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Die Simpsons – Das Spiel


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Die Simpsons – Das Spiel - Review vom 16.11.2007

„Gott ist meine Lieblings-Science-Fiction-Figur.“
EA beantwortet eine der größten Fragen der Menschheit: Ja, es gibt einen Gott! Und nicht nur das: Denn die spirituelle Omnipotenz ist gelb, hört die Scorpions und ist ein aufräumfauler, Bier trinkender Oblivion und Tanzmattenzocker. Doch dass selbst Allvater nicht unfehlbar ist, beweist die neueste Reinkarnation der Simpsons im Videospielformat. Während sie friedlich in Springfield ihr Leben leben, geschieht das Unfassbare, eine Spielanleitung fällt vom Himmel und genau in die Hände von Rotzlöffel Bart. Sein Erstaunen wird umso größer, als er merkt, dass auf Minilektüre in großen Lettern steht: Die Simpsons – Das Spiel. Gespannt blättert der durch das Booklett und erfährt, dass er und seine gesamte Familie eigentlich mit Superkräften ausgestattet sind. Die muntere Persiflage á la Matt „Endboss“ Groening, auf alles, was nicht niet- und nagelfest ist, kann beginnen…

Seit 1989 sorgt die Kult-Familie in gelb für Chaos, jede Menge Lacher und dass das Wörtchen „Neinnnn!“ häufiger gebraucht wird als bei jedem anderen herkömmlichen Weichspüler, ähhmm bei jeder anderen Zeichentrickserie, natürlich. Mit mehr als 400 Folgen in derzeit 19 Staffeln gehört die amerikanische Durchschnittsfamilie zu den beliebtesten Comichelden im TV und sie prägen nicht nur die Medienlandschaft, sondern sorgten auch mit zahlreichen Querschlägern dafür, dass politische, gesellschaftliche und soziale Alltagsphänomene mächtig aufs Korn genommen wurden. Nach mehr als 20 Videospielumsetzungen und dem in diesem Jahr veröffentlichten Kinofilm, fand Electronic Arts den Zeitpunkt günstig, dass die Simpsons wieder die Konsolen und Handhelds unsicher machen. Mit einem gewöhnlichen Jump ´n Run wollte man sich aber nicht zufrieden geben und so holten sich die Jungs von EA Redwood Shores die original Storyschreiber Tim Long, Matt Selman und Matt Warburton an Board. Mit so viel geballter „Yellow-Power“ als Ass im Ärmel, selbstrefferenziellem Videospiel-Zynismus und den echten Synchronsprechern als Tüpfelchen auf dem „i“ kann eigentlich nichts schief gehen, oder? Dieser Frage sind wir natürlich nachgegangen und verraten euch ob Die Simpsons – Das Spiel den hohen Erwartungen gerecht werden kann.

„Na, niet hetzen, ich bin randvoll mit Schoki!“
Startet man das Spiel, warten Level für Level darauf, von der fünfköpfigen Gelblingsfamilie bewältigt zu werden. Dabei hat man auch spielerischer Sicht zwar nicht das Rad neu erfunden, aber dafür umso größeren Wert auf den Humorfaktor gelegt. Je nach Mission schlüpft man in die Rolle von Bart, Lisa, Homer, Marge oder Maggie und nutzt die jeweilig spezifischen Superheldenfähigkeiten, um ein Voranschreiten zu ermöglichen. Typisch für ein Jump ´n Run gibt es zahlreiche Sprungeinlagen, Schalter- und Türenrätsel und natürlich gilt es auch jede Menge Fieslinge zu vermöbeln. Alle Mini-Episoden enthalten zahlreiche Sidekicks, die entweder auf die Serie, dem gewöhnlichen Alltag oder der Videospielindustrie zurückzuführen sind. Den Anfang macht die wunderbare Schokoladenwelt aus Homers Träumen. Alles aber wirklich alles ist in dieser heißhungrigen Illusions-Welt aus dem conchierten, kakaohaltigen Genussmittel enthalten. Während Homer nun durch die zuckersüße Schoki-Welt rennt, gilt es, alles Erdenkliche anzunagen, freizufressen oder abzuschlabbern. Erst wenn das Tutorial überwunden und der weiße Schokohase gemampft wurde, geht es weiter mit dem eigentlichen Storyteil und man findet sich im Haus der Simpsons wieder. Nach und nach können nun Missionen angewählt werden und die Sippschaft erlernt immer neue Fähigkeiten dazu. So kann Homer sich nach einem Fresswettbewerb in eine fette Riesenkugel verwandeln und á la Super Monkey Ball durch die Gegend rollen. Mit einem Boost beispielsweise können verschieden Schluchten überwunden werden. Bart hingegen ist der dunkle Rächer der Nacht und mit dem Bartcape im attraktiven Purpur kann er über Abhänge schweben, oder via Bart-Enterhaken zu luftigen Höhen hoch katapultieren. Lisa hat die Gabe mit der sprichwörtlichen Hand Buddhas in das Levelgeschehen reinzufuschen, um so Schalter zu betätigen oder sich selbst hochzuheben und so neue Pfade zu ebnen. Marge und Maggie gibt es nur im Zweigespann, wobei Mama die Massen anheizen kann, um diese mit Aufräum- oder Abrissaufgaben zu nötigen. Auch ein rachelüsterner Mob kann immer wieder praktisch sein, wenn zu viele Gegner daherstapfen. Die Jüngste im Bunde der Simpsons kann zeitweilig durch Luftschächte krabbeln und dort versteckte Schalter betätigen. Jedes Mitglied der comicgelben Anarcho-Familie ist also mit einer eigenen Gabe ausgestattet, die es sinnvoll in den einzelnen Leveln einzusetzen gilt.

