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Undercover: Doppeltes Spiel


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Undercover: Doppeltes Spiel - Review vom 27.09.2007

Verdeckt zu ermitteln, vermitteln und mittellos zu arbeiten war schon immer eine unserer großen Stärken. Warum sonst versteckt die gänzlich lupenreine Redaktion (es ist übrigens reiner Zufall, dass hier in der dritten Person geschrieben wird...) ihre wahren Bezeichnungen hinter nichtssagenden Spitznamen, während sich ihre einzelnen Mitglieder durch die geheimen Hintereingänge der Internetflure schleusen? In dieser Gesellschaft mit allerhand zwielichtigen Gestalten gehört es natürlich zum strengen Kodex, sich auch mit dem mysteriösen Warengut eines vermeintlich kleinen Entwicklerteams, inmitten der österreichischen Hauptstadt zu beschäftigen - angeblich vorerst nur für ziemliche rabiate „Moorhuhn“-Jagdsessions bekannt, sammelte Sproing Interactive mit dem PC-Titel „Undercover: Operation Wintersonne“ auch im Adventure-Genre Sympathien.

Doch schließen wir damit die Personalakte nicht! Inhaltlich noch vor besagtem Agenten-Thriller spielend, schleicht sich nun ein exklusives Auskopplungs-Paket auf den kleinen und unschuldigen DS, der dank seiner raffinierten Verarbeitung besonders steuerungstechnische Vorteile bietet, was altbewährte Point & Clicker angeht. Deshalb haben wir Publisher dtp Entertainment angemorst, uns erneut in den schwarzen Mantel gehüllt und den falschen Schnurrbart aufgeklebt, statt einer Lupe jedoch den Stylus gezückt - was ist an der Spionageaktion, welche man dem Hauptcharakter John Russell vorwirft, wirklich dran? Verdichten sich die positiven Beweisfunde nach unserer Preview oder gesellt sich „Undercover: Doppeltes Spiel“ zu den üblichen Verdächtigen auf dem Markt der gehypten DS-Geheimentwicklungen? Sobald das Fingerabdruck-Pulver aus unserem YPS-Heft seine volle Wirkung entfaltet hat, wissen wir mehr...

Doppelt gemoppelt: Zweigleisig im Zweiten Weltkrieg
Mit abgestimmtem Teamwork kommt man immer leichter ans Ziel, und zudem muss man sich nicht für eventuelle Selbstgespräche schämen. Das dachte sich nach dem Verdacht auf Verrat wohl auch der clevere Physikprofessor John Russell, als man ihm zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wichtige Dokumente unterschob, die unbemerkt an die feindlichen Deutschen weitergereicht wurden. Als die ansonsten friedliebende Forschungseinrichtung dann selbst vom englischen Geheimdienst heimgesucht wird und Professor Russel um seinen Kopf bangen muss, sind naturwissenschaftliche Schmöker jedoch nur noch die suboptimalen Zeitbeschäftigungen – innerhalb 24 Stunden müsst ihr als verantwortungsbewusster DS-Besitzer Johns Unschuld nachweisen und den wahren Verräter zur Strecke bringen. Komme was wolle! Zur Seite stehen dem Protagonisten dabei die blondhaarige Bürofee und neugierige Sekretärin Audrey von der Chefetage, die sich ihr veilchenblaues Kleid zwar nicht schmutzig machen, den mysteriösen Vorfällen aber trotzdem auf den Grund gehen will. Vielleicht auch deshalb, weil ihre Zuneigung zum gutaussehenden Prof. Russel stärker ausgeprägt ist, als die Entwickler zugeben wollen...? Zumindest sucht ihr fortan im Zweierteam nach allerlei Hinweisen, quetscht nahezu jeden verdächtigen Forscher aus und lenkt Geheimagenten ab, um euch (u.a.) am Privateigentum eurer Kollegen zu vergehen.

