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Nongamertendo? Casual-Kram 24:7 und wütende Veteranen

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Autor: Johannes Floehr

Kategorie: Events
Umfang: 1 Seiten

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NintendoDS Artikel vom 18.07.2008



Inzwischen dürfte es auch der letzte Gehirnjogger und Augentrainer bemerkt haben: Die E³ ist vorbei und die nachgereichten News, Kommentare und Fazits flattern in großer Zahl durch das Internet. Selbst wenn die Messe innerhalb der letzten Jahre aus bekannten Gründen immer mehr an Wichtigkeit verlor, ist es dennoch stets ein pompöses Schaulaufen der Publisher und Entwickler, sehr zur Freude der Fangemeinden, die meist mit einem „Wow!“ im Gesicht und einer Schüssel Erdnussflips vor den Bildschirmen sitzen, Releasetermine notieren und in Vorfreude auf die kommenden Videospiel-Highlights vor sich hin grinsen. Doch dieses Mal ist das ein wenig anders, zumindest, wenn man einen DS oder eine Wii-Konsole sein Eigen nennt: Denn, so sind sich fast ausnahmslos alle Fachleute einig, zwei eindeutige Verlierer hat die E³ im Jahre 2008 mit sich gebracht: Nintendo und die schmollenden Veteranen des Konzerns.

Aktuell sind es gerade die alteingesessenen Fans, die ganze Foren und Blogs mit ihren Unmutsäußerungen über die derzeitige Politik Big-Ns tapezieren. Die Gründe sind vielfältig, laufen schlussendlich jedoch auf dasselbe Thema hinaus: Spielspaßgarant Nintendo sei nicht mehr das, was er einmal war. Sicher, man ist wieder unangefochtener Marktführer, was bei den letzten beiden Konsolengenerationen nicht wirklich der Fall war. Doch es ist die breite Schicht der Gelegenheitsspieler, die den Erfolg ausmachen - nicht die großen, teuren Kult-Titel. Die Gesellschaft hat Videospiele als Hobby inzwischen akzeptiert und es sind nicht mehr nur die „Nerds“, die daddeln und offensichtliche Freude an Videospielen haben. So kommt es, dass sich in den Verkaufscharts immer häufiger prägnante Namen wie „Wii Play”, „Cooking Mama” oder „Dr. Kawashima” lesen lassen. Die breite Masse freut’s, kauft’s, spielt’s und die „Nerds” schütteln mit dem Kopf.



Doch diese Flut an Titeln für Menschen, die mit den Namen Zelda, Samus Aran und Captain Falcon nichts anfangen können, soll nicht Hauptthema dieser Kolumne werden. Eher ist sie Hauptauslöser dafür, dass viele Zocker das Warten auf große Nintendo-Kracher nicht mehr aushalten können, zur Konkurrenz ins Sony-Land fliegen oder zur Microsoft-Insel schwimmen. Nintendo wird links liegen gelassen. Schmerzlich vermisst werden beispielsweise neue Ableger der einst so beliebten Reihen wie F-Zero, Star Fox oder Kirby - ein Donkey Kong-Jump’n Run wünschen sich auch viele Bananen-Liebhaber. Doch lediglich „Pikmin“ und ein zur Cube-Grafik identisch ausschauendes „Animal Crossing“ („Wie süüüß!“) werden (vorerst) auf der Wii weitergeführt. Schlimmer sieht es für DS-Zocker aus: Das Highlight der E³ war mit GTA DS ein Drittherstellertitel ohne Screenshots, Videos oder relevante Infohappen. Nintendo hingegen scheint keine großen Pläne mehr für den DS zu haben, die seitens des Mutterkonzerns gepublishten Titel „Chibi-Robo: Park Patrol“ und der dritte Teil der „Phoenix Wright”-Serie beispielsweise haben immer noch keinen echten Europa-Termin, auf den man sich verlassen könnte - stattdessen werden Anfragen mit „Erscheinungstermin-Bekanntgabe in absehbarer Zeit“-Standardsprüchen vertröstet.

Der Fokus liegt scheinbar auf Fitness-Trainern, Lernspielen und Fremdsprachenführern, die Dritthersteller springen auf den fahrenden Zug auf und die großen, aufwändigen Produktionen werden aus Kostengründen ad acta gelegt. In 2008 geht man mit einem inhaltlich vorhersehbarem Kochkurs-Spiel scheinbar ein geringeres Risiko ein als mit einer komplett neuen Serie. Aber immerhin gibt’s neue Farben für den DSLite. Toll...

