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Portable Nostalgie: Vergessene Schätze des GBA

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Autor: Christian Luscher

Kategorie: Spiele
Umfang: 1 Seiten

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NintendoDS Artikel vom 05.03.2011



Der Gameboy Advance ist tot, damit wollen wir beginnen. Tot wie ein Türnagel ist er, daran besteht kein Zweifel. Das muss man sich ins Gedächtnis rufen, weil sonst nichts an der Geschichte, die ich erzählen will, wunderbar erscheint. Denn es gibt etliche Menschen, die noch diesen ehemals bestverkauften Handheld besitzen. Ja, zuweilen soll es vorkommen, dass diese das eine oder andere Modul in ihren GBA schieben und ein Weilchen spielen. Und ab und zu, liebe Leser, geschieht dann etwas Wunderbares: Ein uraltes Spiel eines toten Handhelds schafft es auf einmal innerhalb von Minuten, den Spieler, der auf den aktuellen Konsolen eigentlich bessere Grafik und klangvolleren Sound gewohnt ist, ganz und gar zu fesseln. Noch viel wunderbarer ist es, wenn diese Spiele solche waren, von denen man damals, als sie neu erschienen sind, noch nicht einmal besonders viel gehalten hat. Um solche Spiele soll es in diesem Artikel gehen – sieben GBA-Games ziemlich abseits vom Mainstream, die aber sind wie guter Wein und sonderbarerweise mit dem Alter besser geworden zu sein scheinen. Ist diese Aufzählung subjektiv? Selbstverständlich! Ist die Liste unvollständig? Klaro! Dennoch könnte es ja sein, dass sie es schafft, den einen oder anderen nostalgischen Zocker dazu zu bringen, einem seinerzeit etwas vernachlässigten Titel eine zweite Chance zu geben – und vielleicht sogar für die eine oder andere positive Überraschung zu sorgen!

Platz 7: Hamtaro: Ham-Ham-Herzschmerz
Genre: Adventure, Publisher: Nintendo, erschienen: 2003



Und gleich beim siebten Platz fragen sich geschockte Zocker: „Ham-ham-ham die sie noch alle?“ Die verblüffende Antwort ist: ja! Denn das putzige Spielchen, das im PlanetGameboy-Test dereinst respektable 74 Prozentpunkte abräumen konnte, ist ideales Futter für den Gameboy-Zocker, der ein lustiges, nicht gar zu kniffliges Abenteuer mit niedlichen Charakteren durchleben will, und das Ganze – Legionen von Eltern werden Tränen der Erleichterung vergießen – komplett ohne Gewalt! Ähnlich klassischer Text-Adventures geht’s durch die Hamtaro-Welt mit der Aufgabe, sämtlichen anderen Nagern zu helfen und Liebe zu verbreiten. Ich weiß, ich weiß: Einige ganz harte Zocker werden ihren Würgereiz wegen der niedlichen Grafik nicht zu unterdrücken wissen. Alle anderen, die erwachsen genug sind, um sich nicht ständig beweisen zu müssen, wie erwachsen sie doch sind, können das Hamster-Game ruhig mal wieder in den Modulschacht schieben! Hamha!



Platz 6: Dragon Ball Z: Taiketsu
Genre: Prügelspiel, Publisher: Atari, erschienen: 2004




