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Tägllich grüßt das DS-Tier - Das Leben eines Schreiberlings
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Autor: Elisabeth Grunert Kategorie: Kolumnen Umfang: 1 Seiten Seite 1 Kommentare: Kommentieren (-)
NintendoDS Artikel vom 04.07.2007
![]() Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hat Auf der zugemüllten Couch vor sich hin lümmelnd, den Restalkohol der vergangenen Nächste ausnüchternd, eine Zigarette ansteckend und trübe aus dem Fenster blickend, beginnt ein weiterer Tag in dem Leben eines müden PlanetDS-Schreibsklavens... Die neueste Versoftung zum dritten oder vierten Teil eines aktuellen „CGI-Animations“-Film liegt noch ungeöffnet auf dem Fußboden, eine halbleere Kaffeetasse steht auf dem nicht mehr funktionierenden Drucker, das leise Telefonklingeln unter einem befleckten Kissen und ein vor sich hin krächzender Rechner im Standbymodus lassen erahnen, dass News, Tests und andere wichtige Dinge zu erledigen sind – aber alles zu seiner Zeit. Doch was ist das!? Plötzlich: Eine Welle heller Aufregung fegt durch den stickigen Redaktionsraum, in dem durch ruckartig geöffnete Fensterläden Zettel, Spieleverpackungen, Chipstüten und vertrocknete Steckblumen vom Schreibtisch gewedelt werden. Menschen stolpern übereinander und aufgeregte Rufe schallen aus dem Munde unseres Chefs, der mit zwei verkehrten Socken und einer merklich abgenutzten Zahnbürste zwischen den Fingern gerade hinter einem Ventilator hervorkriecht: „Wir brauchen einen Computer, schnell! Schaufelt einen Computer frei, wir haben nur wenige Stunden!“ In der anderen Hand hält er ein Handy, welches anscheinend gerade als Taschenrechner gebraucht wurde... „Es ist soweit, das war die 200!“ - bevor sich ein Außenstehender dem Sinne dieses Ausrufes ernsthaft bewusst werden kann, spürt man einen kalten Schauer durch die Redaktionsmitarbeiter gehen, die sich unglaubwürdig anstarren und für einen kurzen Augeblick ist wieder nur das dumpfe Klingeln eines Telefons zu vernehmen. Dann bricht das Chaos aus. „Die Reise der Pinguine“ ist der 200. Test auf PlanetDS, doch niemand erinnerte sich rechtzeitig an dieses Jubiläum, geschweige denn, dass etwas besonderes vorbereitet wurde... Zugegeben, dass ausgerechnet ein mageres 40%-Lizenzspiel das sage und schreibe 200. Review auf PlanetDS darstellt, mutet schon ein wenig merkwürdig an - aber wir wollten auch ungern auf das Erscheinen der neuen Pokémon-Editionen oder „Zelda: Phantom Hourglass“ warten, besonders letzteres scheint sich ja noch einige Monate hinzuziehen. Die Redaktion arbeitet deshalb auf Hochtouren, um diesen Umstand dennoch gebührend zu würdigen und kurz Highlights und Flops zu beleuchten, sowie allen Uneingeweihten einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Schließlich kommt es nicht jeden Tag vor, dass solch eine hohe runde Zahl erreicht wird - also schnallt euch an (oder setzt euch zumindest ordentlich hin)! Was macht ein Online-Schreiberling den lieben langen Tag? Test it baby! Der ganz normale Wahnsinn Trudelt eines der begehrten Rezensionsexemplare in dem vor Prospekten nur so überquellenden Briefkasten ein und überlebt den hundebewachten Hausflur bis in die Hände unseres werten Hauptmanns, wird das Modul aus dem sauber verpackten Karton gerissen, in den Mund genommen und auf seine Echtheit überprüft - nun fällt er unter genauer Beachtung aller wichtigen Faktoren (Geschmacksrichtung, farbliche Gestaltung des Covers, eigener Gemütszustand, Ergebnis der geworfenen Münze) die Entscheidung, ob jemand bzw. wer die Essiggurke, das aktuelle rosarote Kaugummi-Game oder die Softwareperle testen darf (oder muss). Die mit uns unter einer Decke steckende Postfrau übernimmt den folgenden Botengang und nach Übergabe der Ware bei Nacht und Nebel, experimentiert der glückliche Auserwählte nun ein wenig mit dem Musterexemplar herum oder lässt alternativ Familienmitglieder bzw. andere bereitwillige Opfer (Omas Schoßdackel) auf die Software los. Sehr interessant ist auch das Zustandekommen des Testberichts und natürlich der obligatorischen Wertung, die von unserem Hauscomputer