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Der Weihnachts Wii

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Autor: Jakob Nützler

Kategorie: Kolumnen
Umfang: 1 Seiten

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NintendoDS Artikel vom 03.12.2006



Wenige Tage trennen uns von Wii, nur noch eine läppische Woche müssten wir ausharren, höchstens. Die Zeit war hart bis hierhin, das war sie... Ja. Aber...
Um es mal so zu formulieren: Kauft man sich das neueste Handy-Modell oder ein frisches Parfum auch gleich am Erscheinungstag?

Im Innersten meiner nintendogeprägten Seele kann ich es nämlich gar nicht so exakt nachvollziehen und verstehen... Ist es tatsächlich derart notwenig, dass nahezu jeder Mensch Wii unbedingt direkt am 8. Dezember, am heiligen Launch-Freitag, besitzen muss – welchen Sinn hat diese Geste, diese frühe Anschaffung genau?
Ich möchte meinen: Jetzt haben wir doch alle - große, kleine, dicke und normalgewichtige Menschen - solange auf Wii, auf Zelda, auf Link und auf das Comeback von Axel Schulz gewartet, so viele Monate voller Verzweiflung und Sehnsucht durchgestanden, wir haben der E3 und der GC entgegengefiebert, diskutiert, geplant und Philosophien zu Wort kommen lassen – aus welchem Grund könnte ein Mensch nicht noch die paar Wochen bis Weihnachten, bis zum fantastischen Höhepunkt des Jahres, durchhalten?
Wir haben es doch alle, als Gemeinschaft, schon bis hierher lange geschafft – welche Rolle spielen da noch ein paar Tage mehr? Würde man mit dem unglücklich gewählten 8. Dezember nicht den Zauber des Festes unnötig vorziehen...? Würde man in diesem Falle nicht „zu früh kommen“...? Sich selbst den Spaß rauben? Bedenkt, wollt ihr diese feierliche Weihnachts-Herausforderung nicht annehmen? Doch zuerst lauscht meinen Worten!

Denn mit vollkommen ehrlicher Zunge sei gesprochen: Wer denn? Bei Satoru Iwata - flüstert es mir ins Ohr, WER hat Anfang-Mitte Dezember, so kurz vor dem Jahresende wirklich Zeit zum ausgiebigen Daddeln, zum vollständigen Genießen der kunstvollen Spiele mit all seinen Sinnen, zum Ausprobieren der Konsole...?
Normalerweise müssten doch alle Menschen im Berufs- oder Schulalltag voller tüchtigem Arbeitsdrang arbeiten, und das auch in privater Hinsicht: Alle möglichen Weihnachtsfeiern, -konzerte, -märkte, Geburtstage, Klausurenzeit, Berufsschule, Geschenkestress und vieles mehr... Der Dezember ist ein sich selbst jagender Monat, so voller Unruhe, auch voller Vorfreude, aber ebenso voller unerwarteter Gemeinheiten... Was, wenn Wii doch fehlerbehaftet, wenn andere zuvorgekommen, wenn alles ausverkauft sein sollte? Was, wenn die Stärke von Wii durch äußere Umstände nicht genügend ausgeschöpft werden kann?

Sollte DOCH noch Zeit über sein, dann schaut euch eure Umwelt an, ihr Videospieler! Seht ihr sie nicht, die kleinen, aber feinen Leckereien, die euch aus den Regalen anblinzeln? Yoshi ist wieder unterwegs, er ist reif für die Insel – seid ihr es auch? Pro Evolution Soccer, ein hochwertiges Game, der Sportspielklasse – da muss man doch zuschlagen! Füllt die Lücken, lasst keine Pausen entstehen, keine tiefgreifenden Löcher!
Und hat es die gehypte, die himmelhoch gelobte Wii-Vorfreude wirklich verdient, so abrupt an einem stressigen Advents-Wochenende beendet zu werden? Einfach Wii aus der Verpackung zu reißen und loszumachen, ohne wahre „Zeremonie“? Nur spielen, um vielleicht „Erster!“ schreien zu können, um die Sucht kurz und schmerzlos zu beenden?
Glaubt ihr nicht auch, dass man stattdessen überglücklich, innerlich ausgeglichen, zufrieden und voller euphorischer Emotionen ist, wenn man an Heilig Abend mit der ganzen Familie, ganz genüsslich langsam und mit sensiblen Handgriffen das Wii-Geschenk auspacken darf? Unterm strahlenden Christbaum, im warmen, von Kerzenschein erleuchtetem Wohnzimmer, mit Weihnachtsliedern und Gebäck, und allem Zauber, der Weihnachten zu dem emotionalen Highlight macht, welches es ist? Wenn man den glatten, frischen und betörenden Controller an seine Brust drücken und ihn mit aller Zeit der Welt betrachten kann?