Jetzt ist in etwa der Punkt erreicht, an dem die meisten Leser ernsthaft meine geistige Reife anzweifeln. Schließlich ist Dragon Ball Z vor allem an (vor-)pubertierende Jungs gerichtet, die sich an herumfliegenden, muskelbepackten Stachelhaarfreaks erfreuen und eventuell vorhandene homoerotische Untertöne entweder ignorieren oder billigend in Kauf nehmen. Taiketsu ist ein wenig das Gegenstück zu Ham-Ham-Herzschmerz. Es gibt darin nicht nur Gewalt, sondern ziemlich viel Gewalt. Die grotesken Gestalten des Manga-Masterminds Akira Toriyama prügeln sich am Boden und in der Luft, schießen hausgroße Energiekugeln aufeinander und schleudern ihr Gegenüber auch gern mal mit vollem Karacho in einen nahegelegenen Felsen. Und das Sonderbare daran: Es macht auch heute noch irgendwie Spaß. Dem Kampfsystem mangelt es zwar merklich an Tiefe – simples Buttonmashing genügt in den meisten Fällen – dennoch halten die ordentlichen Grafikeffekte und die Storymodi mit etlichen freispielbaren Charakteren den Zocker durchaus bei Laune. Wer sich nur ein klein wenig für die Drachenkugeln erwärmen kann, sollte Dragon Ball Z: Taiketsu aus der Schublade nehmen oder auf einem Flohmarkt erstehen, denn auch heute noch bietet es spaßige, schnell erlernbare Action.



Platz 5: Pokémon Mystery Dungeon: Team Rot
Genre: Dungeon Crawler, Publisher: Nintendo, erschienen: 2006




Dieses Spielchen erschien erst gegen Ende der Lebenszeit des GBA und schon damals war klar, dass es nicht für jedermann geeignet ist. In diesem Dungeon-Crawler crawlt man in Gestalt eines Taschenmonsters mit einem oder mehreren pokämonischen Begleitern durch diverse Dungeons und versucht, Poké-Kollegen bei ihren Wehwehchen zur Seite zu stehen. Was Mystery Dungeon damals besonders machte, war sein ausgeklügeltes Quest-System und die zufallsgenerierten Levels, die dafür sorgten, dass man sich auf jedes Dungeon von neuem einstellen musste/konnte. Auf dem DS existiert einerseits eine fast identische Kopie, andererseits eine geringfügig veränderte Fortsetzung. Für Roguelike-Puristen ist der GBA-Teil aber noch immer das Nonplusultra. Klar, es gibt einige Negativpunkte – so ist erstens die Welt außerhalb der Dungeons relativ klein, zweitens kann es für Uneingeweihte ein wenig repetitiv wirken und drittens ist es dummerweise ein Pokémon-Spiel. Doch wer über diese, äh, Mängel hinwegsehen kann, bekommt mit Team Rot den besten Teil der bisher noch ziemlich kurzen Serie und obendrein ein sehr ordentliches GBA-Spiel, das auch nach Jahren noch Spaß macht.



Platz 4: Car Battler Joe
Genre: Action-Adventure, Publisher: Ubisoft, erschienen: 2002 (USA)




Dieses Spiel war nun wirklich vom Pech verfolgt, erschien es doch gerade zu dem Zeitpunkt, als alle Welt dem Golden-Sun-Hype verfallen war. So wurde es von den Zockern gar nicht so richtig zur Kenntnis genommen – was sehr schade ist, denn einige hätten mit Car Battler Joe ziemlich viel Spaß gehabt. Worum es geht, steht eigentlich schon im Titel: Es geht um Car Battles, also Kämpfe mit irre hochgemotzten Autos, die sich in Mode7-Umgebungen mittels Kreissägen, Bomben und riesigen Kanonen zünftig den Lack zerkratzen. Eingebettet ist das Ganze in ein ordentlich ausgeführtes RPG mit Oberwelten und einem umfangreichen Quest-System, bei dem man Lieferungen für andere Charaktere ausführen, böse Endboss-Autos kurz und klein ballern und sein eigenes Gefährt schließlich zu einem unzerstörbaren, gottgleichen Tötungswerkzeug hochrüsten kann. Nebenbei dürfen noch diverse Führerschein-Tests absolviert und natürlich in der Battle League mitgemischt werden. Die Oberwelt-Grafiken wirken gerade heute ziemlich verwaschen und stümperhaft und die Story bietet etwa soviel Tiefgang wie die Handlung eines Pokémon-Spiels, aber die kompromisslose Action in den Mode7-Sequenzen und die zahlreichen Optionen machen aus Car Battler Joe ein vergessenes Juwel, das auch heutzutage noch einiges an Spaß verspricht, allerdings in hiesigen Gefilden niemals offiziell erschienen ist. Na toll.



