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TouchMaster


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TouchMaster - Review vom 19.08.2007

Kennt ihr das nicht auch? Die Sommerferien einmal ausgenommen, welche glücklichen Badestrandbesuchen höchste Priorität einräumen... aber sonst: randgefüllte Stundenpläne mit Abgabeterminen und privaten Olympia-Aufgaben im zeremoniellem Familienhaushalt lassen in unserer schnelllebigen Welt nur wenig Spielraum für ausgedehnte Freizeitaktivitäten.

Schließlich sind viele Neuzeitbauern vom lärmenden Verkehr und unaufhörlich wiederkehrenden Pflichten derart bestimmt, dass der entspannte Griff zu einem guten Roman, zu Kaffee, Kaffeekanne und Kaffeekuchen oder zu wirklich komplexen Videospielen oftmals ausbleibt. Wie soll man sich auch im epischen RPG-Abenteuer mit dreiundzwanzig Anzeigeleisten, verstrickten Elementklassen-Verhältnissen, ellenlangen Gegnerstudien und Item-Anwendungsgebieten auseinandersetzen, wenn bereits die Organisation der Nachmittagseinkäufe einem Amoklauf im Bundestag ähneln? Wie soll ein virtueller Zweitlebensraum à la „Animal Crossing“ aufgebaut und regelmäßig gepflegt werden, wenn währenddessen im Vorgarten wuchernde Brennnesseln den Briefkasten verdecken, wenn ständig Zahnarzttermine verpasst werden und Kopfschmerztabletten und Alkoholismus durch den Alltagstrott navigieren? Und wer kann die wenigen, angeblich ruhigen Momente in gemütlicher Adventure-Atmosphäre auskosten, während Blutdruck und Nervenzentrum Samba tanzen...?

Zwar liegt es nicht in unserem Aufgabenbereich, den allgemeinen und sowieso ziemlich ungenauen Wahrheitsgehalt obigen Abschnittes nachzuweisen, für eine elegante Testeinleitung erfüllte das seinen Zweck allerdings hervorragend. Denn unterhaltsame Spielesammlungen wie Midways „TouchMaster“ für den kleinen Hunger zwischendurch sind wieder mal im Vormarsch und lassen sich problemlos in den Alltag integrieren. In kindlicher Neugierde möchten wir deshalb unbedingt wissen, ob sich hier ein ernsthafter „42 Spieleklassiker“-Konkurent aufbäumt oder ob die Software lediglich mit dem 0815-Printmagazin um den Stammplatz des Toilettenzeitvertreibs ringt. Also los, ihr habt fünf Minuten eurer wertvollen Zeit, um diesen Testbericht durchzulesen...!

Vorsicht! Kartenhaie auf Beutefang
Ungefähr die Dauer einer Schere, Stein, Papier-Partie benötigt ihr, um euch mit der Menüführung und dem Spieldesign anzufreunden, da alles klar strukturiert ist - so sind die Minispiele kategorisch unterteilt in „Favoriten“ (eure am häufigsteb gespielten Lieblinge), „Karten“, „Geschick“ und „Rätsel“. Außerdem gibt es noch die „Optionen“ (seht hier zum Beispiel die Mitwirkenden, WiFi-Einstellungen und Highscores). Jedem Spiel begleitend ist das irgendwann nervige Zeitlimit, in welchem ihr die jeweilige Herausforderung meistern solltet. Besonders anfängerfreundlich, für Dauerzocker aber eher motivationsraubend: Wo ihr in vielen anderen Klassiker-Sammelsurien nach und nach neue Games frei schaltet, erwarten euch hier gleich von Beginn an alle 23 Spielvarianten. 23 Stück!? Das hört sich im direkten Vergleich mit dem vielsagenden „42 Spieleklassiker“-Kontrahenten etwas mager an, Abwechslung bietet „TouchMaster“ aber dennoch, zumal hier auch einige ungewöhnlichere Spiele Einzug fanden - später dazu mehr. Ebenfalls löblich sind die augenblicklich nutzbaren Multiplayer-Funktionen und der Online-Modus zu erwähnen, mit dessen Hilfe ihr unter anderem eure besten Rekorde ins Internet stellen könnt. Apropos Rekorde: nach jedem erfolgreichen Spielversuch habt ihr die Gelegenheit, euer Vorzeigeergebnis sowie euren Namen in den Top 10 des gezockten Klassikers zu verewigen - so kann sich also auch die ganze Verwandtschaftssippe miteinander in „MahJong“ oder „Quiz“ messen. Damit kommen wir auch schon zum Eingemachten: Denn das vorliegende DS-Werk ist schließlich eine waschechte Klassikersammlung, aus der wir uns nun systematisch einige Titel herauspicken, und näher beleuchten wollen.