Auch die Marketing-Abteilung weiß scheinbar von der schwindenden Qualität ihrer Spiele, zumindest ist dies eine Erklärung dafür, dass man in Werbespots für neue Nintendo-Titel meist mehr vom Spieler, als vom Spielgeschehen selbst sieht. Wenn man denn überhaupt mal Werbung für Nintendo erspäht - denn vergleichsweise wenig Marketing betreibt Nintendo selbst für seine Konsolen und Spiele. Und wo wir schon bei der Vermarktung sind: Vor wenigen Jahren noch gab es in regelmäßigen Abständen das beliebte „Club Nintendo”-Magazin, ein kostenloses Heftchen mit, ähäm, mehr oder weniger objektiven Berichten über Neuerscheinungen auf Nintendo-Konsolen, aufgelockert von ein paar kleinen Gimmicks wie Postern oder Comics mit den hauseigenen Helden aus dem Pilzkönigreich, Hyrule oder Dream Land. Ohnehin wurde damals mehr auf den motivierten Helden auf dem Bildschirm gesetzt.

Heute ist es andersherum: Der grinsende Gelegenheitsspieler ist Held des Marketings, zumindest was einen Großteil der Wii-Vermarktung anbelangt. Und Nostalgiker denken sicher gern an die Mario- und Zelda-Comic-Geschichten zurück, ganz zu schweigen von den Realverfilmungen. Sowas gibt es heute leider nicht mehr - Fans müssen sich mit Kochschürzen aus dem Sternekatalog begnügen.


Ladies and Gentlemen, heute Abend sing(k)t für Sie - das Niveau!
Negativer Höhepunkt dieses Trends ist wohl die Vorstellung von „WiiMusic” auf der diesjährigen E³, der so manchem Bauchschmerzen statt Schmetterlingen in selbigem Körperorgan eingebracht hatte: Shigeru Miyamoto, „Godfather of Videogames“ und geistiger Vater Marios, steht auf der Bühne und muss das belanglose Musikspielchen präsentieren, das in etwa soviel Aufmerksamkeit vom Darsteller zu erfordern scheint, wie einem Thermometer beim Messen der Außentemperatur zuzusehen. Man wartet hoffend und bangend nur darauf, dass er seine Wiimote gegen die Leinwand schmeißt und schreit „Haha, verarscht, RUMMS! Das hier ist das neue Zelda/Mario/Star Fox/F-Zero/Donkey Kong/Whatever, seht es euch an, verleiht eurem positiven Erstaunen Ausdruck!“. Er tat es allerdings nicht und meinte das mit dem Rumgefuchtel scheinbar ernst. Da tränt einem wahren Nintendo-Fan doch das Auge.



Viele Anhänger des ehemalig anspruchsvollen Spielherstellers beschweren sich auch darüber, dass man bei Nintendo in Sachen Online-Gaming weiterhin auf die altmodischen „Freundescodes” setzt, sodass jeder Spieler für jeden Titel einen neuen 12-stelligen Code erhält und diesen mit seinen Freunden umständlich tauschen muss. Eine mühselige Angelegenheit - da ist die Konkurrenz bereits zwei Schritte voraus. Auch mit dem „Nintendo-Kanal” und den herunterladbaren DS-Demos hat man sich keinen Gefallen getan: Im ultimativen Spaß-Angebot sind hauptsächlich kurze Probier-Versionen von Casual-Titeln wie „Big Brain Academy” und die verfügbaren, zumeist aus dem Internet bekannten Videos sind auch nicht gerade das, was Fanherzen höher schlagen lassen. Mal ganz davon zu schweigen, dass man auch mit den matt glänzenden „Nintendo Sternen” nicht mehr soviel anfangen kann wie früher einmal: Ertauschen lassen sich diese Bonuspunkte meist nur gegen Merchandising der, nunja, eher ungewöhnlichen Art, oder man tauscht sie in einem eher unvorteilhaften Wechselkurs gegen Wii-Points. Wenn die Sterne nicht bereits verfallen sind, denn das ist ja neuerdings auch möglich - aber einem geschenkten Gaul schaut man normalerweise nicht ins Maul, so der Volksmund.

