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Kolumne: Der Ausweg in die dritte Dimension

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Autor: Kevin Jensen

Kategorie: Kolumnen
Umfang: 1 Seiten

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NintendoDS Artikel vom 25.03.2010



3D ist die Zukunft. Wohin man schaut, kommt man um die Kombination dieser beiden bedeutsamen Lettern nicht drum herum - egal ob der Blick gen Kinoleinwand geht, man sich seine aktuelle DVD-Sammlung betrachtet oder lediglich ein zeitgenössisches Videospiel anzocken möchte. Alles ist 3D. Und nein, wir reden nicht von frei-begehbaren Polygon-Landschaften, in dem sich willige Protagonisten zeigen was man in entwicklergeschaffenen Welten alles anstellen kann. Nein. Wir reden von „echtem“ 3D. Strikte räumliche Verwirrung der Augen und zeitgleich das neueste Unwort, nachdem „Innovation“ so langsam ausgedient hat. Jeder will es, jeder mag es. Aber ist 3D wirklich das, was wir brauchen?

Wer die Zukunft verstehen will, muss aus der Vergangenheit lernen. Also Türen auf und rein in den Delorean, fix den Flux-Kompensator auf die 50er Jahre gestellt und die Zeitreise kann beginnen. Wooosch...

Zwischen Petticoat, Korea Krieg und Marshall Plan konnte man sich auch multimedial ablenken lassen. Aufgrund der boomenden TV-Verkäufe und der wohl größten Errungenschaft der Sesselpupser, der TV-Fernbedienung, wurden die Kinos immer leerer - Eine Lösung musste her, die das Kino wieder spannend werden lassen sollte. Die Anaglypher-Technik oder auch das Rot-Grüne-Brillenschlangen-Syndrom litt aber noch stark an Kinderkrankheiten und führte zu Kopfbrummen und schmerzenden Augen. Aber hey, immerhin konnte man dieses Erlebnis nicht zu Hause haben und musste ins Kino gehen. Außer man prügelte sich beim Flimmerkistenbewundern mit einem Knüppel auf den Schädel ein...

Doc, Sie haben gerade Einstein aufgelöst!
Mit der Zeit entwickelte sich die Technik weiter, aber auch Polarisationstechnik, Interferenzfiltertechnik oder Shutterbrillen konnten die Kinderkrankheiten von 3D nicht wirklich ausmerzen. Der Delorean hat nicht ausgedient, also reisen wir weiter. Dieses Mal in das Zeitalter der pizzafressenden Riesenschildkröten mit Ninja-Ausbildung. Es kamen die 80er und 90er Jahre, die Zeit in der jeder behauptete, dass virtuelle Realität die Zukunft sei. Wir können klar den Kopf schütteln und freuen uns, dass wir noch echtes Sonnenlicht genießen dürfen, keine klobigen Helme tragen und wild im Zimmer rumfuchteln. Okay, rumfuchteln habe ich irgendwo schon gesehen... Nur wo?

Aber zurück zu den 90ern. Genau in dieser Zeit versuchte Nintendo sich erstmals im 3D-Geschäft. Wir schreiben das Jahr 1995, als Nintendo seinen Virtual-Reality-Sonnenbrillen-Klopper vorstellt und Lord Helmchen vor Freude fast an einem Herzinfarkt stirbt. Der Virtual Boy ist geboren und stellt zeitlich die letzte Erfindung des kurz darauf verunglückten Game Boy-Vaters Gunpei Yokoi dar. Wie war das so schön? Man sollte aufhören, wenn's am schönsten ist.

Doch was war der Virtual Boy? Eine Mischung aus überdimensionaler Taucherbrille und 3D-Videospielsystem mit Rotstich. Der Nachteil? Es gab nur 224 rote LEDs, die genutzt wurden, um das Bild darzustellen. Was bedeutete, dass jeder Mensch des Sternzeichen Stiers nur beim Anblick der „3D“-Spiele Amok lief. Killerspiele waren geboren. Rot und Schwarz. Mehr nicht. Und das zu der Geburtsstunde der PlayStation, als 3D-Polygone das Laufen lernten. Und was war der Vorteil des Virtual Boy? Spiele mit echter Räumlichkeit sollten den Spielspaß auf eine neue Ebene katapultieren. Das Ergebnis war ernüchternd und Nintendos wohl größter Flop, neben dem Pokémon Mini wurde nach rund 770.000 weltweit verkauften Exemplaren wieder eingestampft. Seitdem schweigt man sich über dieses Thema aus und jeder Fanboy läuft vor Wut rot an, wenn er die Begriffe „Virtual“ und „Boy“ auf nur zwanzig Meter Entfernung riecht!

Niemand... nennt mich... eine feige Sau.
2009. In der Gegenwart sollte sich alles ändern und mit Avatar in den Kinos möchte man an die Gedanken der 50er Jahre anknüpfen und den HD-verwöhnten Heimkino-Hockern etwas liefern, was sie auf ihrer weich gesessenen Couch nicht bekommen. Das 3D-Kino blüht erneut auf und es ist so hipp wie nie. Selbst Sony sagt: „Jetzt wollen wir auch die PS3 mit 3D-Spielen beliefern!“. Square Enix munkelt über „Final Fantasy XIII“ in 3D und Nintendo wagt den Knüller: Nintendo 3DS. Tolles Wortspiel, nicht? 3D + DS = 3DS. Diese Brillanz, dieser Wagemut... *hust*

Genau dieser einfallsreiche Arbeitstitel soll Innovation ablösen und die dritte Dimension auf Hosentaschenformat schrumpfen lassen. Skepsis macht sich breit. Keiner mag so richtig sagen, ob das Gerät der große Wurf wird oder nicht. Wir wollen sehen welche Software kommt, wollen sehen ob diese Erfahrung einen Mehrwert bietet. Ob man mit seiner Politik der Zielgruppenerweiterung weiterhin Erfolg hat, wenn „Dr. Kawashima 3D“ nicht nur die grauen Zellen verwirrt, sondern nun auch die Augen? Aber hatte man nicht ähnliche Fragen, als Nintendo 2005 erstmals meinte, sie wollten einen Handheld mit zwei Bildschirmen vermarkten!? Warum zwei, wenn man eh nur auf einen gleichzeitig schauen könne? Die gleiche Skepsis gab es schon mal und Nintendo hatte fulminant bewiesen, dass sie für eine Überraschung gut sind. Doch was bringt die Zukunft?

Prognose:
Schafft der Traditionskonzern diesen Coup erneut oder schlüpft man in die Schuhe des Virtual Boy-Misserfolgs? Glückt Sony der Erfolg auf der Heimkonsole? Oder wird man auch hier nach nur zwanzig Minuten an seinen Augen reiben und sich wünschen, in eine Zwiebel zu beißen. Auch wenn Marty McFly schon einen Schritt weiter war und lernen musste, vierdimensional zu denken, muss sich hierzulande erstmal die dritte Dimension durchsetzen. Kinderkrankheiten, Augenkrebs und wirre Gedankenwelten wollen überwunden werden und nur eines kann die Skepsis ausmerzen: Fakten. Harte Fakten. Bis dahin warten wir ab, trinken einen Tee und genießen freudiges Zwiebelschneiden.

Kevin Jensen für das PortableGaming-Netzwerk.
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