höchstpersönlich ausgerechnet wird (sollte dieser mal zu Reparationszwecken verhindert sein, kann man sich auch immer auf das zukunftssichere Kaffeesatz-Lesen verlassen): Wir nehmen ganz einfach die Bits und Bytes des Downloadstreams, wandeln die zufällig entstandenen Zahlen in einen Morsecode um und der Abakus setzt schließlich alles ins Alphabet rüber – sollte wider Erwarten nur Kauderwelsch rauskommen, leistet das treue Scrabble-Säckchen uns immer wieder gute Dienste. Den Rest füllen wir mit Standardsätzen und den Erfahrungsberichten von mit Gummitierchen bestochenen Familienmitgliedern, die den Titel tatsächlich gezockt haben. Schlussendlich findet sich immer ein freundlicher Lektor, der hier und da einige Präpositionen, die grobe Wortstellung verändert und ab und zu das Wort „Spiel“ durch „Game“ ersetzt. Einmal diesen Zyklus durchlaufen und online für alle User sichtbar, diskutieren wir bis aufs Blut um unsere Wertungen herum und ändern diese so lange um, bis wirklich jeder (Auch Lieschen Müllers Hamster!) einverstanden ist.Klar nervt so ziemlich alles an der Arbeit eines PlanetDS-Angestellten, am Lästigsten sind aber die tagtäglichen News, die geschrieben werden wollen – da kann man schnell schon mal die Geduld verlieren, besonders wenn es sich um miserable Nachfolger-Titel oder Spiele handelt, die niemals bei uns erscheinen werden. Glücklicherweise kann man sich immer damit rausreden, dass man gerade ernsthaft an einem Test arbeitet, oder sich auf die nächste Spiele-Messe vorbereiten muss... Doch bleiben wir kurz bei dem Thema „Test“ stehen: Wertungshimmel und Wertungshölle teilen sich brüderlich zwei DS-Flitzer, die im Rennspielgenre mit ungleichem Bekanntheitsgrad, aber ähnlicher Motivation an den Start gegangen sind. Immer noch auf der Erfolgsspur durch die Videospiel-Gemeinde düst „Mario Kart DS“, welch selbiger Titel mit erstmaligem Onlinemodus eine neue Ära einleitete – üppige 93% war unser dieser Handheldschatz wert. Auf der anderen Seite besticht „Monster Trucks DS“ mit seinen 31% nur die allertiefsten Ränge noch, auf denen beispielsweise „Ping Pals“ sein tristes Dasein feiert. Hey, zumindest hat Ping Pals einen enormen Sammlerwert, denn es steht quasi mit Sprit der Wilde Mustang auf einer Stufe, eines der schlechtesten Handheldspiele aller Zeiten zu sein. Die goldene Himbeere lässt grüßen! Ich hab’ da mal ne Frage... Nicht immer genügen kreativ zusammengebastelte, von Prospekten abgeküpferte oder gänzlich fehlende Informationen, die wir mit der obligatorischen Verkaufszahlen-News retuschieren – manchmal muss der brave Schreiberling auch aus seinen abgedunkelten vier Wänden heraustreten oder zumindest per Telefon den Kontakt zur Außenwelt, zu fremden, lebenden Menschen aufnehmen... Sicher sind die daraus resultierenden Interviews bei unseren Usern gern gesehen, ihr Zustandekommen ist aber oft ein Drahtseilakt, weil wir uns stets auf unsere teuren 0900er Nummern zurückrufen lassen und die Antworten während dem Diktat-Telefonat abtippen. Merkwürdigerweise kommt das bei allen Entwicklern immer gut an... Bei gigantischen Events wie der E3 lassen wir uns hingegen natürlich nicht lumpen, und fliegen mit dem Privatjet vom Karweg-Building mit dreifacher Machgeschwindigkeit in die Staaten – wer braucht schon eine Concorde? Sollte doch mal die nötige Motivation fehlen, reicht auch ein Blick in Madam Ursulas Kristallkugel, um die neusten Neuigkeiten, Erscheinungstermine oder Gerüchte noch vor der offiziellen Bekanntgabe zu erfahren. Und wenn nicht? Dann wird geschwind der Flux-Kompensator ausgepackt und die Reise in die Zukunft geplant - nur schade, dass so manche Heimreise etwas zeitversetzt geschieht und man sich wundert warum das N64 keinen Touchscreen besitzt und am heimischen TV-Gerät angeschlossen ist... ![]() Trotz all dieser Strapazen, trotz der vielen harten Arbeit, die wir beispielsweise in das Testen sämtlicher erschienender Spiele stecken, fühlen wir uns doch wohl in unserem Team und testen fröhlich weiter. Auf die nächsten 200 DS-Dinger! Elisabeth Grunert [Liese] für PlanetDS ANZEIGE:
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