Operation: Vietnam
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Operation: Vietnam -
Review vom 15.01.2008
Als kleiner Bruder der PC-Variante “Conflict Vietnam“ stürmt “Operation Vietnam“ als DS-Vertreter in die Bresche und nimmt den Kampf mit kritischen Spielern aus aller Welt auf. Ursprünglich war das Spiel für den leider nie erschienen Gizmondo gedacht und war eine Weile zusammen mit ihm in der Versenkung verschwunden. Majesco entdeckte die Überreste und nach erfolgreicher Rekonstruktion bereichert nun ein weiteres Spiel aus diesem Hause unsere vielschichtige Spielepalette. Die Tatsache, dass das Abenteuer brutale und blutige Ansätze zeigt, rechtfertigt die Einstufung, die nur Spieler ab 16 Jahren zur Wehrpflicht einberuft.
“…my baby just wrote me a letter!”
Eh’ man sich versieht, befinden man sich auch schon im tiefsten Vietnam. Der Hubschrauber in Trümmerteilen über die Lichtung verstreut und Sarge, der mit einem automatischen Gewehr bewaffnete Anführer der Einheit, schwer verletzt und allein. Der Pilot hat den Absturz leider nicht überlebt und vom Rest des Teams fehlt jegliche Spur. Sarge kombiniert messerscharf und weis: der Vietcong hat sie entführt. Nun macht sich der Spieler mit Sarge auf den Weg, Doc, den nervösen Sanitäter mit einer leichten Maschinenpistole, Scopes, den Scharfschützen und Hopper, den hitzköpfigen Panzerabwehrsoldaten zu finden und zu befreien.
Alle Soldaten beisammen? Dann kann die Mission ja los gehen, den Vietcong, kurz VC, zu stürzen. Ein explosives Abenteuer beginnt. Auf den Missionen wird man natürlich nicht nur trist seine Waffe abfeuern müssen. Hier wurden freundlicher Weise noch Granaten mit ‚splash Damage’ in geringer Explosionsreichweite hinzugefügt, die reichlich in den Levels gestreut wurden und nur sehr selten ausgehen sollten. Wirklich gefährlich werden diese nur den Gegner – wer aus Versehen mal seinem eigenen Mann eine Granate zwischen den Fortbewegungsapparat wirft, kann sich entspannen, denn dieser wird keinen Schaden erleiden. Besonders gut gegen Horden von VCs sind aber die Rauchgranaten, die nach dem Entsichern und Werfen eine Stelle auf dem Boden markieren, die kurz darauf von unseren Kollegen aus der Luft bombardiert wird. Achtung: Schaden nimmt alles und jeder im Auswirkungsbereich. Teamkameraden fliehen, zu Gunsten des Spieler, automatisch aus der ‚Bombing Zone’. Wem die bösen Buben mal zu sehr zugesetzt haben, wird durch MediPaks wieder aufgepeppelt. Kleiner Bonus: Ist der Sanitäter in der Nähe, sind die Lebensspender gleich viel effektiver. Das Briefing ist zu ende, Soldat. Auf in den Kampf, der entscheidet, ob “Operation Vietnam“ einen glorreich Sieg davon tragen oder vernichtend geschlagen wird.
Steuerung:
Frei nach dem Motto „das Beste zum Schluss“, sollten wir mit der Zielgenauigkeit unserer Söldner beginnen, denn hier wurden keine entwicklerischen Meisterleistungen vollbracht. Um dem Spieler etwas unter die Arme zu greifen, wurde eine automatische Zielhilfe integriert, die den Feind, sofern er in der Reichweite der jeweiligen „Flinte“ ist, anvisiert. Soweit klingt das doch gar nicht schlecht, oder? Leider fängt hier der gipsbeinige Soldat an, zu humpeln. Aus den vier grundlegenden Richtungen, die unser Steuerkreuzes bietet, plus den vier weiteren, die wir aus den Diagonalen bekommen, erhalten wir nach Adam Riese ganze 8 Bewegungsrichtungen. Verkraftbar wären die manchmal etwas schwierig zu bewältigenden diagonalen Laufrichtungen, würde der Autoaim nicht so penibel sein und Gegner aus diesen Direktionen ignorieren, wenn der Spieler seinen Schützen nicht korrekt ausgerichtet hat. Entweder versucht man, die diagonale Blickrichtung zu beherrschen oder entscheidet sich dafür, solange umher zu laufen, bis der Feind günstig steht. Die Aktionstasten bauen leider zum Großteil auf der Blickrichtung auf, mit Ausnahme der „MediPak“-Taste. Um aber Granaten und Projektile dahin zu befördern, wo man es gern hätte, ist Übung oder eine überaus gut ausgeprägte Feinmotorik von Nöten.
