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Der Bericht zur Nintendo Ausstellung in Koblenz

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Autor: Marcus von Lüde

Kategorie: Events
Umfang: 1 Seiten

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NintendoDS Artikel vom 09.06.2006



Ein Museum ist nach dem Internationalen Museumsrat definiert als „eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecken materielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ Hat man den vorigen Satz erst einmal nach mehrfachem Durchlesen verstanden, ist einem die Lust auf das dort behandelte Thema schneller vergangen, als man das Wort „Wii“ sagen kann. Die heutige Jugend braucht etwas mehr, etwas Außergewöhnliches um von Kultur und Geschichte überzeugt zu werden, denn die „Uninteressierten“ von heute sind die „Interessierten“ von morgen. Wie schafft man es also eine schwer zu erreichende aber mit einem unglaublichen Potenzial ausgestattete Zielgruppe anzusprechen, gleichzeitig aber auch weiter gestreute Altersgruppen nicht aus den Augen zu verlieren? Indem man ein aktuelles Thema behandelt, welches aber schon seit vielen Jahren existiert, bisher allerdings kaum in einem solchen Umfeld beachtet wurde. Was liegt hier näher als Videospiele?

In Zusammenarbeit mit Nintendo veranstaltet das Landesmuseum Koblenz in der Zeit vom 4. Juni bis zum 19. November die Ausstellung „Nintendo – Vom Kartenspiel zum GameBoy“. Wir durften uns vorab sowie am Eröffnungstag für euch die Ausstellung ansehen und berichten nun, ob sich ein Besuch lohnt, was es zu sehen gibt und was Drumherum passiert.

Das Koblenzer Landesmuseum auf der Festung Ehrenbreitstein ist schon seit einigen Jahren dafür bekannt, abseits ihrer technischen Sammlungen, mit diversen Ausstellungen auch speziell Familien beziehungsweise weit gefächerte Gesellschaftsschichten anzusprechen. Ausstellungen über Haribo oder Lego zogen bereits früher die Menschenmassen an, mit Nintendo soll sich dies nun wiederholen.

Wie bereits angesprochen bekamen wir schon vor der offiziellen Eröffnung die Möglichkeit einen Blick auf die Ausstellung zu werfen sowie an der Eröffnungspressekonferenz teilzunehmen. Dort berichteten die Veranstalter, darunter Museumsleiter Thomas Metz, sowie Bernd Fakesch von Nintendo von ihren Erwartungen und stellten sich einigen Fragen. Unter der anwesenden Presse waren auch Kollegen von gamingfreakz, Gaming-Universe, gamepals oder dem Printmagazin GEE. Nach einigen Gesprächen und einer Führung durch die Ausstellungsräume rundete ein Konzert der Kammerphilharmonie Leipzig unter der Leitung von Dr. Michael Köhler mit Stücken aus Mario und vor allem Zelda den gelungenen Auftakt ab.

Die Ausstellung reiht sich in eine Reihe anderer Ausstellungen ein, die speziell für die jüngere Zielgruppe sind.
[Prof. Dr. Joachim Hofmann-Götting/ Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur]


Da Deutschland im internationalen Vergleich bei der Akzeptanz des Mediums „Videospiele“ noch leicht hinterher hinkt und das Thema von den allgemeinen Medien oft oberflächlich und einseitig behandelt wird (Stichwort „Killerspiele“), bietet die Schau nun „Groß“ und „Klein“ die Möglichkeit sich einerseits mit dem eigenen Hobby genauer auseinanderzusetzen, alte Erinnerungen aufleben zu lassen oder in die Welt der jugendlichen einzutauchen, um die Faszination hinter den Handhelds, Konsolen und nicht zuletzt Super Mario, zu verstehen.

