SpongeBob und der magische Stift - Drawn to Life
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SpongeBob und der magische Stift - Drawn to Life -
Review vom 12.11.2008
SpongeBob spaltet ganze Nationen in zwei Lager: Entweder man hasst den quietschfidelen und etwas naiven Schwammkopf, oder man vergöttert ihn mitsamt seinem strunzdummen Kameraden Patrick. Doch auch Überläufer werden gelegentlich gesichtet, die bei Erstkontakt das gelbe Etwas am liebsten in einen Reißwolf befördern würden - um nach einer gewissen Inkubationszeit dann doch widerwillig Gefallen an den platten Witzen und dem hirnlosen Charme der Serie zu finden. Besagte „Verräter“ ziehen es vor, anonym zu bleiben... Wie dem auch sei. Was im TV irgendwie erfolgreich ist -und das gilt für SpongeBob definitiv (insbesondere in den USA)- zieht Software-Entwickler geradezu magisch an. So hat die fröhliche Zeichentrick-Figur schon den ein oder anderen DS-Auftritt hingelegt, und einige davon waren gar nicht mal schlecht.
Nun wird erneut der DS ins Visier genommen, wobei diesmal „SpongeBob und der magische Stift“ für neues Fan-Futter sorgen soll. Der Zusatz „Drawn to Life“ lässt exzessiven Stylus-Einsatz vermuten und dürfte einige an ein gleichnamiges DS-Spiel erinnern, welches bereits im September 2007 hierzulande veröffentlicht wurde. Es ermöglichte es Künstlern (und solchen die es werden wollten), ihren eigenen Helden sowie andere Spielelemente selbst zu zeichnen. Das interessante Konzept erfährt nun mit dem benannten SpongeBob-Titel ein Revival. Wie es sich dabei schlägt, lest ihr in unserem Test...
Bikini Bottom erwacht zum Leben
Bereits 2007 durftet ihr im ersten „Drawn to Life“-Titel von THQ eurer Kreativität freien Lauf lassen und nicht nur Helden selbst zeichnen und anschließend zum Leben erwecken, sondern auch deren Vehikel, Items und Waffen mittels Stylus nach eigenem Gutdünken kreieren. Nachdem „Drawn to Life“ durchaus positive Wertungen im 70er Bereich einheimste, folgt mit „SpongeBob und der magische Stift“ nun eine Lizenzvermarktung des originellen Spielkonzepts. Kenner der TV-Serie werden schnell merken, dass das Spiel Bezug auf ganz bestimmte Episoden nimmt, in denen der bösartige Kritzelbob erstmals Bikini Bottom bedrohte. Als ein Maler im Zuge eines Malheurs zwei Bleistifte auf den Meeresgrund fallen lässt, zeichnet Patrick (der gerade damit beschäftigt war seine Bauchnabel-Haare zu zählen...) Kritzelbob, welcher zum Leben erwacht, sich einen der „magischen“ Stifte unter den Nagel reißt und sich flugs davonmacht, um Bikini Bottom zu tyrannisieren. Um der fiesen Karikatur Einhalt zu gebieten, übernehmt ihr natürlich SpongeBobs schwammige Haut und stürzt euch ins Abenteuer.
Für mal-begeisterte SpongeBob-Fans dürfte eins der coolsten Gimmicks sein, dass man sich ein selbst gemaltes Haus mitten in den Bikini Bottom pflanzen darf - und zwar direkt neben Fels-Flunder Patrick. Im weiteren Spielverlauf dürft ihr auch die Inneneinrichtung eures klatschnassen Heims zeichnen. Wer seinen bisherigen kreativen Ergüssen (Held, Items, Möbel usw...) irgendwann überdrüssig wird, darf diese jederzeit von der heimischen Schaltzentrale in Bikini Bottom aus erneut pinseln. Auch eure Shopping-Touren in der „Krossen Krabbe“ oder das Anwählen des nächsten der insgesamt über 20 Level leitet ihr von dort aus in die Wege. Bevor man sich jedoch ins Abenteuer stürzt, ist wahlweise SpongeBob, Patrick oder Dauernörgler Thadäus als Begleiter mitzunehmen. Jeder der drei Figuren verfügt über eine Spezialfähigkeit, die euch im Kampf gegen Kritzelbobs Armee nützliche Dienste erweist. So hält SpongeBob zeitweise als Schild her und hält somit Schaden von euch ab, während ihr Patrick als Wurfstern missbraucht oder Gegner mittels Thadäus Hilfe lähmt.