Kartenkennern sollte bei der üppigen und teilweise exotischen Auswahl der neun Karten-Versionen ein Grinsen nicht zu verkennen sein, Neulinge müssen stets jedoch die (glücklicherweise knappe) Spielanleitung durchackern, um hinter den eigentlichen Funktionssinn jedes Minigames zu gelangen. So bei „3 Peak Deluxe“ (3 Hügel Deluxe) beispielsweise: zum Minutensieg müsst ihr hier drei Kartenberge abbauen, indem ihr entweder die darüber liegende oder die niedrigere Karte spielt, als im aufgedeckten Stapel angezeigt ist. Liegt also ein König offen, so greift ihr euch entweder die Dame oder das Ass aus den Kartenhügeln, um sie mit einem charmanten Jingle verschwinden zu lassen. Alternativ kann auch eine neue Feldkarte gezogen oder der alles ersetzende Joker benutzt werden, wenn man mal in Bedrängnis steckt. Bekannter ist natürlich die Stammplatzspielerei sämtlicher Windows-PCs mit Namen „Solitaire Classic“ (Klassische Harfe) oder das Casinogänger aufhorchen lassende „Target 21“ (Ziel 21), bei dem der neugierige Gelegenheitsspieler in 5 Spalten jeweils möglichst genau an die 21 herankommen, sie aber keinesfalls überschreiten sollte - auch hier existieren kleine Joker-Hilfestellungen. Abschließend noch erklärend zum gelungenen „Go Wild“ - diese Variante schreibt euch vor, alle 52 vorhandenen Karten (von denen immer fünf angezeigt werden) auf insgesamt drei Kartenstapel zu verteilen – dazu muss entweder die Farbe oder der Kartenwert übereinstimmen. Pro abgelegter Karte gibt es dann auf dem jeweiligen Stapel 100 Bonus-Punkte obendrein, sodass auch die taktische Komponente nicht unbeachtet bleibt. Insgesamt ähneln sich viele Varianten zwar etwas (z.B. „Phoenix 13“ und „Double Take“), dennoch machen alle Kartenvarianten Laune, insofern man das Spielprinzip geschluckt hat. Gewünscht hätten wir uns allerdings noch eine Poker-Variante oder klassisches, ganz simples Mau-Mau, für den Rechten Mehrspieler-Gaudi.

Jetzt bloß keine falschen Bewegungen...
Reichlich mehr Abwechslung bieten die in „Geschicklichkeit“ eingeteilten Klassiker, welche von Würfeln über ein Körbewerfen im Basketballstil, bis hin zu einer aufgepeppten Dame-Variation alles aufzeigen. Dieses „Pond Kings Checkers“ zum Beispiel (Tümpeldame), transformiert die klassischen Dame-Steinchen in diagonal umherhüpfende Frösche, die den Gegner am Erreichen der gegenüberliegenden Seite hindern und unterwegs Insekten fangen sollten, um leckere Bonuspunkte abzustauben. Das Spielprinzip ist aber immer noch Dame, wie es jeder kennt und liebt (oder hasst). Erreicht eines der Amphibien doch die andere Spielfeldseite, mutiert selbiges zum Froschkönig und darf ab sofort in alle Richtungen hopsen - ein echter Brettspiel-Klassiker also! Ganz alternativ gibt sich „Trivia“ (Quiz), in welchem ihr zwischen vier Antwortmöglichkeiten die korrekte auswählen müsst – untergliedert sind die Fragen in verschiedene Kategorien wie „Allgemeinwissen“ oder „Sport“, auf die ihr vor Rundenbeginn Zugriff habt. Etwas ärgerlich und unverständlich dabei: das gesamte Quiz ist lediglich in englischer Sprache verfügbar, sodass man die vermutlich der Release-Deadline zum Opfer gefallene Übersetzungsmisere als zusätzlichen Schwierigkeitsgrad sehen sollte, um sich nicht den Spielspaß verderben zu lassen...

Weiterhin sind in „Word Search“ (Wortsuche) verschiedene Begriffe aus einem Wortgitter herauszufiltern und mit dem Stylus zu markieren, im ungewöhnlichen „Hot Hoops“ werft ihr Körbe, indem ihr einen der fünf Basketballer antippt und dieser daraufhin einen Ball ablässt, und das taktische und trotzdem kurzweilige „Artifact“ (Artefakt) entpuppt sich als Energiezellen-Duell mit hohem Suchtfaktor. Dem nahezu puren Glücksfaktor unterliegen dann noch die Würfelspiele „5 Star Generals“ (5-Sterne-General) und „Pick Up 6“ (6 aufnehmen), welches euch aus den Würfelergebnissen die besten Kombinationen werten lassen.