„Rod, hol sofort Daddys Beerdigungsschaufel!“
Alles hätte so schön sein können, doch die wundersame gelbe Glanzwelt zerbröselt spätestens dann, wenn man bemerkt, dass die Entwickler scheinbar einen Schnellprogrammierwettbewerb gewinnen wollten. Es ist löblich zu versuchen, ein Spielkonzept von den großen Konsolen auf einen Handheld umzusetzen, doch wenn dieses System schwächer ist, sollte man eventuell von seinen eingefahren Ideen abkommen und umdenken. Doch in dieser Situation wurde diese Tatsache schlichtweg ignoriert. Die Simpsons – Das Spiel gestaltet sich wie ein 3D-Titel in einer zweidimensionalen Welt. Wobei nicht nur das eigentliche Konzept darunter leidet, sondern auch vieles vom eigentlichen Humor verloren geht. Zwar ist noch immer das Leveldesign stets an diverse Serieninhalte angelehnt oder stellt eine direkte Persiflage auf die Videospielkultur dar, aber mit weit weniger Details. So dürfen auch die berüchtigten, extraterrestrischen In-den-Helm-Sabberer und Weltenvernichter in Grün nicht fehlen und selbst vor Ausflügen in die wundersame Welt der Bits und Bytes ist man nicht sicher.

Die Videosequenzen wurden eben so gekürzt, wie zahlreiche andere Elemente und ganze Levelstrukturen. Während in der ursprünglichen Fassung das eigentlich Besondere an dem Titel war, dass es sich in keinster Weise selbst ernst nimmt und mit einem ständigen selbstrefferenziellen Witz daherkommt, sorgt Die Simpsons – Das Spiel in der DS-Fassung für mehr Stirnrunzeln als Schmunzeln oder gelegentliche Lachanfälle. Es ist verständlich, dass Abstriche gemacht werden mussten, doch als man die Dreidimensionalität zurück zur zweiten Dimension degradierte und merkte, dass noch immer zu wenig Platz für die Videosequenzen auf dem Modul ist, hat man weiter rationalisiert. Weniger Spielinhalte, weniger grafische Details, weniger Simpsonsverliebtheit. Was dabei herausgekommen ist, gehört zu der typischen Riege der Lizenzvertreter. Ein schnell programmiertes, 8-Bit inspiriertes Hüpf- und Sprungspiel, mit schier unendlichen Frustmomenten, lieblosen Schalterrätseln und einer ersten Durchspieldauer von knapp 3-5 Stunden. Ein Paradebeispiel für extreme Inhaltsdezimierungen ist der im Original enthaltene Delfinlevel mit dem berühmten Serien-Käpt’n. Dieser wurde kurzerhand durch ein Delfin-Wegrubbelspiel ersetzt (Geschätzte Spieldauer 40-60 Sekunden) und die Videosequenzen gänzlich ignoriert. Wohin ist sie verschwunden, die grandiose Sozialkritik mit selbstrefferenziellem Witz? Hat wohl die Touchscreen-Gelbsucht bekommen und ist im digitalen Nirwana gestrandet, möchte man meinen.

Steuerung:
Zeitreise in die 90er. Was hier geboten wird, kommt einem klassischen Lizenztitel der frühen SNES-Generation gleich. Ungenaue Sprünge, manchmal totale Aussetzer der gewünschten Steuerungsfunktionen und wenn die Fettkloß-Homer-Kugel zum 10. Mal nicht über die Schlucht rollt, wie sie soll, ist der DS-Weitwurf vorprogrammiert. Zwar hat man hier und da versucht, durch das Einsetzen von Minispielen den Touchscreen als Spielspaßoptimierer zu gebrauchen, doch auch in diesem Sektor scheitert es an der Präzision. Lisas Hand des Budda packt nur sehr ungenau zu, manchmal erst nach mehreren Ansätzen. So was muss nicht sein.

