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Hands-on & Test zum Nintendo DSi XL
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Autor: Jakob Nützler Kategorie: Hardware Umfang: 1 Seiten Seite 1 Kommentare: Kommentieren (-)
NintendoDS Artikel vom 03.03.2010
![]() Als ich Februar 2005 meinen Handheld-Traum realisierte und einen nagelneuen Ur-Nintendo DS endlich aus dem „Limited VIP Pack“ herausschälte, enttäuschte mich eine Begebenheit des Gerätes ziemlich. Nein, nicht der Zahnstocher-Stylus, den Kleinkinder tatsächlich verschlucken könnten. Auch kümmerte mich kaum, dass selbst mein Handy mit besserer Bildschirmbeleuchtung ausgestattet war - ich spielte sowieso am liebsten im Dunkeln. Sogar das unhandliche Brotbüchsen-Desgin der ersten DS-Generation dezimierte meine Freude nicht - im Gegenteil, liebend gerne hätte ich meine rosarote Brotdose damals gegen eine edle DS-Silberbüchse eingetauscht. Aber diese kleinen, unvorteilhaften Screens... Diese winzigen Bildschirme - die hatte ich mir wesentlich größer vorgestellt. Man gewöhnt sich zwar an alles, aber ein bitterer Beigeschmack begleitete meine ersten Spielstunden permanent. Exakt fünf Jahre später sollte meinem Handheld-Traum ein Sequel folgen, dessen Wirklichkeit mich letzten Freitag erschlug wie ein Scharfrichter sein Opfer: Der Nintendo DSi XL, die neuste Errungenschaft Nintendos, trudelte in der Redaktion ein. Zeit, sich dem Gerät unauffällig anzupirschen! Wo die inhaltlichen Unterschiede zwischen den Attributen 'klobig' des Start-DS und 'üppig' des DSi XL liegen, welche Spielerfahrung die neue Konsole mit sich bringt (oder auch, was sie an Potential verspielt) und ob am 5. März untermauernde Kaufgründe bestehen, das soll dieser üppige Hands-on-Artikel klären. Alles am DSi XL ist groß. Sogar die Verpackung verdrängt bisherige DS-Kartons im Regal. Erwartungsgemäß ist der XL-Karton daher ordentlich gefüllt: Neben der Konsole selbst, einem Zusatz-Stylus und einem handelsüblichen DSi-Netzteil liegen Prospekte und Anleitungen bei, die noch als Abendlektüre zu umfangreich wären. Generell braucht ihr nur den Touchpen zu zücken und den Power-Knopf ausfindig zu machen, um loszulegen - gerade die farbigen Papieranleitungen zu „Dr. Kawashimas Gehirnjogging für zwischendurch: Wortspiele“ und „Wörterbuch 6 in 1 mit Kamera-Funktion“ sind jedoch einen Blick wert. Schnellstarthinweise führen Neulinge perfekt an die DS-Features und die Bedienung heran, während die Gesundheitshinweise abermals -teils merkwürdig anmutende- Ratschläge verteilen... Legt ihr beim Zocken artig stündlich eine 10-minütige Pause ein? Muss man euch sagen, dass der DSi XL nicht primär in die Mikrowelle gehört!? Sinnvoller ist da der neue DS-Akku, der inzwischen bis zu drei Stunden besserer Akkulaufzeit ermöglicht - prima! Doch genug der Beilagen. ![]() So sieht die endgültige Verpackung von vorne aus - ein ziemlich üppiger Karton. ![]() Die Fantastischen Vier! ![]() Wahrscheinlich die ersten Papieranleitungen für DSiWare - nett, gerade für Anfänger. ![]() Links DSi, rechts DSi XL - die Ladekabel sind diesmal zum Glück identisch. Zunächst fällt die Oberfläche auf: Im Gegensatz zum matten DSi muss sein größeres Ich wieder lästige Fingerabdrücke in Kauf nehmen, die bei beiden zum Release erhältlichen Farben (Bordeauxrot und Dunkelbraun) leider schnell sichtbar werden. Vermutlich wird der DSi XL deswegen für Perfektionisten keine Konsole, die man zu McDonalds mitnimmt, in geselliger Runde herumreicht oder irgendwo zwischenlagert, wo Staub und Fett regieren. Anders als bei den Vorgängern ist dafür die Unterseite wunderschön anzufassen: matt, gleichzeitig etwas rau. Knöpfe sowie Schultertasten, Stylus-Einbuchtung, Anschlüsse und SD Card-Slot sind wie beim DSi angeordnet und schnell wiedergefunden - genauso innen. Trotz des Wachstums liegt der DSi XL selbst im offenen Zustand gut in der Hand - manch einem gefällt der reichliche 'Hautkontakt' sogar besser als beim DSi oder der Lite-Version, da