Ein bisschen Kritik darf aber auch an solchen Dingen immer sein. Beispielsweise vermissen viele die angepriesenen DS-Wii-Verbindungsmöglichkeiten, die bisher kein Spiel vernünftig genutzt hat. Wobei auch nicht verschwiegen werden darf, dass Nintendo mit den Angeboten der Virtual Console und dem WiiWare-Kanal gute Plattformen für neue und alte Spiele-Hits geschaffen hat, mal abgesehen von den teilweise recht happigen Preisen. Auch hier gilt -wie für das gesamte Online-Angebot von Nintendo-: Richtig schlecht ist es ja nicht, aber man hat stets das bedrückende Gefühl, dass wesentlich mehr drin gewesen wäre. Und solche Schludrigkeiten seitens Nintendo ist man eigentlich nicht gewöhnt.

Herbe Kritik muss auch immer wieder die Wii einstecken: Wie bereits der GameCube muss die Mutter der Bewegungssensoren-Spielchen sich vorwerfen lassen, wenig wirklich gute Software zu bieten und eher als kostengünstige Konsole für die „ganze Familie” geltend zu sein. Opa spielt Bowling bei „Wii Sports“, Mami hält sich mit „Wii Fit” auf Trab und Papi knobelt ein bisschen mit „Wii Schach”, womit wir wieder bei den Casual-Titeln wären. Aber schnell ein Bogen zum Unmut der Fans mit ihrer Konsole: Gerade die Nintendo-Jünger der ersten Stunde trifft es derzeit wieder knüppelhart. Bereits zum Launch der Wii-Ära Ende 2006 kamen viele aufgeregte Fans enttäuscht mit leeren Händen vom Händler zurück, weil Nintendo schlichtweg zu wenig Konsolen in den Umlauf gebracht hatte.



Und wer damals eine ergattert hat, hat möglicherweise (wie der Verfasser dieses Textes) derzeit ein Problem mit dem umfangreichsten Titel des Jahres, „Super Smash Bros. Brawl”. Denn ein offiziell „geringer Prozentsatz” an Release-Konsolen spielt den Titel nicht ab. Problem: Es handelt sich bei Brawl um eine Dual-Layer-DVD - diese bietet den Entwicklern mehr Speicherplatz als eine herkömmliche Scheibe und ist auf der Wii die erste dieser Gattung. Während man bei Nintendo von „verstaubten Linsen” spricht, hat es sich in Fankreisen längst herausgestellt, dass ein schwächeres Laufwerk das Problem ist. Immerhin tauscht Nintendo kostenfrei die Wii schnellstmöglich aus, aber der Frust und die Unzufriedenheit vieler Spieler ist Nintendo trotzdem garantiert. Zumal bereits Amerikaner und Japaner mit dieser Zeitverzögerung zu kämpfen hatten.

Die fehlende Präsenz bei der Games Convention in diesem Jahr, die enttäuschende E³-Vorstellung, der niemals enden wollende Casual-Trip, die brotlosen Ankündigungen fantastischer Neukreationen, die nicht ganz fehlerfreie Online-Präsenz: Nintendo ist zwar finanziell derzeit obenauf, doch unter der Fassade bröckelt’s. Während Fans lange Zeiten über kleinere Fehler und Mängel des Unternehmens hinweggeschaut haben, wenden sie Nintendo nun den Rücken zu - man sieht ja bei der Konkurrenz, dass es einfach anders geht. So meckern und poltern die Veteranen, doch inwiefern wird das den eingeschlagenen Weg Nintendos noch beeinflussen? Präsident Reginald „Reggie” Fils-Aime beteuert zwar oft, wie wichtig ihm die „Core-Gamer” doch seien, aber vorzeigbares Spielematerial kann er ihnen nicht anbieten. Hoffen wir, dass Onkel Minutenzocker und Tante Kurzweilknoblerin bald keine Lust mehr auf präzises Rumhampeln vor dem Fernsehgerät und Kochen und Englisch lernen mit dem DS haben werden. Denn dann kommen sie wieder, die frechen Gumbas, die vermatscht werden wollen, der Blue Falcon, der von waghalsigen Piloten geflogen werden möchte, und auch Donkey Kong lässt das Kartfahren und Baseballspiel hinter sich und trägt wieder gemeinsam mit seinen affigen Familienmitgliedern den DK-Rap vor.

Und wer zu faul ist, diese Kolumne komplett zu lesen, hier die kurze Zusammenfassung: 1.) Früher war alles besser und 2.) Hach, das waren noch Zeiten. Vielleicht kommen sie ja wieder. Vielleicht.

Starrt besorgt auf die Releaseliste: Johannes Floehr [Johannes] für PlanetDS.de







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