Grafik:
Bei all den Einsparungen hat man es dennoch nicht geschafft, dass die Entwickler genug Raum für die Optik gehabt haben. Zwar sind noch etwa die Hälfte aller Videosequenzen vorhanden, doch in natürlich minderer Qualität und auf Kosten aller sämtlichen Faktoren. So zeigt sich die Grafik uninspiriert, ausdruckslos und vor allem unschön. Die Animationsphasen sind holprig und oftmals gingen die im Hintergrund vorhandenen Sozialneckereien einfach flöten. Puff, weg waren sie. Ein wenig Trost spenden die Videos zwar, aber dennoch ging viel Atmosphäre verloren.

Sound:
Ein Glanzpunkt des Gelblingspiels gibt es dennoch: Der Sound. Zahlreiche Voicesamples der Originalsynchronstimmen, die ständig während des Spiels mit hitzigen Kommentaren daherkommen, sowie die Sprachausgabe in den Videosequenzen sind mehr als ansehnlich. So erhofft man sich das als Fan, doch in diesem Falle hätte man wohl eher die Prioritäten im Sektor des Spielspaßes gewünscht. Insgesamt sorgen die rabiat-zynischen Sprüche während des Spiels eindeutig für mehr Unterhaltung als die eigentliche Spielmechanik selbst.

Features:
Ein letztes Aufbäumen der DS-Simpsonsvariante findet man im Bereich der Features, denn es gibt doch noch etwas zum Vorweisen: Einen Multiplayermodus und das überaus niedliche Homer-Haustier. Im Mehrspielermodus kann man in den Spielmodi „Bart-Match“, „Klau den Krusty“, „Hungriger Homer“ sowie „Goldener Donut“ zeigen, wer der größte und flinkeste Simpsonsfan ist. Je nach Modus können bis zu vier Spieler gegeneinander antreten und das sogar teilweise mit nur einem Modul. Haustier Homer stellt eine direkte Parodie auf alle Tierpflegesimulationen dar. So streichelt man seinen gelben Dickwanst, kitzelt seine Füße oder stopft ihn mit Essen voll. Auf Wunsch können auch nette Werkzeuge als Homerpflegeset missbraucht werden. Aber ob er die so gerne hat?

Fazit:
“Die Simpsons – Das Spiel“ für den Nintendo DS wurde leider von der Gelbsucht befallen… Die Umsetzung wirkt im Vergleich zu den anderen Konsolen und Handheldversionen einfach lieblos und altbacken. Es hat den Anschein, als hätte man einfach zu schnell zu viel gewollt, Kürzungen billigend in Kauf genommen und zack, zack war das nächste Lizenzspiel fertig. Es gibt nette Ansätze, doch diese gehen aufgrund von zahlreichen spielerischen Mängeln einfach unter. Was bleibt, ist ein Spiel, welches versucht, Skurrilität und Sozialkritik herüberzubringen, aber hinsichtlich der mehr als zweckmäßigen Umsetzung kläglich scheitert. Simpsons-Fans brauchen aber keine Angst haben, wer den wirklichen Witz des Spiels genießen will, der greift einfach zu einem gleichnamigen Produkt auf einem anderen System. Abschließend beschreiben wir unser Spielgefühl frei nach Homer Jay Simpson: „Neinnn!“

Braucht nun erstmal ein Duff-Bier: Kevin Jensen für PlanetDS.de

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

WERTUNG:
54%
Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre
Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks
Lesertests:
Lesen ( 0 ) / Schreiben
Komplettlösung
Videos
Steuerung

Oft zu ungenau und verwaschen. Innovationsfaktor:
++---  (2 von 5 Sternen)
Zumindest hat man versucht, die DS-Funktionen einzubinden.
Grafik

Lieblos und animationsarm; da wäre mehr drin gewesen.
Sound

Zumindest sammelt man in diesem Sektor Pluspunkte.
Spielspaß

Kurz, uninspiriert und frustrierend.








Details
Spielname:
Die Simpsons – Das Spiel

Publisher:
Electronic Arts

Developer:
Electronic Arts

Genre:
Jump 'n Run

Release:
07.20.0211

Multiplayer:
1-4 Spieler

Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre
Screenshots:

ScreenViewer öffnen (7)

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