Der Fokus der Schau „Nintendo – Vom Kartenspiel zum GameBoy“ wurde wie es der Titel andeutet, auf das japanische Traditionsunternehmen gelegt, weil sie einerseits sowohl die Hardware als auch die zugehörige Software entwickeln, andererseits aber auch schon seit dem Beginn des Videospielebooms in den 80er Jahren dabei und noch viel länger im Geschäft sind. Zudem veränderte und revolutionierte kein anderer Spielehersteller die Welt der Pixel und Ploygone so sehr wie Big N. Im Folgenden ein kleiner Überblick zur Firmengeschichte:

1889
- Das Unternehmen wird am 6. November 1889 von Fusajiro Yamauchi gegründet, der in Kyoto mit der Herstellung von "Hanafuda", japanischen Spielkarten beginnt.
1950
- Hiroshi Yamauchi übernimmt das Amt des Präsidenten und leitet den Produktionsbetrieb der Yamauchi Nintendo & Co.
1959
- Der Verkauf von Karten mit Walt Disney-Figuren beginnt.
- Um weitere Firmenzweige aufzubauen experimentierte Nintendo zwischenzeitlich auch mit Instant-Reis und der Gründung eines Taxiunternehmens.
1977
- In Kooperation mit Mitsubishi Electric entstehen, "TV Game 15" und "TV Game 6", Nintendos erste Heim-Videospielmaschinen.
1980
- In Japan wird mit dem Verkauf der "GAME & WATCH"- Produktreihe begonnen, den ersten tragbaren LCD-Videospielen.
- Der Nintendo- Grafiker Shigeru Miyamoto entwickelt das Spiel Donkey Kong.
1981
- Der Spielautomat "Donkey Kong" wird entwickelt und weltweit vertrieben.
1984
- Das Famicom-System kommt in Japan heraus. Es wird später in Nintendo Entertainment System - NES - umbenannt, als es weltweit erscheint.
1989
- In Japan wird der Game Boy eingeführt, die erste tragbare Spielkonsole mit austauschbaren Spielmodulen.
1992
- Das Super Nintendo Entertainment System erscheint im Juni in Europa. Weltweit verkauft sich das SNES über 46 Millionen Stück mal.
1993
- Der Super FX Chip, der zu dieser Zeit einen technischen Durchbruch für Heim-Videospielsysteme darstellt wird angekündigt.
1995
- Nintendo führt ein 32-Bit Virtual Immersion-System namens Virtual Boy ein.
- Der Verkauf des milliardsten Spielmoduls wird gefeiert.
1996
- Am 23. Juni kommt in Japan das weltweit erste echte 64-Bit-Heim-Videospielsystem der Nintendo 64 heraus.
- Mit dem Game Boy Pocket erscheint im September eine 30% kleinere Version des Gameboys.
1997
- Nintendo führt das Rumble Pak ein.
1998
- Nintendo bringt den Game Boy Color und das Zubehör Game Boy Camera und Printer auf den Markt.
2000
- Der Game Boy wird mit einer verkauften Stückzahl von über 100.000.000 Stück die bestverkaufte Konsole aller Zeiten.
2001
- Der Game Boy Advance erscheint am 22. Juni in Europa. 500.000 Stück werden innerhalb der ersten Woche hier verkauft.
2002
- Pokémon mini, die kleinste Konsole der Welt, erscheint am 15. März in Europa.
- Der Nintendo GameCube kommt am 3. Mai heraus.
- Ende Mai gibt Nintendo- Präsident Hiroshi Yamauchi nach 52 Jahren seinen Rücktritt bekannt. Er ernennt Satoru Iwata zu seinem Nachfolger.
2003
- Im März kommt der Game Boy Advance SP in den Handel.
2004
- Im Januar wird Nintendos geheimnisvolles System - der Nintendo DS - weltweit angekündigt.
2005
- Auf der Electronic Entertainment Expo (E3) wird der Game Boy Micro präsentiert.
- Zudem wird der Nachfolger des Gamecube Wii vorgestellt, dessen revolutionärer Controller wie eine Fernbedienung in nur einer Hand gehalten wird und dadurch es dem Spieler ermöglicht seine Bewegungen ins Spiel zu übertragen.
2006
- Der Nintendo DS Lite erscheint und bricht zusammen mit der dazugehörigen Software alle Verkaufsrekorde.
- Auf der E3 wird Wii zum Gewinner ernannt und konnte die weltweite Fachpresse in seinen Bann ziehen, er wird gegen Ende des Jahres erscheinen.