Wie man sofort bemerkt, ist das Setting nicht etwa unmittelbar auf dem Kriegsschauplatz angesetzt (wie das in dem ebenfalls von Sproing stammenden „Panzer Tactics DS“ gehandhabt wird), sondern bietet Laboratorien, Büros, ein Wirtshaus und andere einladende Ortschaften, die euren Erforschungsdrang wecken. Dabei wurde darauf geachtet, dass ihr bestimmte Alltagsgegenstände sehr früh an euch nehmen, oder auch vorerst unwichtige Gegenden besuchen könnt – schade nur, dass einige Objekte nie ihren Auftritt haben und der vorfreudige Adventure-Spieler unterm Strich mit sehr wenigen Umgebungen vorlieb nehmen muss. Außerdem geben wir zu: Im Gesamtbilde hat man keine unbedingt umfangreiche Detektiv-Geschichte geschaffen, sondern sich auf wenige Elemente beschränkt. Der spielerische Schwerpunkt und charismatische Reiz liegt hingegen im personellen Wechsel der beiden Charaktere: Auf Tastendruck tauscht ihr flugs die Bildschirme und könnt dann jeweils den Menschen steuern, der nun auf dem Touchscreen abgebildet ist. Mehr dazu im nächsten Abschnitt!

Spurensuche auf die feine englische Art
Bedingt durch den relativ kleinen DS-Screen streut ihr im übertragenen Sinne Argentoratpulver in die Umgebung (okay, eigentlich braucht ihr lediglich eine Taste zu drücken), um sämtliche anklickbare Objekte (die so genannten Hot-Spots, die zumindest Genrekenner nicht mehr mit vulkanisch aktiven Zentren verwechseln dürften) sichtbar zu machen - lästiges Suchen im pixeligen Heuhaufen hätte den Spielspaß allerdings auch zu sehr getrübt, da auch in unscheinbaren Stiefel oder dem Mülleimer Hinweise versteckt sein können. Jeden Hot-Spot könnt ihr untersuchen oder euch in irgendeiner anderen eigentümlichen Weise daran ausprobieren (mitnehmen, anknipsen, aufmachen etc.) – oder es zumindest versuchen. In den allermeisten Fällen werdet ihr eurem Charakter nur einen frechen Kommentar entlocken können, der jedoch ab und zu zur humoristischen Dialogwürze à la „Baphomets Fluch“ beiträgt. Deshalb reizt es so manchen tatsächlich, mit beiden Figuren im gleichen Raum alle Gegenstände separat zu untersuchen (was manchmal auch notwendig ist). Wollt ihr einen Bereich verlassen, genügt ein Doppelklick auf das Ausgangssymbol, und eine große Umgebungskarte „teleportiert“ euch ohne Zwischenstops zum gewünschten Platz, insofern dieser bereits erkundet wurde - sehr komfortabel! Dies ermöglicht zum Beispiel das geschwinde Erscheinen im äußersten Bürowinkel, auch wenn sich John gerade noch beim Dart im Gasthaus vergnügt hat.

Personen gehören in „Undercover: Doppeltes Spiel“ übrigens auch zu der Gattung der markierten Hot-Spots, die ihr jedoch nicht in euer Inventar packen (würde zunehmend auch etwas eng und laut werden), sondern lediglich anquatschen könnt. Die geführten Dialoge gewinnen aber keinen Literaturpreis: Allzu atmosphärisch wird es hier nämlich sehr selten, da es stets nur wenige und selten wirklich hilfreiche Gesprächthemen gibt - auch gewaltigen Wortwitz muss man schon mit dem Vergrößerungsglas suchen. Oft stolpert ihr hingegen von der allmächtigen Spielleitung relativ allein gelassen und orientierungslos übers Gelände und forscht so nach dem Weiterkommen, was besonders Anfänger stören könnte. Und obwohl John und Audrey ganz charmant ihren Standpunkt vertreten, bekamen wir nicht besonders viel Hintergründe oder vertiefende Charakterisierungen geliefert. Wem das häufige Gelabere in „Hotel Dusk“ allerdings gehörig auf den Senkel ging, wird sich an der Wortkargheit in Sproings tragbarem Verschwörungsgeschwader jedoch nicht weiter stören.

