Wylfred. Nachdem sein Vater auf dem Schlachtfeld gefallen und die kleine Schwester verhungert ist, macht sich der verbitterte Herr auf die Suche nach der Walküre Lenneth, um ihr mit Hilfe seines Schwerts zu zeigen, was er von fliegenden Mädels hält, die sich die Seelen der Toten unter den Nagel reißen.

Bedauerlicherweise stirbt der Jüngling selbst im Kampf und wird von Hel, der Herrscherin der Unterwelt, kontaktiert. Sie macht ihm ein Angebot, das er nicht abschlagen kann: Hel erklärt sich bereit, Wylfred nicht nur wiederzubeleben, sondern zu Lenneth zu bringen – wenn er dafür möglichst viele handfeste Sünden begeht, bis die Feder, welche die Walküre auf dem Grab seines Vaters hinterlassen hat, vom Blut der von Wylfred Hingeschlachteten rot gefärbt ist. Wylfred beginnt also einen beispiellosen Rachefeldzug durch die Welt und bringt gnadenlos Mensch und Tier, Freund und Feind um die Ecke. Ich weiß nicht, ob es dem werten Leser aufgefallen ist: Covenant of the Plume ist kein Final Fantasy Tactics. Es geht hier nicht um einen Jungen, der, in eine magische Zauberwelt gezogen, lustige Abenteuer mit putzigen Tierchen erlebt, sondern um einen fehlgeleiteten Psychopathen, dessen einziger Lebenszweck das mitleidlose Sündigen ist. Es gibt Tote. Viele Tote. Es verwundert fast, dass die USK das Spiel schon ab 12 Jahren freigegeben hat – schließlich ist Covenant of the Plume eines der wenigen DS-Games, die man als „Killerspiel“ bezeichnen könnte.

Covenant of the Plume spielt sich grundsätzlich wie ein isometrisches Taktik-RPG. Es gibt Texttafeln, eine Oberwelt, Städte, in denen man sich aufrüsten und Tavernen, in denen man neuesten Klatsch und Sidequest-Empfehlungen hören kann. Es können Party-Mitglieder rekrutiert und eingesetzt werden, jeder mit seinen Stärken und Schwächen. Es gibt Nah- und Fernkämpfer, physische Angreifer und Magier, die geschickt auf dem Feld platziert werden müssen. Alles die übliche, bewährte Kost – wenn da nicht ein paar interessante Gameplay-Twists wären. So ist es beispielsweise möglich (und nötig!), einen Gegner gleichzeitig mit mehreren der eigenen Charaktere anzugreifen. Geht man zum Angriff über, steigen also diejenigen Party-Mitglieder, die in Reichweite des Bösewichts sind, kurzerhand mit ein. Das geht wie folgt: Jedem der Gefährten ist einer der vier Buttons zugewiesen, bei dessen Betätigung er seine Waffe schwingt. Im Kampf gilt es nun, durch schlau getimte Combos den ausgeteilten Schaden zu maximieren. Zieht diese Combo dem Gegenspieler mehr Hitpoints ab, als er besitzt, gilt das als „Overkill“, zu Deutsch „Mehrfachvernichtungskapazität“.

Je mehr Mehrfachvernichtungskapazitätspunkte ausgeteilt werden, desto stärker steigt Wylfreds Sündenkonto an. Die Herrin der Unterwelt gibt zu Beginn jedes Kampfes vor, wieviele Sündenpunkte erreicht werden müssen. Übertrifft Wylfred ihre Erwartungen, gibt’s feine Items als Lohn. Versündigt er sich zu wenig, können Hel und ihre Untergebenen äußerst ungemütlich werden.

Wir sind alle kleine Sünderlein…
Doch in Covenant of the Plume gibt es noch mehr Wege, wie der Spieler sündigen kann. Hey, wie wäre es zum Beispiel, aus selbstsüchtigen Gründen die eigenen Freunde zu opfern? Den loyalen Kumpel in die Hölle schicken, nur um im Kampf gegen Monster einen Vorteil zu erringen? Die liebreizende Widerstandskämpferin verrecken lassen, nur um einen Special Move zu bekommen? Glaubt es oder nicht, Covenant of the Plume lässt genau dies zu. Wer es für richtig hält, kann Lenneths Feder aktivieren und damit das „versteckte Potential“ in einem seiner Freunde erwecken. Dieser wird daraufhin einen Kampf lang zu einem gottgleichen Supermenschen – nur um danach jämmerlich zu krepieren und Wylfred mit nichts als der Erinnerung zurückzulassen… Oh, und einem Special-Move und einem Haufen kostbarer Sündenpunkte. Wann er das macht, bleibt dem Spieler überlassen, aber abhängig von seiner Entscheidung über das Wohl und Wehe seiner bedauernswerten Begleiter ändert sich die Handlung. Eine ziemlich originelle Idee, wenngleich man sich nach dem Opfern des Kindheitsfreunds irgendwie… schmutzig fühlt.

Kommen wir nun aber zu den Negativpunkten von Covenant of the Plume, denn derer gibt es leider auch so einige. Zum einen ist es genau dieser Perma-Death, der, in Verbindung mit den grotesk aufgepowerten Feinden schon ordentlich Frust erzeugen kann. Die Gegner beherrschen nämlich genau wie man selbst den Angriff mit mehreren Leuten. Dies führt dann zu Situationen wie dieser: Man hat die HP eines Gegners ordentlich runtergenudelt, damit man ihn in der nächsten Runde mit einer der Wahnsinns-Multi-Combos in Grund und Boden stampfen und sich dabei ordentlich versündigen kann. Ein normales, sparsames Abziehen der HP, wie in herkömmlichen Taktik-RPGs üblich, ist bei Covenant of the Plume ja nicht ratsam.

