
Videospieler sind Fast Food essende, voluminös gebaute, ungepflegte, kontaktunfreudige, sesselfurzende, von der Außenwelt abgeschottete, ohne Freunde lebende, männliche und nicht zuletzt aggressive Individuen - so das etwas überspitzte Bild vieler Menschen auf uns Gamer. Dass diese Vorurteile nur eine kleine Minderheit widerspiegeln, ist allen, die sich etwas intensiver mit dieser Thematik befasst haben oder selbst direkt damit verbunden sind, klar. Meist ist sogar das Gegenteil der Fall. Videospiele lassen Freundschaften entstehen, schlagen Brücken zu anderen Menschen und bringen diese aufgrund der einen, bei allen vorhandenen Gemeinsamkeit, den Videospielen, zusammen. PictoChat wurde bewusst nicht als online Kommunikationsprogramm konzipiert, Freunde sollen sich treffen und zusammen gegen- und miteinander spielen. So wieder einmal geschehen Ende April (21.4. bis 23.4), nahe Köln in Heinos Heimatstadt „Bad Münstereifel“ – die mittlerweile fünfte Nintendo Convention, kurz NCON fand statt.
Was uns verbindet und zusammenführt…
Wie, wo, was – NCON? Wer bisher beim Anblick dieses Wortes nur die einzelnen Buchstaben wieder erkannte, über die Gesamtbedeutung jedoch noch nicht aufgeklärt war, hat in den letzten Jahren wohl oder übel Europas größtes Nintendo-Fantreffen verpasst. Spieler, nicht nur aus Deutschland, pilgern jährlich einmal in die kleine, mittelalterliche Stadt „Bad Münstereifel“, dem Mekka für Nintendo Spieler, um Internet Bekanntschaften zu treffen, bei verschiedenen Turnieren anzutreten, eventuell tolle Preise zu gewinnen oder - und darauf läuft es in erster Linie hinaus - um zu zocken und eine Menge Spaß zu haben.

Was im Jahr 2002 noch mit etwa 20 Teilnehmern begann, entwickelte sich über die Jahre in riesigen Schritten zum europaweit größten Nintendo Zockertreffen. Anno 2006 lag die auf 200 begrenzte Besucherzahl bei mehr als 150. Zu viel Testosteron und männliche Hormone mag da der ein oder andere denken, doch dem war nicht so. Es stellte sich wie auch schon in den vergangenen Jahren heraus, dass vermehrt weibliche Spieler Gefallen an einer der schönsten Nebensachen der Welt gefunden haben. Das erneut vorgegebene Mindestalter von 16 Jahren stellte sich, anders als zu vermuten wäre, nicht als Hindernis heraus. Das Publikum lag altersmäßig größtenteils über dieser Schranke und so fanden sich auch viele Veteranen zwischen den endlosen Reihen von mitgebrachten Fernsehapparaten und daran angeschlossenen Konsolen wieder. Konsole ist das Stichwort, denn genauso weit gefächert wie die Angereisten, war wie jedes Mal wieder die Auswahl an Geräten enorm. Was auf der NCON nicht zu finden ist, existiert nicht - zumindest lassen Klassiker wie der bedauerlicherweise gefloppte Virtual Boy, das 64DD, ausschließlich in Japan zu bekommende Spiele und Konsolen sowie Exoten á la IQue diesen Eindruck aufkommen. Vom NES über den GameBoy, Nintendo GameCube oder Nintendo DS lite, alles war vorhandenes Objekt der Begierde und wurde ausführlich gezockt.
Ich will doch nur spielen…
Tag 1, die Ankunft gestaltet sich wie gewohnt. Die Location war wie immer das St. Angela Gymnasium, welches aufgrund der Raumaufteilung und seiner riesigen Halle perfekt geeignet ist. Das von außen noch recht (wie bei Schulen üblich) distanzierte Wirken verändert sich rasch nach dem Eintreten in das Gebäude. Unendlich viele bekannte Klänge suchen sich einen Weg um die Vorherrschaft im Gehörgang des Angekommenen. Zig Monitore, darunter auch diverse von Nintendo offiziell zur Verfügung gestellte Anspielstationen flimmerten rechts und links in den Augenwinkeln.
"Die Unterstützung durch die Publisher und freiwillige Helfer war so groß wie nie zuvor."
Ein Gefühl von Heimat breitete sich aus. Nach der Anmeldung und Entgegennahme des Namensschildchens ging die Jagd nach dem besten Platz auch schon los. Der großen Turnierplattform, den Tischreihen und Kilometern von Kabeln zum Trotz, war auch schon das passende Exemplar „Tisch“ gefunden, direkt vor der großen Leinwand. Sachen ausgepackt, Schlafsack in einen der Schlafräume (Klassenzimmer) geworfen und ab ging die Post. Etwas später als 18.30 Uhr wurde die fünfte Ausgabe der NCON offiziell und feierlich eröffnet, kurz darauf begann auch bereits die Anmeldung aller möglichen Turniere. Von Mario Kart Double Dash auf dem Nintendo GameCube, dem dazugehörigen DS Pendant und vielen weiteren Spielen wie Perfect Dark, Mario Smash Football und Soul Calibur 2 wurde eine Menge geboten und alle bannten spätestens während der jeweiligen Finals auf die Großleinwände. Die Spiele einfach nur zu können reicht um unter die ersten 10 zu kommen aber leider nicht, denn die Creme de la Creme der deutschen Nintendo Zocker war in jeder Disziplin anwesend – Offene Münder gab es bei einigen Spielen oft zu sehen und das lag nicht an der gerade eingetroffenen Essenslieferung von ca. 50 Pizzas und einer zusätzlichen Menge China-Food.
Du bist Nintendo!