Detaillierter Informationen zur Unternehmensgeschichte Big N´s findet ihr über den folgenden Link auf PlayWii.de.


“Nintendo ist noch nicht museumsreif!“
[Dr. Bernd Fakesch/ General Manager bei Nintendo Deutschland]



Die Firmengeschichte an sich nimmt aber nur einen kleinen Teil der Ausstellung ein. Auf 800m² werden neben Exponaten wie dem Virtual Boy, Game & Watch und fast allem, was Nintendo jemals produzierte, auch die verschiedenen Wege eines Videospiels aufgezeigt. Viele interessante Tafeln mit allerlei Informationen geben Aufschluss über die Faszination der digitalen Spiele, den Angriff auf die Kinderzimmer der Welt, die mediale Verknüpfung am Beispiel Pokémon, das Verhältnis zur Gesellschaft…

In bestimmten Bereichen wird zudem erläutert, wie die Entstehung eines Videospiels vorangetrieben wird. Von ersten Skizzen über ausmodellierte Figuren, die schließlich als 3D Gerüst in einen Computer übertragen und zum Leben erweckt werden, bis hin zum Marketing. Letzteres wird sehr ausführlich am Produkt „Nintendogs“ demonstriert. Von der ersten Pressemitteilung über den Werbespot und den kleinen Aufstellern, die ihren Weg in die Läden eures Vertrauens finden, wird alles anschaulich dargestellt.

Trotz dieser Gewichtung auf Nintendo hat die Ausstellung auch den Anspruch über die elektronischen Spiele allgemein zu informieren und so will man auch „das Ganze“ zeigen. Eine PlayStation oder ein C64 sind auch in den vielen Vitrinen zu finden doch speziell die vielen Partner des Landesmuseums tragen zu einer großen Vielfalt bei. Die Berliner „Games-Academy“ zeigt eben diese, gerade angesprochene Entstehung einer Gamingsoftware, anhand einiger Programme. Viele weitere Partner und kuriose Ausstellungsstücke aus Laboren sowie den Anfängen der Industrie allgemein, wie ein Stuhl, der die Körperneigung erkennt um einen Flugsimulator zu steuern oder ein Dance Dance Revolution ähnliches Spiel, welches die Spielerbewegungen im Unterschied zur Tanzmatten nur über optische Signale erfasst, bieten dem Besucher Einblicke auf Entwicklungen, die abseits der großen Firmen oder nur zu experimentellen Zwecken getätigt werden. Ein besonderes Highlight ist das kleine „Kino“, welches Szenen von Thomas Gottschalks TV-Sendung „Telespiele“ aus der Zeit von 1977 – 1981 zeigt und ein besonderes Nostalgiegefühl aufkommen lässt.

Auch erwähnenswert ist die Abteilung zum Thema Jugendschutz, welche anhand einiger Beispiele über die Problematik aufklärt und Unterschiede in der Bewertung ein und desselben Spiels in verschiedenen Ländern erklärt. Was macht die BPjM und ist die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) wirklich zu böse beziehungsweise was sind die Aufgaben dieser Verbände?