Mit den restlichen Kämpfern versucht man einen weiteren sich nähernden Fiesling auszuschalten, bevor er in der nächsten Runde Schaden anrichten kann. Nun geht aber etwas bei der Combo daneben (diese Knopfdrückerei will genau abgestimmt sein, sonst verursacht sie nur einen Bruchteil des Schadens). Der böse Kerl bleibt also am Leben und greift in der nächsten Runde mit einer perfekt ausgeführten Combo, beeindruckenden Kräften und gemeinsam mit seinem halbtoten, aber kräftigen Freund eine der eigenen Einheiten an – und bringt sie auf einen Schlag um. Ist das ärgerlich? Das ist ärgerlich. Kommt das wenigstens selten vor? Eher nicht. Kann man denn Vorkehrungen treffen, um Derartiges zu vermeiden? Sagen wir mal jein. Denn einige der üblichen Vermeidungswege wurden bei Covenant of the Plume ausgeschaltet. Man kann keine alten Locations aufsuchen, um aufzuleveln und Geld zu erlangen, man kann nicht trainieren… es kann leicht passieren, dass ein Level einfach nicht mehr bezwingbar ist, ohne mit der Feder für immer und ewig einen der eigenen Freunde zu opfern. Das ist definitiv ärgerlich und nichts für ungeduldige, schnell zu frustrierende Casual-Gamer.

Steuerung:
Zu Touchscreen-Mätzchen und Mikrofon-Kinkerlitzchen haben sich die Entwickler gar nicht erst herabgelassen. Man steuert Covenant of the Plume mit den Tasten und nur mit den Tasten. Das ist auch gut so, bedenkt man, dass dieser Rezensent Final Fantasy Tactics A2, trotz Touchscreen-Option, ebenfalls komplett per Buttons durchgezockt hat. Die Kontrolle der Figuren läuft wie sie sollte, nur bei den Combos ist das Spiel etwas streng – das Timing muss da ein wenig zu perfekt sein.

Grafik:
Visuell ist an Covenant of the Plume kaum etwas auszusetzen. Bei den Spielfiguren handelt es sich, wie aus den portablen Final Fantasy Tactics-Titeln gewohnt, um kurzarmige, großäugige Gnome, aber wenigstens wurden die Schlachtfelder in 3D konstruiert und sind somit rotier- und zoombar. Ein Hoch auf die Übersichtlichkeit.

Sound:
Der Altmeister Motoi Sakuraba (Golden Sun, Baten Kaitos, Star Ocean) ist der Hauskomponist der Valkyrie Profile-Reihe, und er hat auch hier gewohnt gute Arbeit geleistet. Die Sounds gehen ebenfalls in Ordnung; die Sprachfetzen während der Kämpfe lassen Covenant of the Plume fast wie ein klassisches PSX-RPG wirken.

Features:
Die sich verzweigenden Storylines sind schon klasse, doch sie verlieren für manchen deutschen Zocker an Reiz, wenn er des Englischen nicht mächtig ist. Einen deutschen Bildschirmtext gibt es nämlich leider keinen. Die Dialoge der Charaktere spielen sich in einer der Umgebung angemessenen, leicht antiquierten Hochsprache ab, sodass selbst Personen mit Englisch-Grundkenntnissen die Feinheiten der gut geschriebenen Story nicht ganz auskosten dürften. Schade!

Fazit:
„Valkyrie Profile: Covenant of the Plume“ ist ein ambitioniertes Spiel: Es verfügt über eine originelle Story mit mehreren Lösungswegen, sein Kampfsystem ist eine interessante Mischung aus Echtzeit- und Runden-Kämpfen, Grafik und Sound machen durchaus Eindruck. Leider ist es das unausgewogene Gameplay, das dem Spiel den Weg ins Walhalla unserer All-Time-Favourites verwehrt. Die überzüchteten Gegner, die Unfreiheit auf der Overworld und einige spielerische Sackgassen können sensiblen Naturen den Spaß schnell vergällen. Genre-Einsteiger, schnell frustrierbare Menschen und unsere zartbesaiteten jüngeren Leser sind nach wie vor mit dem Referenztitel „Final Fantasy Tactics A2“ besser beraten, alte Taktik-Haudegen mit guten Englischkenntnissen werden an „Covenant of the Plume“ aber durchaus ihre Freude haben.

Der größte Sünder von allen: Christian Luscher [Sagat] für PlanetDS.de

Vielen Dank an Koch Media für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

WERTUNG:
81%
Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre
Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks
Lesertests:
Lesen ( 0 ) / Schreiben
Komplettlösung
Videos
Steuerung

Ordentliche Knopfsteuerung, strenges Combosystem. Innovationsfaktor:
+----  (1 von 5 Sternen)
Keine Touchscreen-Steuerung - Sündigen, um zu gewinnen!? Wir sind dabei!
Grafik

3D-Umgebungen und coole Spezialattacken.
Sound

Episch! Das passt und gefällt.
Spielspaß

Trotz frustiger Momente ein originelles Abenteuer auf DS.








Details
Spielname:
Valkyrie Profile: Covenant of the Plume

Publisher:
Koch Media

Developer:
tri-Ace

Genre:
Rollenspiel

Release:
01.04.2009 (erschienen)

Multiplayer:
nicht bekannt

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre
Screenshots:

ScreenViewer öffnen (12)

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