Der Touchscreen ist hier mal wieder zu kurz gekommen und dient lediglich der Befehlszuweisung der Truppenmitglieder beziehungsweise dem Wechseln des Anführers, also dem vom Spieler direkt gesteuerten Soldaten. Letzteres ist aber auch ganz einfach via gedrückter, linker Schultertaste und zeitgleicher Auswahl per Steuerkreuz zu erledigen. Gerade zu beschämenswert ist die Tatsache, dass die Menüführung unsere Stylus-Schwünge komplett ignoriert. Was ist denn da schief gelaufen? Im Großen und Ganzen eher einfach gehalten, bis auf die Sache mit den diagonalen Blickrichtungen, die bei versierten Spielern aber schnell in Fleisch und Blut übergehen sollte und auch für Gelegenheitsspieler kein Buch mit sieben Siegeln bleibt.
Grafik:
Der optische Auftritt unserer mikrobischen Militärmännchen erweist sich als überdurchschnittlich gut. Zwar sind die Figuren allesamt recht klein dargestellt, dennoch kann man hier und da ein nettes Detail erkennen. Unsere vier Helden sind im Aussehen grundverschieden und sogar die Feinde kommen in unterschiedlichen Trachten wild schießend aus dem Gebüsch gestürmt. Die verstreuten Zivilisten müssen sich mit der vietnamesischen Einheitsmode zufrieden geben, was aber den Vorteil des Wiedererkennungswertes bietet. Es wäre ja nicht schön, wenn sich vor Schreck über ein plötzlich auftauchendes humanoides Lebewesen ein Schuss lösen würde, der selbiges tragischer Weise niederstreckt. Hier eine Erleichterung für die schießwütigen Spieler: Den Zivi’s machen eure ‚zufälligen’ Fehlschüsse nichts aus.
In Sachen Leveldesign kann man “Operation Vietnam“ eine Ehrenmedaille verleihen. Ob wuchernde Pflanzen, Palmen, Reisfelder oder zerstörte Landstriche – hier kommt Dschungel-Feeling auf. Mit Liebe zum Detail wurde hier nicht gespart und dies schlägt sich Zweifels ohne auch durchaus positiv auf die Atmosphäre aus, welche durch die Geräuschkulisse um ein ganzes Stück bereichert wurde.
Sound:
Seit dem Erscheinen des NDS’ hat das Spielerherz die Hoffnung gewahrt, dass auch die Ohren mal auf ihre Kosten kommen. Umso erfreulicher ist es, dass “Operation Vietnam“ hier durch besondere Kleinigkeiten hervorsticht. Das Spiel hat wirklich gute Ansätze, was dieses Kriterium anbelangt. Es wurde der Versuch unternommen, Ansätze einer Art Sprachausgabe zu zeigen. Durch dieses Feature bestätigt jeder der vier Soldaten seinen Befehl auf eigen Art und Weise. Dies soll heißen, dass jeder einen anderen Satz „drauf hat“ und über eine eigene Stimmlage verfügt.
Von Schmerzensschreien durch Verwundung oder Ableben oder einfach nur zornig fluchend kommen einem die schwer bewaffneten Vietkongs entgegen. Auch der gegnerischen Partei wurde die Sprache geschenkt; zwar eine längst nicht so abwechslungsreiche, wie den vier Soldaten aber immerhin etwas.