Besonderen Wert legten die Organisatoren auf die Familienansprache; die Ausstellung soll nicht nur zum anschauen sein, sondern ebenfalls ein „mitspielerisches Element“ enthalten. Zahlreiche Anspielstationen vom GameBoy über den NES oder den alten Donkey Kong Automaten bis hin zum GameCube oder Nintendo DS bieten viel Spaß und sollen vor allem die älteren Semester zum Anspielen bringen. In der von Nintendo extra eingerichteten „Gaming Zone“ können speziell aktuelle Spielehighlights angespielt werden – der neuste Nintendo DS Hit „Dr. Kawashimas Gehirn Jogging: Wie fit ist ihr Gehirn“ fand besonders großen Anklang und wurde am ersten Besuchertag ausgiebig von älteren Besuchern angespielt.

“Erwachsene werden feststellen, dass Spiele nicht nur für Kinder, sondern auch für sie gedacht sind.“
[Bernd Fakesch]


Neben der Ausstellung an sich bietet den Besuchern auch ein umfangreiches Rahmenprogramm auf der Festung einen Anreiz, zu kommen. Zum Auftakt am Pfingstsonntag, dem 4.6. lud Mario die Besucher zu einem großen Familienfest inklusive Hindernisparcours, einer Bühnenshow mit Bravo TV – Moderator „Ben“, Musik der Gruppe „nurso“ und vielen weiteren Attraktionen ein und sorgte für knapp 4000 Besucher.

Im Zuge der „FEEL Nintendo 2006“ Tour wird am 23. Juli der große Nintendo Truck auf dem Gelände halt machen und bietet neben zahlreichen Anspielstationen zu verschiedenen Titeln auch die Möglichkeit tragbare Spielekonsolen auszuleihen und an Wettbewerben teilzunehmen.

Am Sonntag, dem 24. September feiert Nintendo zum zehnjährigen Jubiläum der Pokémon den „Pokémon Day“. Neben einer Tauschbörse, den neusten Pokémon Spielen, einer Parade mit den kleinen Taschenmonstern und einem Quiz, wird es einiges zu gewinnen geben. Über die Zeit der gesamten Ausstellung wird der gelbe Pokémon Bus vor dem Museumsgebäude stehen und bietet Besuchern die Möglichkeit in die Welt ihrer kleinen Freunde einzutauchen und eine runde zu spielen.

Darüber hinaus gibt es viele Workshops und ein weitgehendes Rahmenprogramm vom Landesmuseum, sowie dessen Partnern, über das ihr euch über folgenden Link, genauso wie über Anfahrtsrouten oder Preise informieren könnt: zur Ausstellung

Fazit:
Die Ausstellung „Nintendo – Vom Kartenspiel zum GameBoy“ ist in Deutschland einmalig, etwas Vergleichbares gab es bisher nicht zum Thema Nintendo. Das Ziel eine breite Zielgruppe und alle Mitglieder einer Familie anzusprechen haben die Veranstalter getroffen. Bereits am ersten Tag war das Publikum sehr weit gefächert und erstaunlich viele ältere Besucher fanden den Weg auf die Festung Ehrenbreitstein. Auffallend viele versuchten sich an den diversen Anspielstationen, so dass man deutlich merkte, wie die Barriere zwischen Spielern und Nichtspielern gesenkt und zumindest für den Moment niedergerissen wurde. Das Bedürfnis sich mit der Materie auseinanderzusetzen war deutlich spürbar. Die Ausstellung an sich bietet einiges an Vielfalt, ohne zu „protzen“. Kenner des japanischen Unternehmens werden nicht viele Neues im Bezug auf die Exponate sehen, dennoch vermitteln die vielen Tafeln einiges an Informationen. Abschließend sei zu sagen, egal ob Neueinsteiger oder Profi, jung oder alt, wer sich für dieses Thema interessiert oder einfach wissen möchte, was die Jugend von heute fasziniert, sollte sich diese Ausstellung und das gebotene Rahmenprogramm nicht entgehen lassen. Zudem bietet die die Festung einen wunderbaren Blick auf Koblenz und das „Deutsche Eck“, welches jeder einmal gesehen haben sollte.

Marcus von Lüde (ProContraGamer) für PlanetDS.de

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