man hier seine Hände manchmal einknicken musste. Und in seiner aufgeklappten Statur beweist der DSi XL, dass um 93% größere Screens (im Vergleich zum DS Lite) keine überschlagene Angabe waren. Da darf schon gestaunt werden! Große Screens erfordern auch große Steuerungsobjekte - neben dem eingesteckten Stylus liegt ein wahrlich fetter Touchpen bei, der einem handelsüblichen Kugelschreiber gleicht. Im direkten Vergleich gefiel der kleinere Stylus zwar oft besser, ist aber höchstwahrscheinlich eine Frage der Gewöhnung. Etwas ungünstig: Für den größeren Stift existiert keine vorgesehene Lücke, lediglich eine halbherzige Plastehülle wird mitgeliefert. Hoffentlich schafft dort Zubehör Abhilfe. ![]() Die glänzende Oberfläche ist schick, zieht Fingerabdrücke aber leider schnell an. ![]() Aufgeklappt kommen die großen Screens richtig zur Geltung. ![]() Und beim Vergleich zwischen DS Lite und DSi XL sieht man den Unterschied am besten. ![]() Wahnsinn: Die Stylus-Familie hat in den vier Jahren ein beachtliches Wachstum hingelegt. Nun endlich zum Eingemachten: Das Menü und seine Features gleichen dem DSi-Angebot wie ein Ei dem anderen. Trotz größerer Screens bleibt auch die bisherige DS-Auflösung von 256x192 Pixeln gleich, sodass entgegen manchem Marketing-Gerede einige Spiele arg kantig und verpixelt ausschauen. Vorwiegend Retro-Titel in GBA-ähnlicher Grafik („Contact“), Spiele mit vielen Mini-Darstellungen (die Yu-Gi-Oh-Dauerbrenner für DS) und auch zahlreiche DSiWare-Produkte, wie die Handy-Umsetzungen von Gameloft („Pop Superstar“), sind davon betroffen. Glücklicherweise gibt es mehr Positivbeispiele: Nintendos typisch-farbenfrohe Knalloptik macht sich hier bewährt, denn z.B. Mario & Luigi, Professor Layton oder Link erstrahlen immer noch in voller Schönheit - und das größere Bild gibt definitiv eine andere Spielerfahrung, auch wenn der DSi XL technisch gesehen sonst keinerlei Veränderungen an den Tag legt. Auch Zwischensequenzen, gut aufgelöste Adventure-Hintergründe (wie teilweise in „Another Code“ oder „Geheimakte Tunguska“) und malerische 2D-Landschaften erzielen tolle Ergebnisse im Großformat. ![]() Kirby ist nur ein Beispiel dafür, dass Nintendo-Games auch auf dem DSi XL super aussehen. Und das Argument des größeren Blickwinkels? Definitiv ein Punkt FÜR Nintendos Jumbo-Handhelden - Adventures, Knobler oder andere gediegene Spielkonzepte machen schließlich mit einem gewitzten Freund oder motivierten Familienmitglied noch mehr Freude. Unser Praxistest belegt, dass fast zwei Personen neben dem DSi XL-Benutzer noch etwas sehen können, den Bombast-Screens sei Dank. Welche Spielmechaniken sind mit dem DSi XL griffiger zu handhaben? Besonders Zeichenspielereien und fummelige Mechaniken mit vielen Angriffspunkten auf dem Touchscreen sind auf den größeren Bildschirmen eindeutig besser zu erreichen. 'Rubbel-Minigames', wie z.B. „New International Track & Field“ oder „Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen“ durchsetzt, sind jedoch (noch) anstrengender. Nachdem aus dem DSiWare-Beet anfangs eher Unkraut und müde Pflänzchen sprossen, erblüht der Download-Garten inzwischen schon prächtiger - der DSi Shop ist ebenfalls ein Bereich, den man bei der DSi XL-Betrachtung ansprechen sollte. Publisher wie Gameloft und Nintendo gießen jedenfalls fleißig, und auch die Zukunft bietet sonnige Aussichten! Der Kauf einer Download-Neuheit kostet zudem weniger Überwindung als bei einem Vollpreisspiel, aufgrund des relativ kleinen Preises. Und wer auf Experimente, Albernheiten und Kreativität à la „WarioWare: Snapped!“, „Photo Dojo“ oder das interessante „Rittai Kakushi E Attakoreda“ setzt, wird derartige Konzepte oder ihre Weiterentwicklungen am ehesten im DSi Shop antreffen. Der DSiWare-Garten ist und bleibt eben erster Anlaufpunkt, wenn es Entwicklern lustig in den Fingern juckt. Sicherlich gibt es DSiWare-Downloads, die den DSi XL befürworten? Klaro - erinnert ihr euch beispielsweise an „Mixed Messages“ (zum Test)? 