Dass Sound und Musik getrennt von einander geregelt werden können, ist nichts atemberaubendes aber ein löblicher Zug. Die Schuss- und Explosionsgeräusche sind äußerst gut gelungen: Auseinandersetzungen mit VC-Horden klingen mehr als respekteinflößend. Musikalisch wird man nur im Menü bedient und da auch nur recht mager. Dass die Levels selbst nicht musikalisch untermauert sind, hat seine Vorzüge: Fauna und Kriegsgeräusche machen die Geräuschkulisse situationsnäher.
Features:
So erfreulich die optische Präsentation von “Operation Vietnam“ auch ist: viele und vor allem neuartige Eigenschaften kommen hier leider nicht aus dem Schützengraben geflogen. Ein Anreiz sind die Bonuslevels, die durch eine sehr gute Manöverkritik in der jeweiligen Mission freigeschalten werden. Zu den 10 Grundmissionen gibt’s noch einmal 10 Bonusmissionen mit meist erhöhtem Schwierigkeitsgrad oben drauf. Allerdings käme das Spiel etwas mager daher, würden die Bonuslevels fehlen. Exzessive Spieler, die sich schnell in ein Spiel hineinfinden und sofort durch souveräne Taktiken glänzen, werden hier vielleicht unterfordert sein.
Eine erfrischende Abwechslung ist die alternierende Spielschwierigkeit. So kann es vorkommen, dass sich der Spieler an einer Mission fast die Zähne ausbeißt und mit den letzten verbleibenden Lebenspunkten das Ziel mehr kriechend als stolz laufend erreicht und in der nächsten Mission seinen Trupp ohne größere Probleme zum Sieg führt. Ein weiterer positiv zu bewertender Punkt sind die Teammitglieder. Jeder hat einen eigenen Charakter, welcher dem Gamer durch gelegentlich eingeblendete Kommentare deutlich wird. Diese sind aber meist weniger Gehaltvoll und gewinnen auch nur in den seltensten Fällen ein müdes Lächeln ab. So zum Beispiel der Ausspruch nach einem Napalmangriff über feindlichen Linien: „Hier riecht es irgendwie nach gebratenem Speck…“.
Auch die grundverschiedene Waffe jedes Charakters, mit unterschiedlicher Ladezeit, Durchschlagskraft und Reichweite, bieten eine gewisse Abwechslung.
Fazit:
Beim Testen des Titels und vor allem beim Schreiben des Artikels war einiges an Abwägungsarbeiten erforderlich - der anfänglichen Begeisterung über die grafische Umsetzung folgte dann aber schnell die Ernüchterung: Wer es nicht drauf anlegt, muss nicht einmal den Stylus ziehen. Über das Mikrofon verlieren wir hier erst gar keinen Ton… (Anm. d. Kor.: Im wahrsten Sinne des Wortes, ha!) Sehr gut ausgefallen ist allerdings die Sprachausgabe. Es war zwar nicht das atemberaubendste Aufgebot, in Qualität und Vielfalt aber ein guter Anfang. Im Gesamtbild wurde uns eindeutig zu wenig Augenmerk auf den Spielumfang gelegt. 10 Bonuslevels klingen schön und gut, aber wer sich hauptsächlich auf eine umfangreiche Hauptmission freut, wird nur notdürftig verwöhnt. Was zudem sehr schade ist, ist der fehlende Multiplayermodus: Gerade hier hätte bei den Spielern gepunktet werden können. Ein Coop-Modus wäre geradezu prädestiniert gewesen, wurde aber leider vergessen. Bei solchen, geradezu ins Auge stechenden Features wird nahezu ausnahmslos gespart. Potenzial hat das Spiel ohne Frage - dieses wurde aber leider nur mäßig genutzt und hat damit vielleicht sogar einen Bestseller-Titel achtlos verspielt.
Hat seinen Wehrdienst nachträglich geleistet: Robert Ganß [_frontline] für PlanetDS.de
Vielen Dank an Majesco für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.
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Details
Spielname:
Operation: Vietnam
Publisher:
Majesco
Developer:
Coyote
Genre:
Shooter
Release:
07.20.0211
Multiplayer:
nein
Altersfreigabe:
Frei ab 16 Jahre
Screenshots:
 ScreenViewer öffnen (6)
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