Schwammiges Kritzelvergnügen
Einen Großteil des Reizes macht das Zeichnen aus. Man wird häufig dazu aufgefordert, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen - mitunter zu häufig. Kämpft ihr beispielsweise gegen Kritzelbobs Armee, sollt ihr jedes Mal wenn ihr einer neuen Feindesart gegenübertretet, ein „gutartiges“ Pendant zeichnen, in das sich der Widersacher nach seiner Niederlage verwandelt. Auch profanere Dinge wie Sprungflächen unterliegen eurer Gestaltungsfreudigkeit. Dementsprechend kann „SpongeBob und der magische Stift“, je nachdem wie viel Mühe man sich gibt, ziemlich verhunzt oder richtig schick aussehen. Wer Wert darauf legt, dass sich seine Zeichnungen harmonisch in Bikini Bottom einfügen, sollte ein paar Minuten dafür verwenden den Spiel-eigenen Stil kurz zu analysieren und anschließend zu imitieren.
Das integrierte Zeichenprogramm lässt sich am ehesten mit „MS Paint“ vergleichen: Euch stehen unterschiedliche Farbpaletten zur Verfügung und eine knapp bemessene Menge an Tools wie dem Radiergummi, zwei verschiedenen Pinselstärken und einem Farbeimer. Einen Monet wird man damit vermutlich nicht produzieren, doch für den witzigen Spielzweck riecht es allemal.
Wo man sich ruhig etwas mehr Mühe hätte geben können, ist die Rahmenhandlung, welche euch durch die Jump’n Run-Passagen begleitet. Diese kommt relativ lieblos hingeklatscht daher und sprüht nicht gerade vor Originalität und Witz. Positive Kritik fällt hingegen für das Gameplay ab, welches deutlich flotter ist als das beim Ur-„Drawn to Life“ der Fall war. Auf eurem Weg durch Bikini Bottom hüpft ihr über Stock und Stein, liefert euch wilde Gefechte mit diversen Gegnern und sammelt brav Münzen ein, welche ihr später in der „Krossen Krabbe“ für neue Items auf den Kopf haut. Etwas krude ist das Kampfsystem, bei dem man teilweise hektisch zwischen Stylus und Steuerkreuz wechseln muss. Je nachdem mit welchem von Kritzelbobs Schergen ihr es zu tun bekommt, gilt es den Widersacher entweder zu betäuben und anschließend mittels Stylus „auszuradieren“, oder es reichen bereits ein bis zwei gezielte Schläge. Neben euren drei Freunden stehen euch auch einige Extrawaffen wie etwa der Karatehandschuh (natürlich selbst gezeichnet!) zur Verfügung, die wiederum eure Schlagkraft erhöhen.
Steuerung:
Das Handling eures Recken ist denkbar einfach und funktioniert analog über Steuerkreuz und Buttons. Etwas hektischer wird es allerdings, wenn man beispielsweise einen Achterbahn-Wagon mittels Stylus steuert und auf bestimmte Symbole reagieren muss, oder wenn es gilt den eigenen Helden zu steuern und gleichzeitig die Feinde via Touchpen auszuradieren. Leider birgt das Zeichnen nicht nur jede Menge Freude, sondern auch jede Menge Frustpotenzial: Insbesondere wenn kleine Dinge gemalt werden sollen, stehen oft weniger Zoom-Stufen zur Verfügung und man haut alle Nase lang mit dem Stylus daneben, was in einem ungewollten Pixel-Haufen resultiert. Diesem Ärgernis schafft die „Undo“-Taste zumindest teilweise Abhilfe... Leider kann man stets nur einen Schritt zurück gehen - manchmal zu wenig, um ein verunglücktes Kunstwerk noch zu retten. Wer seinen bisherigen, kreativen Erguss lieber ganz ausradieren möchte, darf dies jedoch nur aus der kleinsten Zoomstufe - umständlich!
Grafik:
Der Mix aus 2D und 3D ist größtenteils gut gelungen, nur gelegentlich sind die Übergänge -beispielsweise vom Spiel (2D) zu einzelnen Zwischensequenzen (3D)- etwas abrupt geraten. Letztere können sich für DS-Verhältnisse durchaus sehen lassen und Fans sollten keine Probleme damit haben, SpongeBob oder Dummbatz Patrick zu erkennen. Der Löwenanteil des Spiels findet jedoch aus einer für mobile Jump’s Runs typischen 2D-Seitenansicht statt.