Du bist nicht nur Deutschland, nein, du bist auch Nintendo. Wir alle sind Nintendo. Ohne uns würde es den von vielen so sehr geliebten Mario-Konzern nicht geben, jeder Spieler trägt die Geschichte weiter und hält sie am Leben. Genau das war das Motto der Veranstaltung: „Wir sind Nintendo“! Doch trotz dieser eindeutigen Affinität zu dem japanischen Großunternehmen war die NCON keine Versammlung von „Fanboys“, also fanatischen Anhängern. Die lockere, familiäre Atmosphäre und Veranstaltung stellte vor allem den Spaß am Videospiel in den Vordergrund, wodurch auch die ein oder andere Konsole eines Fremdherstellers gern gesehen und gut genutzt wurde. Die nächtlichen Schlaf- und morgendlichen Wecklieder mit Sing Star stehen an dieser Stelle beispielhaft für viele weitere, hauptsächlich kuriose Games, die auch ohne den Schriftzug Big N´s für viel allgemeine Erheiterung sorgten.
Das Wort „Schlafen“ hat im Zusammenhang mit der NCON allerdings eine etwas andere Bedeutung. Die Nächte beziehungsweise Morgen, in denen man sich gemütlich in seinen Schlafsack legt, sind meist sehr kurz, wenn überhaupt. Falls man sich gegen 4.00 Uhr morgens durch seine Vernunft verleitet, dazu entscheidet, etwas Kraft zu tanken, ist man aufgrund der vielen Möglichkeiten und dem gesamten „Drum-Herum“ gar nicht müde, es macht den Eindruck, das Sandmännchen wäre selbst anwesender Nintendianer und hätte seine Besonnenheit zu Hause vergessen.

Die leichte Abwandlung des bekannten Spruches: „Wer später bremst ist länger schnell.“, in diesem Fall: „Wer später schläft ist länger wach!“ lässt sich auf die allgemeine Einstellung eigentlich gut anwenden. Zugegeben, beide Phrasen sind inhaltlich mehr als beschränkt, dennoch trifft es absolut zu. Jeder der zwei Morgen (Samstag und Sonntag) begann gleich. Nach dem im Eintrittspreis von 10 bis 15€ enthaltenen Frühstück wiederholte sich der Tag erneut, nahm an Spannung aber immer weiter zu. Weitere Turniere, Chat Sessions, Matches in dem wohl begehrtesten DS Spiel Tetris DS oder in vielen anderen Games ließen auch den zweiten Tag wie im Flug vergehen. Den krönenden Abschluss bot der Sonntagmorgen, der von vielen mit dem Auto angereisten als Tag der Entspannung betrachtet wurde. Geschlafen wurde nicht nur bis 8.00 Uhr, nein, man gönnte sich Zeit bis 8.30 Uhr. Viel Programm und wenig Zeit, nach der feierlichen Siegerehrung des NCON Master, also dem allgemein erfolgreichsten Spieler und der Überreichung eines Nintendo DS Lite als Hauptpreis, schloss das traditionelle Nintendo Quiz die vergangenen Tage schön ab und lies die Veranstaltung langsam ausklingen.
Aus meiner Sicht war die NCON V ein voller Erfolg. Durch die verbesserte Tischaufstellung, einen strafferen und durch den Barcodescanner schneller abgewickelten Turnierplan und den tollen Einsatz unseres Kochs Benjamin aka Cyrax-Black bei der Essensbestellung und bei der Frühstückszubereitung verlief die NCON V trotz Erhöhung der Teilnehmerzahl- im Vergleich zum Vorjahr deutlich ruhiger und damit angenehmer sowohl für Teilnehmer als auch Organisatoren. Die Unterstützung durch die Publisher und freiwillige Helfer war so groß wie nie zuvor. Es gab keinerlei nennenswerte Zwischenfälle und nur wenige verlorene Gegenstände. Persönliches Highlight war für mich der Launch des NCON e.V. - Magazins am Rande der NCON.
(Organisation)
Fazit: Wie im Jahr zuvor konnte auch die mittlerweile fünfte Ausgabe der Nintendo Convention überzeugen. Viel Stress und wenig Schlaf nimmt man da gerne auf sich und auch die nachfolgenden, schweren Tage lassen sich mit den positiven Erinnerungen gut überwinden. Besonders im Vergleich zu NCON 4 hat sich beim Ablauf und in Sachen Organisation viel getan, alles lief wesentlich einfacher, schneller und unkomplizierter. Das Zocken und Zusammensein mit Gleichgesinnten, die interessanten Gespräche und vielen Partien sorgten für 2 tolle Tage in Bad Münstereifel, auch wenn man von der Stadt natürlich nicht viel gesehen hat. Wer leidenschaftlicher Nintendospieler ist und sich ernsthaft über ein Kommen im nächsten Jahr Gedanken macht, sollte im Zweifel für den Angeklagten entscheiden, ihr werdet es nicht bereuen! See you at NCON 6!
Marcus von Lüde (ProContraGamer) für PlanetDS.de
Weitere Informationen zu den vergangenen Events findet ihr auf
ncon.org