Platz 3: Zone of the Enders: The Fist of Mars
Genre: Strategie(?), Publisher: Konami, erschienen: 2002




Es ist schon seltsam. Der GBA-Teil der Zone of the Enders-Reihe hat beim Erscheinen läppische 68% abgeräumt, und dennoch bin ich gerade dabei, das Spiel bereits zum vierten Mal durchzuspielen. Wie kommt's? Nun, es ist wie bei den anderen bisher erwähnten Games: Es weist einige Punkte auf, die es nicht gerade massenkompatibel machen. Da sind zum Beispiel die ausgedehnten Manga-Zwischensequenzen, in denen sich die Charaktere in endlosen Texttafeln über Wohl und Wehe ihrer Missionen und persönliche Befindlichkeiten austauschen. Zum anderen ist das Spiel nicht besonders schwer – wer den Dreh raus hat, kann bei einigen der Echtzeit-Actionsequenzen zuverlässig ungeschoren davonkommen. Warum ist es dann so, dass diese Mankos, die ein Spiel bleibend entstellen können, manchen Zockern (wie z.B. dem Autor) überhaupt nichts auszumachen scheinen? Nun, zum einen sind die Zwischenszenen (im Gegensatz zu gewissen Spielen mit gewissen goldenen Sonnen) sehr ordentlich und unterhaltsam geschrieben. Die Handlung erinnert stark an eine Anime-Serie – sie ist in einzelne Episoden eingeteilt, die zumeist jeweils einen Kampf enthalten. Die Charaktere sind interessant und die Dialoge witzig. Ein Beispiel, das ich hier mal sinngemäß aus der Erinnerung zitiere:
    Miss Robin: „Wir müssen schauen, ob die Maschinen miteinander kompatibel sind.“
    Razma: „Mich würde viel mehr interessieren, wie kompatibel Sie mit _mir_ sind! Zwinker, zwinker!“
    *BANG*
    Semyl: „Oh, entschuldige, hat das weh getan? Es scheint so, als wäre mein Absatz UNHEIMLICH KOMPATIBEL MIT DEINEM FUSS!“

Gnahaha, ich könnte mich über so was stundenlang ausschütten. Äh, wo waren wir? Ach ja, Riesenroboter. Viele Riesenroboter. Wie es sich für diese Art von Stories gehört, versuchen in apokalyptischen Schlachten gigantische Mechas ihre noch gigantischeren Gegner in ihre Einzelteile zu zerlegen. Auf einem zweidimensionalen Spielfeld können die Figuren herumgeschoben werden und dürfen bei Feindkontakt ihre Gegenspieler in einer Pseudo-3D-Sequenz anvisieren und abknallen. Vielleicht darf man The Fist of Mars nicht vorrangig als Strategie-Game wie Advance Wars sehen, sondern eher als interaktiven Manga mit Strategie- und Actionelementen. Man muss es mögen, natürlich – dennoch können Freunde von Mangas, Mechas und Strategie (in genau dieser Reihenfolge) damals wie heute damit einige nette Stunden auf dem Mars verbringen.



Platz 2: Summon Night: Swordcraft Story 2
Genre: Action-RPG, Publisher: Atlus, erschienen: 2006 (USA)