Bedingt durch das Setting, den Meeresgrund, bewegt sich die Umgebungsfarbpalette hauptsächlich im grau-blau Bereich. Dank SpongeBob, Patrick und dem Unterwasser-Vergnügungspark mangelt es jedoch auch an abwechslungsreichen Farbtupfern nicht. Einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die optischen Aspekte des Abenteuers habt ihr selbst - dank Stylus sind eurer Fantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt und das Spiel ermutigt euch ketzerischerweise sogar dazu, nicht immer den Vorgaben zu folgen und mal etwas ganz anderes zu zeichnen, als eigentlich verlangt ist. So könnte man statt eines Achterbahn-Wagons beispielsweise einen Feuer spuckenden Drachen hinkritzeln.
Sound:
Akustisch hätte das SpongeBob-Universum deutlich mehr hergegeben, als letztendlich im Spiel Verwendung fand. Statt die übersichtliche Anzahl an Dialogen von Original-Sprechern vertonen zu lassen, wurden nur sporadische Grunzer eingestreut. Zumindest sparte man sich so die Arbeit für jede der fünf verfügbaren Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Niederländisch) Sprach-Dateien auf dem Modul unterzubringen, was wiederum den Zeichnungen zugute kommt, denen so folglich mehr Speicherplatz zur Verfügung steht... Ansonsten wird ein wenig einprägsamer Mainstream-Soundtrack mit ein paar erheiternden Tracks und Soundeffekten geboten.
Features:
Für mal-freudige Fans bietet das Spiel einiges an Features. So wird Schritt für Schritt erläutert, wie man SpongeBob zeichnet - entsprechende Übungen inklusive. Zudem lassen sich mit den im Spiel eingesammelten Talern zusätzliche Gimmicks und Zeichen-Übungen rund um den gelben Schwammkopf freischalten. Eher interessant für die jüngeren Gamer ist das Malbuch, welches es ermöglicht freigeschaltete Bilder zu kolorieren. Notorische Schummler dürfen sich unterdessen an der separaten Cheat-Eingabemaske erfreuen.
Multiplayer:
Wie so oft ist der Mehrspielermodus eher eine nette Dreingabe als denn ein vollwertiges Unterhaltungselement. Vermutlich ein Grund, warum der Multikarten-Mehrspielermodus im Handbuch mit einer Zeile abgespeist wurde. Kurzum: Mittels Steuerkreuz stromert man durch die Gegend, stets bestrebt dem Freund welcher gerade stolz den Schatz umherträgt, selbigen mittels eines Angriffes abzuluchsen. Wer beim Ablauf der Zeit gerade das glänzende Schätzlein in den Händen hält, bekommt einen Bonus. Als wählbare Spielfiguren stehen unter anderem Mr. Krabs, SpongeBob oder auch Patrick zu Auswahl.
Fazit:
Klare Sache: Eingeschworene SpongeBob-Hasser wird der Titel schon allein wegen dem Setting und den Hauptcharakteren sauer aufstoßen - diese könnten alternativ zum ursprünglichen (SpongeBob-freien) „Drawn to Life“ greifen, dem das selbe Spielprinzip zu Grunde liegt. Wer sich hingegen mit Bikini Bottom und dessen Bewohnern durchaus anfreunden kann, wird einen unterhaltsamen Titel samt serientypischen SpongeBob-Flair vorfinden. Auch wenn die SpongeBob-Ausgabe von „Drawn to Life“ nicht ganz an das Original herankommt, brauchen Fans keineswegs befürchten, dass ihre Lieblings-Cartoon-Helden „geschändet“ wurden. Jüngeren Gamern und Fans wird also ein grundsolides Jump’s Run geboten - damit auch Kreativitäts-Muffel etwas von dem Titel haben, wäre es jedoch sinnvoll gewesen für jede Zeichnung wenigstens einen Default anzubieten, damit man nicht immer gezwungen ist Hand anzulegen. Lässt man das Zeichnen von Items, eurem Helden, eurem Haus, Vehikeln und dergleichen nämlich weg, bleibt außer einem soliden (aber keinesfalls überragenden) Genre-Typus nicht mehr viel übrig. Einen ausgezeichneten Plattformer haben wir also nicht wirklich vorliegen, eher reizen die kreativen Komponente.
Zeichnet sich ihre Zeichentrickfilme selber: Franzisca Mannan [AbdSabour] für PlanetDS.de
Vielen Dank an THQ für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Details
Spielname:
SpongeBob und der magische Stift - Drawn to Life
Publisher:
THQ
Developer:
Altron
Genre:
Jump 'n Run
Release:
26.09.2008 (erschienen)
Multiplayer:
1-2 Spieler
Altersfreigabe:
Frei ab 0 Jahre
Screenshots:
 ScreenViewer öffnen (5)
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