Zurück zum löblichen Wechsel der beiden Hobby-Schnüffler und Spielfiguren: Hier gaben sich die Entwickler wirklich alle Mühe, besonders fordernde und interessante Gameplay-Augenblicke zu kreieren. Das fängt damit an, dass John nur in die Herrentoilette, Audrey nur in das Damen-WC gelangen kann, dass alle Gegenstände untereinander ausgetauscht werden können, dass John der klischeehafte und zum Klettern verdammte Muskelmann, Audrey der weiblich-grazile und redegewandte Blickfang ist, und dass sich gegenseitig neu gewonnene Informationen oder Pläne mitgeteilt werden müssen – natürlich lassen sich einige aufgezwungene Ideen hierbei nicht verheimlichen. Trotzdem sorgen die Teamrätsel für Motivation und Spannung. Um abermals den internen Vergleich zu Nintendos „Hotel Dusk“ zu ziehen: John Russel und seine clevere Partnerin sind öfter und intensiver in solche Rätsel-Einlagen involviert, die mit Stylus- und Mikrophon-Einsatz bearbeitet werden müssen, als unser gesprächiger Kyle Hyde. Außerdem sind diese mehr dem Minigame-Stil nachempfunden, dauern meist länger und erfordern abwechselnd euer Gehirnschmalz (das ihr hoffentlich mit Dr. Kawashimas Hilfe vorrätig habt) und etwas Geschicklichkeit („Project Rub“ und „42 Spieleklassiker“ dürften für mehr Fingerfertigkeit gesorgt haben). Aufgepasst, einige Beispiele folgen: Audrey lockert mit einem erfrischenden Weizengebräu (welches uns Deutschen gerade im Oktober wohl bekannt ist) die Zungen von tuschelnden Geheimagenten, während sich John am Fenster lauschend die Ohren platt drückt. Weiterhin werden bedeutungsvolle Gegenstände per Lastenaufzug verschickt oder mit vereinter Kraft Papageien durch die Wohnung navigiert - zu viel dieser tollen Teamwork-Kombinationen möchten wir an dieser Stelle allerdings nicht preisgeben! Was im selben Atemzug ebenfalls Erwähnung finden muss: Nicht selten ist der Lösungsweg beschwerlich aufzufinden und unerfahrene Rätsel-Künstler kommen nur nach langem Probieren und Tüfteln auf die Idee, zwei Gegenstände miteinander zu vereinen oder an einer viel früher besuchten Stelle nach dem Weiterkommen zu stöbern.

Steuerung:
Lucas Arts’ Affeninsel lässt grüßen: Indirekt delegiert ihr eine der beiden protagonistischen Turteltäubchen ganz altbewährt durch simple Klicks, und schon spaziert der Charakter dorthin - damit kommen auch angehende Detektivlehrlinge binnen weniger Sekunden zurecht. Nützlich ist außerdem die alternative Steuerungsoption für alle Linkshänder, um ein Verrenkungen zugrunde liegendes „Game Over“ vorzubeugen. Ebenso wurde an eine schnelle Bedienung des Inventars und des komfortablen Personentauschs gedacht, der per Tastendruck ausgelöst wird. Unliebsame Zwischenfälle gibt es hingegen in einigen wirr programmierten Minispielen wie der Windkanal-Herausforderung, da man hier wenig Wert auf ausufernde Anweisungen legte und den Spieler ziemlich unbehütet seinen Touchscreen verunstalten lässt. Leider dominiert in solchen Fällen eher der Frustfaktor als euer unermüdlicher Forschungsdrang - beim nächsten Mal wünschen wir uns hier deshalb einige Hilfestellungen! Lasst uns doch nicht so im Stich...

Grafik:
Visuelle Bilderbuchpralinen präsentieren dem DS-Spieler die Programmierer als Umgebungen, die allesamt in ihrer dichten und realistischen Atmosphäre gefangen halten - wer an typische PC-Adventures gewöhnt ist oder „Operation Wintersonne“ bereits gespielt hat, wird sich also sofort heimisch fühlen. Besonders vital wirken diese allerdings nicht: Starre Wolkenabbildungen, statische Objekte und nicht fließen zu scheinendes Flusswasser vermitteln den Eindruck einer wissenschaftlichen Museumsaustellung... Hier hätte man den Farbpinsel noch nicht weglegen, und am besten noch einige Grafiken hinzufügen sollen! Den Stock endgültig untergeschluckt haben aber John Russel und seine verdächtigen Kollegen selbst, die uns mit knochigen Animationsansätzen stets daran erinnern, dass wir es hier nur mit computerversiertem Pixelmaterial zutun haben.