Und noch eines dieser vergessenen Spiele, von denen der europäische Zocker noch nie etwas gehört hat – aus dem einfachen Grund, da es (wie sein Vorgänger) niemals hierzulande erschienen ist. Man spielt einen jungen Menschen (das Geschlecht kann ausgesucht werden), der/die sich mit einem witzig-sonderbaren, nicht-menschlichen Partner (wahlweise einem Dämonen-Kind, einem Roboter, einem Halb-Biest oder einer Teufelin mit geteilter Persönlichkeit) anfreundet und sich aufmacht, zu einem hervorragenden Schmied zu werden, um die kleine Insel, auf der er/sie lebt, vor einer entsetzlichen Bedrohung zu retten. Hört sich erst einmal nicht besonders mitreißend an, doch was das Spiel von der Masse abhebt, ist die Umsetzung. Und die ist sehr liebevoll. Die Welt ist hübsch gestaltet, die Dialoge hochgradig witzig, die Story überraschend gut geschrieben und die Action (auf zweidimensionalen Schlachtfeldern, ähnlich den frühen Tales-Spielen) äußerst mitreißend. Zusätzlich kann das Spiel mit einem der besten Waffenerstellungs-Systeme aufwarten, die der GBA je gesehen hat. Seine Waffen der Wahl ständig mit neuen Metallen zu verbessern, macht einfach wahnsinnig Spaß. Ein Jammer, dass Swordcraft Story 2 hierzulande nicht offiziell releast wurde. Aber hey – wir leben im Zeitalter des Internets! Vielleicht habt ihr Glück und könnt euch über verschlungene Pfade eine Importversion sichern!



Platz 1: Tactics Ogre: The Knight of Lodis
Genre: Taktik-RPG, Publisher: Atlus, erschienen: 2002 (USA)




Unangefochtener Spitzenreiter der GBA-Kostbarkeiten jenseits des Mainstreams ist aber dieser Handheld-Ableger der Tactics Ogre-Serie. Er ist ein Höhepunkt im Genre des tragbaren Taktik-RPG! Er glänzt mit einem durchdachten Charaktersystem! Er verfügt über einen riesigen Umfang! Und er ist – natürlich – niemals in Europa veröffentlicht worden. Neiiin! Immerhin waren wir von PlanetGameboy schon damals von diesem Stück Software derart beeindruckt, dass wir dafür ordentlich die Werbetrommel rührten und die Importzahlen in beachtliche Höhen trieben. Selbst das ein Jahr später erschienene Square-Aushängeschild Final Fantasy Tactics Advance konnte nach Meinung von angesehenen Experten (wie z.B. mir) in puncto Story und Gameplay The Knight of Lodis nicht das Wasser reichen. Auch heute noch macht das Spiel um den desertierten Ritter Alphonse, der sich auf der Insel Ovis einem bösen Komplott und uralten, finsteren Mächten gegenübersieht, noch ordentlich Eindruck und ist problemlos nicht nur der GBA-Konkurrenz, sondern der großen Mehrzahl der Taktik-RPGs auf aktuellen Handhelds Längen voraus. Wer sich auf das Spiel einlässt, kann daraus auch 9 Jahre nach Erscheinen Stunden von spannendem Gameplay schöpfen. Glaubt ihr nicht? Nun, es gibt nur einen Weg, herauszufinden, ob an meinen Lobhudeleien etwas Wahres ist. Kramt euren GBA hervor, pustet die Staubschicht vom Bildschirm und begebt euch auf eine (erneute?) Reise in die Welt von Tactics Ogre: The Knight of Lodis!



Und das ist sie, die inoffizielle, lückenhafte, zutiefst subjektive Liste von Spiel-Underdogs, die auch Jahre nach dem klinischen Tod des GBA noch einen zweiten Blick wert sind. Selbstverständlich gibt es noch etliche Preziosen, die mit gleichem Recht in diese Reihe gehören, die wir aber aus irgendeinem Grund übersehen haben. Und hier seid ihr aufgerufen! Welche GBAntiquitäten machen euch auch noch heute Spaß? Schreibt doch mal! Am besten ins dafür vorgesehene Kommentarfeld. Und wer sich erdreistet, Golden Sun zu nennen, der kriegt ein paar in'n Nacken und geht ohne Abendbrot ins Bett! So!

Schwelgt in der guten alten Zeit: Nostalgieexperte Christian Luscher [Sagat] für PlanetGameboy.de!
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