Spielspaß und Gedächtnis beim Verdauungsspaziergang: Gehirn-Walking
Der dritte Spielmodus im Bunde von Midways klassischer Wunderpackung sind die kniffligen „Rätsel“, welche ihren Schwerpunkt in allerlei „Tetris“-ähnlichen Varianten haben und sich bestens für spaßige Gelegenheitsphasen eignen. Beginnen möchten wir aber mit den eigenwilligen Extrawürsten wie z.B. dem quirligen „Wordz“, einer virtuellen „Galgenraten“-Umsetzung: Erst sucht ihr aus Unterkategorien wie „Leckerbissen“, „Sachen und Dinge“ oder „Sätze“ eine euch zusagende Thematik aus, dann tippt ihr via Touchpen auf die jeweiligen Buchstaben, um möglichst viel Verdecktes zu enthüllen und schlussendlich den ganzen Begriff zu erraten - dabei dürft ihr maximal sechs Fehlgriffe tätigen, bis die aktuelle Runde automatisch aufgelöst wird und als verloren gilt. Im Nacken sitzt dem geneigten DS-Zocker selbstverständlich die unbarmherzig heruntertickende Spieleuhr, die euch meist nur wenige Sekunden zum Überlegen lässt. Genauso hektisch geht das jedoch auch im allseits bekannten „MahJong“ zu, welches mit einfacheren Buchstaben sowie Zahlen, oder im schwierigen Modus mit chinesischen Symbolen und Schriftzeichen gespielt wird und den fernöstlichen Flair dabei immer gekonnt freisetzt. Komplizierter und unpopulärer programmierte man „Times Square“: Hier besetzt ihr kachelartige Vierecke in einem Zahlengitter, um den von euch gesetzten Kachelwert dann mit der Spaltenzahl zu multiplizieren – schließlich wird das Ergebnis abermals mit 1000 genommen. Ohne (für manchen nervtötende) Rechenaufgaben kommt wiederum „Pairs“ (Paare) aus, welches in das Szenario eines Billardtisches eingebettet wurde und sämtliche Zahlenwerte auf Billardkugeln präsentiert: berührt immer nebeneinander liegende Kugeln mit gleichem Wert, um Punkte zu kassieren. Will es nicht mehr weiter gehen (egal, wie heftig ihr den Stylus auf den Touchscreen presst), hilft allen Verzweifelten die weiße Kugel weiter, die ordentlich Nachschub an Zahlenkugeln beschert. Außerdem erwarten euch in dieser Sparte noch die solide umgesetzten Puzzle-Games „Gem Slide“, „Mahki“ und „Crystal Balls“ (Kristallkugeln), die als gut dosierte Häppchen-Spiele immer mal wieder zu gebrauchen sind.

Steuerung:
Halleluja, hier macht ein Spiel seinem Namen mal wirklich alle Ehre! Kein Modus ausgeschlossen trefft ihr mit präzisem und gemütlichem Stylusstrichen die Kristallkugeln, zieht Karten vom Stapel oder klickt MahJong-Steinchen ins Jenseits – die schnelle Rekordspritztour für zwischendurch steuert sich bis auf klitzekleine Ausnahmen (sei es z.B. beim Weiterklicken der Spielanleitungen) super. Ein einziges Manko könnten Adleraugen und leidenschaftliche Radiomoderatoren noch in der fehlenden Mikro-Unterstützung sehen, die vielleicht frischen Wind und ausgefallenere Minigames gebracht hätte.

Grafik:
Wo ein „Mensch ärgere dich nicht“-Brettspiel oder ein Schachfeld ziemlich trostlos ausschauen, macht „TouchMaster“ vieles anders: Farbenfrohe Hintergründe und aufblitzende, blinkende Spezialeffekte untermalen euer Siegen oder Versagen sehr stimmig. Dennoch überschreitet die Optik ihre Grenzen der Zweckmäßigkeit kaum – wozu auch?

Sound:
Nanu, gar kein orchestraler Chartstürmer-Soundtrack!? Spaß beiseite, natürlich schmerzt die unspektakuläre akustische Komponente bei dieser Art von Software nur in minimaler Weise – den geneigten Casual-Gamer erwarten vor allem beruhigende Endlosschleifen, die glücklicherweise nicht in nervtötende Kaufhausmelodien ausarten. In einigen Spielvarianten tauchen sie sogar nur wenige Sekunden lang auf, danach herrscht eine etwas bedrückende und nicht ganz in die knallbunte Klassik-Unterhaltung passende Stille. Insgesamt gilt aber - die überwiegend angenehme Grundstimmung wird lediglich durch die teils kratzenden, überdrehten Sound-Jingles getrübt.