Sound:
Hm, hallo? Merkwürdig, dabei war ich mir doch so sicher, dass die Lautspracheregler aufgedreht waren... Oder schwächeln meine Kopfhörer angesichts der geringen Sounddarbietung? Nein, hier hat einer der Komponisten die Arbeitsweise „Undercover“ wohl zu wörtlich genommen - denn wenn ausgebildete Wahrnehmungskünstler in fast 50% der Spielzeit lediglich die zyklischen Schritte der Figuren vernehmen und selbst beim Abspann eine fallende Nadel zum Klangerlebnis würde, kommt Skepsis auf, ob nicht bei der geheimen Weitergabe wichtiger Baupläne auch die musikalische Untermalung gleich mit über Bord ging. Zwar hebt man sich im Audio-Bereich von den fernöstlich angehauchten Nintendo-Adventures ab und komponierte dezente und durchweg angenehme Melodien, die euch in Ruhe alles ausknobeln lassen, ein wenig mehr Stimmung hätte unseren Ohren aber keinen Beinbruch getan.

Features:
Alle Verdächtigen sind ausgefragt, die Büroeinrichtungen durchsucht und Nervvogel
Albert vom Spähflug erfolglos zurückgekehrt – keine echten Features oder sonstige Boni konnten ausfindig gemacht werden, was ein erneutes Durchspielen wiederum recht unattraktiv macht. Denn auf ein alternatives Ende, komplizierte Charakterverhältnisse, die man beim ersten Durchlauf noch nicht vollends aufsogen konnte (wie z.B. in „Another Code“) oder interessante Hintergrundtrailer wurde komplett Verzicht genommen. Dem Spielspaß größeren Abbruch tut das zwar nicht wirklich, ein paar die Motivation steigernde Extras hätten uns aber sicherlich auch nicht wehgetan.

Fazit:
Wäre „Hotel Dusk: Room 215“ ein zähes Rindfleischfilet und „Another Code: Doppelte Erinnerung“ die Scheibe Bärchenmortadella von eurem örtlichen Fleischer, so ließe sich „Undercover: Doppeltes Spiel“ als ein kurzes, aber knackiges Wiener Würstchen definieren (und das nicht nur aufgrund Sproings österreichischer Entwicklungsstätte) - mit einem (oder zwei) Haps ist’s im Mund! Zumindest, wenn man sich dabei nicht an kräftig gewürzten Minispielen oder der nächsten zu vollführenden Ablenkung verschluckt. So hat unsere Lebensmittelkontrolle ergeben, dass der erwartungsvolle DS-Besitzer in einer begrenzten Spieldauer von rund 6 Stunden mit düsterspannenden Ansätzen, mit guten Gameplay-Einfällen, aber auch mit halbgaren Charakteren und spielstreckenden Zwischenstopp-Aufgaben konfrontiert wird. Zu hohe Ansprüche bezüglich einer einzigartigen Adventure-Welt darf man also ebenso wenig an die Tagesordnung legen wie Ungeduldigkeit - ansonsten beißt man sich an John Russels Kriminalfall schnell die Zähne aus. Übrig bleibt ein schönes PC-Sequel zur Wochenendtüftelei, dass Nintendos hauseigene Adventures aber nicht übertrumpft.

Sherlock Holmes wäre stolz auf: Jakob Nützler [Identifizierungscode Miroque] für PlanetDS.de

Vielen Dank an dtp Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

WERTUNG:
77%
Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre
Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks
Lesertests:
Lesen ( 1 ) / Schreiben
Komplettlösung
Videos
Steuerung

Sauber umgesetzt, wenige Minigames ausgenommen. Innovationsfaktor:
+++--  (3 von 5 Sternen)
Kreative Detektivaufgaben – Drähte verbiegen, Morsecodes entschlüsseln, Dartpartien austragen und was Schnüffler sonst so tun...
Grafik

Verdächtig: Eingesteifte Animationen und leblose, wenn auch hübsch gezeichnete Hintergründe im Wechselspiel.
Sound

Abwechslungsarme Musikstücke, mal stimmungsvoll und mal gar nicht eingespielt.
Spielspaß

Kurzweiliges Knobel-Adventure mit lauwarmen Storydesign, dafür aber packendem Setting.








Details
Spielname:
Undercover: Doppeltes Spiel

Publisher:
dtp Entertainment

Developer:
Sproing Interactive

Genre:
Adventure

Release:
07.20.2708

Multiplayer:
kein MP

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre
Screenshots:

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