Wäre DAS nicht viel besser, wenn man am 24. Dezember ganz stolz sich und seiner Seele sagen kann: „Jetzt habe ich es ENDLICH durchgestanden - durch Feuer und Flammen bin gegangen, habe gelitten, geweint, gebetet und gewartet und es herbeigesehnt... Doch jetzt kann ich meine ganze aufgestaute Sehnsucht stillen und brauche mich um nichts anderes mehr kümmern, kann in vollen Zügen Wii erleben...! Ich bin frei, mein Kopf, mein Sinn, ICH bin frei und bereit für die Magie, diese Wii-Magii...! ENDLICH - Freude, Freude schöner Götterfunken!“ ... Lohnt es sich nicht, dafür zu kämpfen...?
Möchte also meinen: Haltet doch ein auf halbem Wege!
So ein Weihnachtsfest mit solch schönen Geschenken von Kaiser Nintendo kehrt so schnell nicht wieder. Sollte man DAS nicht ausnutzen, und Wii die feierliche Würde entgegenbringen, welche die Konsole verdient? Sollte man nicht auch Weihnachten mal so richtig hypen, wenn es sich so anbietet, wenn Nintendo den Erscheinungstermin schon so nah an Heilig Abend legt? Das war doch Absicht, sie haben es geplant, Nintendo wusste es – O ja!
Ja, es ist kein beliebiger Abend, es ist HEILIG Abend – und was assoziieren brave Nintendo-Jünger mit dem Wort „heilig“? Das heilige Triforce? Heiligenschein? Heiltränke? Petri Heil...!?

Wenn Wii bereits am 8. Dezember im Hause steht, stellt euch sie doch mal vor, die spröde Situation: Wie langweilig und unspektakulär die Bescherung am 24. Dezember dann ausfallen würde – ihr hättet vieles schon, was ihr euch wünscht! Das Geld wäre ausgegeben, verpufft, im Staube der Wirtschaft versunken...! Stattdessen: Eine blaue Hose, ein gelbes Buch, vielleicht ein roter Schal – aber keine goldglänzenden Spiele-Cover! Kein weißes, schnuckeliges Päckchen! Der Glanz der Weihnachtslichter - dahingewischt, klanglos verstorben... Einfach so...
Weiterhin: Das unsterbliche Spiel der Götter - Zelda - am 8. Dezember einfach so verzehren? Der Spielanleitung keine Bedeutung beimessen - das wäre unverzeihlich. Die wenigen freien Stunden durchspielen, vielleicht noch mit bösen Hintergedanken, innerlich zerstritten: „Keine Zeit, wenig Zeit, viel zutun, nein... Sucht... nein... Sucht... DOCH...!“
Es ist Zelda, Freunde der Sonne, so begreift das doch! Ein hassgeliebter Schatz, wenn man sich auf etwas anderes konzentrieren soll. DIESEM Phänomen verfällt man automatisch, das ist auch ganz natürlich, es ist bewiesen!

Aber wäre es nicht grauenvoll, mitten im Dezember auf Arbeit oder in der Schule ganz genau zu wissen: ES liegt in meiner Stube, eingelegt in Wii... Dieses Spiel, ja genau: Dieses EINE Spiel. Wenn ich jetzt nur zu Hause wäre, diesen Endgegner ins Jenseits schicken könnte, diese Truhe öffnen, diesen Dungeon weiter erkunden... Wo ist der Schlüssel nur? Wer, was, diese Musik auf einmal...!?
Und dann: Die Konzentration lässt plötzlich nach, die Bilder – sie verschwimmen... Was...!? Sie verschwimmen, alles dreht sich, Träume nehmen überhand, rasend steigert sich Geist und Körper in ungewollte Wallungen der Ekstase, der Wii-Controller – DA! Ich kann ihn sehen, er ist vor mir, d-d-irekt vor mir, waaahh – Oh Gott – ZELDA, waahh, nein, Hilfe...!!!
Spätestens, wenn ihr euch in eine enge Jacke gezwängt oder auf dem Boden wimmernd, nach dem nicht vorhandenen Controller suchend seht, erkennt ihr wohl das ganze Ausmaß, wie mächtig gute Spiele sein können...
Aber bewusst ins virtuelle Hyrule eintauchen! Das wäre es doch, oder etwa nicht? Oder auch andere Spiele erleben, die verschoben wurden, ja genau...! Man denke z.B. nur an Splinter Cell von Ubisoft!

Nach weiterem gedanklichen Prozess: Nein, ich könnte mich am 8. Dezember jedenfalls nicht beruhigt in meinen Sessel zurück lehnen, wenn ich wüsste, wie viele andere Verpflichtungen noch anstehen und dass ich Wii nur so zwischen Tür und Angel austesten können wollte mögen – ausschließlich alle Adventswochenenden sind bei mir terminlich belegt, ich habe soviel Stress, dass ich gar nicht mehr groß ins Internet gehen und den Hype auf Wii bis zum Überlaufen schüren kann. Also warum nicht warten?
Das Sommerloch und die Herbst-Trägheit sind vorbei, der Advent ist da - soviel zu organisieren, und sei es „nur“ das Weihnachts-Fest...!
Ein weiteres Argument: Mehr Wii-Channels für alle, vielleicht günstige Sonderangebote, Geschenke von Verwandten, vielleicht sogar von den Großeltern! Außerdem kann man sich heutzutage doch nicht mehr sicher sein, WAS man da eigentlich kauft – also, warum nicht noch Spieletests und andere bewertende Worte abwarten?

Doch abschließend bleibt niederzuschreiben, das jeder Mensch selbstständig entscheiden muss, was, wann und wii eingekauft wird. Über bleibt im Augenblick nur, allen Anwesenden einen edlen ersten Advent, gebündelte Vorfreuden und ein glückliches Händchen zu wünschen, wenn sie nächsten Freitag dennoch die Kaufhäuser dieses Landes stürmen wollen... Ich warte jedenfalls, harre aus und bändige mich – hoffentlich weiß der Weihnachtsmann das alles auch zu schätzen...

Jakob Nützler für PlanetDS.de
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