500 Punkte, April 2009? Activisions Partypaket sollte auf den riesigen XL-Bildschirmen sein Potential noch einmal vermehren, schließlich bleibt mehr Platz zum Zeichnen und auch die Auflösung ist für viele Personen auf einmal einzusehen. Ebenfalls witzig (und immer noch kostenlos): „Flipnote Studio“, bei dem man ebenfalls seinen Stylus-Pinsel kreisen lassen darf. Und nicht zuletzt sind ja die ordentlichen Starttitel „Dr. Kawashimas Gehirnjogging für zwischendurch: Wortspiele“ und „Wörterbuch 6 in 1 mit Kamera-Funktion“ bereits vorinstalliert. ![]() Die Verpackung belegt es: Diesmal sind zwei DSiWare-Programme im Menü bereits eingerichtet. Insgesamt ändert sich natürlich auch mit dem DSi XL nichts daran, dass die Download-Preise verglichen mit dem iPhone enttäuschend hoch sind und dass viele Spielchen schnell in Vergessenheit geraten. Dennoch liegt der Fokus vieler Firmen derzeit auf digitaler Distribution, weswegen man mit einer DSi-Variante schon gut gerüstet sein dürfte. Nun ist die DS-Verwandtschaft also (vorerst) komplett. Wie aber stehen die Aktien für einen Neukauf der großen Variante, wenn man Nintendo bereits mit Geld für DS-Konsolen gefüttert hat!? Schließlich erscheint der DSi XL kaum ein Jährchen nach dem DSi in Europa, der UVB-Preis liegt bei rund 180€... Wer sich die Kohle aus der Tasche gezogen fühlt, wird eher auf den DSi XL verzichten können. Dennoch geben die größeren Screenshots besonders für DS- oder DS Lite-Besitzer einen Mehrwert her. Konnte euch der DSi bislang nicht wirklich überzeugen und daddelt ihr sowieso am liebsten in den eigenen vier Wänden, kann über einen Kauf nachgedacht werden - die größeren Screens machen ein wenig mehr aus euren Games. Wie wäre es beispielsweise, seiner Stadt in „Animal Crossing: Wild World“ mal wieder einen Besuch abzustatten, das Unkraut zu rupfen und die Sternbilder in stattlicher Größe zu betrachten? Den Endboss aus „Zelda: Phantom Hourglass“ oder „Spirit Tracks“ abermals die Leviten zu lesen und sich danach an einem größeren Abspann zu erfreuen? In „Mario Kart DS“ nochmals ein paar Runden zu drehen? ![]() Sie sind alle vereint! ![]() In Reih und Glied - Noch einmal die gesamte DS-Familie. So gemütlich und ausgiebig es sich auf dem Sofa oder im Bett zocken lässt, so umständlich ist hier der Transport. Demnach ist der DSi XL unterwegs nicht nur der fetteste aktuelle Handheld, sondern auch der unhandlichste. Wem seine Anschaffung lieb und teuer ist, wird sich mit einer separaten DSi XL-Tasche und eventuell Schutzfolien für die Screens eindecken müssen - zudem ist es schwer, die Konsole in Hosen- oder Jackentaschen unterzubringen, ohne das merkwürdige Beulen entstehen. ![]() Keine Chance - natürlich passt der riesige DSi XL in keine der DS-, DS Lite- oder DSi-Taschen. Auch lassen sich die Gerüchte eines 'echten' DS-Nachfolgers nicht vom Tisch wischen. Zwar dürfte es zur Erscheinung nicht mehr 2010 und vermutlich auch nicht 2011 kommen... Trotzdem ist Nintendos Hardware-Abteilung immer wieder für eine Überraschung gut. Bestes Beispiel: Nintendo Wii. Der Nintendo DSi XL ist keine bahnbrechende Erfindung in der DS-Ära - das wird noch deutlicher anhand der Tatsache, dass der Handheld ursprünglich zeitgleich mit dem DSi erscheinen sollte. Dann hätte man nämlich einfach die Wahl zwischen einem eher Unterwegs- und einem Heim-Kandidat gehabt. Natürlich bieten die um 93% größeren Bildschirme etwas mehr Enthusiasmus und das Gerät fühlt sich in größeren Händen besser an, ansonsten ist der DSi XL aber eine überdimensionierte Fotokopie des DSi. Wie bereits gesagt: Wer an DSiWare etwas Reizvolles sieht und vielleicht noch keinen DSi im Haushalt hat, kann sich die Sache ja mal überlegen. Unser Ersteindruck der XL-Variante ist jedenfalls überwiegend positiv. Spielt die fetten DS-Jahre im Großformat nach: Jakob Nützler [Miroque] für PlanetDS.de Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares. ANZEIGE:
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