Features:
So kunterbunt und optimistisch die Entwicklerschmiede auch an ihrer Spielesammlung getüftelt und die Klassiker gelungen eingestrickt haben, sind die Extras doch an einer Hand abzuzählen, lässt man den WiFi-Modus als MP-Element mal außen vor. Ihr bekommt eigentlich nicht mehr und nicht weniger als die 23 verspielten Kurzweiler geboten, in denen ihr Rekorde aufstellen und euch schließlich zum Touch-Meister schulen könnt. Allerdings hält sich auch hier die Abwechslung in Grenzen und wer seine Gaming-Bestimmung nicht gerade als ehrgeiziger Highscore-Jäger oder Hardcore-Puzzler sieht, verliert akkurat an ursprünglich vorhandenen Motivationspunkten. Schade, versteckte Spielvarianten oder zumindest freispielbare Farbvariationen in den Minigames hätten dem entgegengewirkt.

Multiplayer:
Wir sind uns einig, dass eine möglichst auch online funktionierende Mehrspieler-Möglichkeit in derartigen Software-Offenbarungen Pflicht geworden ist – schon „42 Spieleklassiker“ trumpfte hier gehörig auf, und „TouchMaster“ folgt Nintendos Vorläufer kompromisslos. Immerhin dürft ihr in vielen Minispielchen den DS an einen befreundeten Kumpel weitergeben, um euch beispielsweise in „Tümpeldame“ heiße Froschschenkel-Action zu liefern, oder jeder zockt kabellos an der eigenen, liebgewonnenen DS-Konsole. Schade ist natürlich, dass die Minispiele nicht für größere Menschenansammlungen als Zwei-Personen-Pärchen geeignet sind. Wenigstens mit der WiFi-Funktion könnte man mehrere Mitspieler in einem spannenden Turnier vereinen - leider modifiziert das größte MahJong-Event zum stummen Alleinunterhalter, wenn sich keine internetfähigen Teilnehmer finden lassen, wie in unserem Test immer wieder geschehen: Da helfen wohl nur die offiziellen Turnierdaten auf der offiziellen Homepage (http://www.touchmastergame.com/) aus.

Fazit:
Ähm, nur eine Spielesammlung!? Den Friedensnobelpreis für die Erhaltung bedrohter Genres erhält Midway zwar ebenso wenig wie uneingeschränkte Sympathien hungriger Hardcore-Gamer, aber dennoch ist „TouchMaster“ ein recht intelligentes, lustiges Sammelalbum für die ganze Familie und enthält mitunter Klassikervariationen, die bisher kaum in DS-Titeln verarbeitet wurden - schwankende Niveau-Linien innerhalb mancher Kategorien und die dünnen Features fallen dabei zum Glück nicht weiter ins Gewicht, zumal die einwandfreie Steuerung punktet. Wer seine knappen Freizeitaugenblicke ein wenig blumiger und möglicherweise auch mal zu zweit gestalten will, die Spielauswahl in „42 Spieleklassiker“ zu simpel findet und keinen Appetit auf längere, komplexe Spielkreationen hat, darf sich hier zwischen Mahki-Highscores, Kartenflair und Wörtersuche austoben.

Nicht böse wegen der fehlenden Schach-Portierung: Jakob Nützler [Miroque] für PlanetDS.de

Vielen Dank an Midway für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

WERTUNG:
75%
Altersfreigabe:
Frei ab 0 Jahre
Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks
Lesertests:
Lesen ( 0 ) / Schreiben
Komplettlösung
Videos
Steuerung

Problemlos und einsteigerfreundlich - so muss das sein! Innovationsfaktor:
+++--  (3 von 5 Sternen)
Touchscreen-Alarm am Fließband - auch online, leider ohne Mikro.
Grafik

Schlichte und dennoch wirkungsvolle Effektpräsentation, die Nintendos Konkurrenz-Sammlung aussticht.
Sound

Dezente Chillout-Komposita, die aber ruhig öfter einsetzen könnten.
Spielspaß

Los, noch ’ne Runde! Tragbare Klassikerschachtel, der es nur am Umfang mangelt.








Details
Spielname:
TouchMaster

Publisher:
Midway

Developer:
Midway

Genre:
Sonstiges

Release:
07.20.1506

Multiplayer:
1-2, auch online

Altersfreigabe:
Frei ab 0 Jahre
Screenshots:

ScreenViewer öffnen (7)

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